Da er die Verkörperung der Schönheit, des Rätsels, des Verlangens und des Verbotenen ist, war der nackte Körper eine große Quelle der Inspiration für Künstler.
Das Aktgemälde selbst gibt uns Einblicke in fünf Jahrhunderte der Kunstgeschichte und umreißt dabei auch die Entwicklungen in der Kunst und der Menschheit an sich. Wir geben Ihnen jetzt einen Überblick der schönsten Nackten, die die Jahrhunderte der unbekleideten Kunst geprägt haben. Im Mittelalter war die Nacktheit mit der Sünde verbunden und nur wenige Künstler wagten, sie darzustellen. Das änderte sich in der Renaissance. In einem Ausbruch der Freiheit eroberte der nackte Körper seinen Platz in der Kunst zurück, der ihm seit der Antike vorenthalten worden war.
Die Religion ist jedoch nach wie vor sehr präsent und nicht alle ihre Richtlinien können auf den Kopf gestellt werden. Von Michelangelo bis da Vinci – der nackte Körper wird glorifiziert, aber auf eine von der reinen christlichen Tradition kontrollierten Art und Weise. Unten sehen wir (möglicherweise) Simonetta Vespucci, das Modell, das die Venus von Botticelli (1445-1510) inspiriert hat und die daraufhin als Inbegriff der venezianischen Schönheit betrachtet wurde. Aber auch hier war die letzte Blöße verhüllt.

Wir springen nun in die Zeit von Francisco de Goya (1746-1828), dem spanischen Maler, der für seine Frauendarstellungen bekannt ist. Im katholischen Spanien und dem ultrakonservativen 19. Jahrhundert brachte Goya fünf Jahrhunderte des Verbots zum Einsturz, indem er eine Frau nicht nur nackt, sondern völlig nackt malte.
La Maja desnuda, eines der berühmtesten Gemälde des Künstlers, war eines der ersten westlichen Kunstwerke, das ein weibliches Schambein zeigte, ohne das Alibi der Mythologie zu verwenden. Die dargestellte Frau wird glücklich und frei dargestellt.
1807 konfiszierte König Ferdinand VII. von Spanien die Maja aus dem Besitz von Staatsmann Manuel Godoy (vermutlich handelt es sich bei der Maja um Godoys Geliebte Pepita Tudó). Sieben Jahre später entschied die Inquisition, dass das Gemälde aufgrund seiner "Obszönität" vor der Öffentlichkeit verborgen werden müsse und klagte Goya obendrein an. Dank des Einflusses des Kardinals Don Luis María de Borbón y Vallabriga ging die Sache glimpflich für ihn aus.
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Diese Freiheit in der Nacktmalerei wird nicht mehr zerstört werden. Als Jean-Auguste-Dominique Ingres 1814 La Grande Odalisque malte, verzerrte er bewusst den Körper (der Rücken und der rechte Arm sind zu lang, der Winkel des linken Beines ist unnatürlich), um die Schönheit des Modells zu unterstreichen und nicht die Glaubhaftigkeit. Er wollte nicht die anatomische Realität der Nackten wiedergeben, sondern das Modell auf eine Weise malen, die seiner persönlichen Vorstellung entsprach.

1866 war Gustave Courbet an der Reihe, mit einem weiblichen Akt in die Schlagzeilen zu geraten. L'Origine du monde stellt eine auf einem Bett liegende nackte Frau dar, bei der alles verhüllt ist, außer ihrem Genitalbereich, der das Zentrum des Werks bildet. Manet lehnte die zu glattpolierte Salonmalerei seiner Epoche ab und war stolz auf den Realismus seiner Werke. Wer Courbet für dieses Gemälde Modell stand, wird unter Kunsthistorikern noch immer diskutiert. Eine weitere Theorie ist, dass Courbets Werk jene Körperstelle enthüllte, die auf dem drei Jahre zuvor entstandenen Skandalbild Olympia von Édouard Manet verborgen blieb.
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Zu Beginn des 20. Jahrhunderts bot Edgar Degas (1834-1917) der Welt Aktzeichnungen, deren anatomische Schönheit niemanden gleichgültig ließ. Er zeichnete Frauen in ihrer Intimität. dem Moment ihrer Toilette, und umriss dabei ihre Körper mit dunklen und sinnlichen Konturen.
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In der Avantgarde der Malerei arbeiteten auch Picasso und Braque mit dem Akt, aber in einem völlig neuen Look. Wie man bei Les Demoiselles d’Avignon (1907) oder Le Grand Nu (1907-08) sieht, erscheinen die Ausführungen eher wie die Vision eines Körpers, denn als Körper selbst.
Während Maler im Laufe der Jahrhunderte den Körper anatomisch genau wiederzugeben, stellt der Kubismus ihn als ein Gefühl, ein Ausdruck, als eine subjektive Darstellung eines Körpers dar.

Ein Wegbereiter für die Neuinterpretation des klassischen Aktes für die Moderne war Amedeo Modigliani, der zwischen 1916 und 1919 35 Aktgemälde ausführte, darunter diesen, der die Pose von Ingres' Odalisque aufzugreifen scheint. Obwohl Modiglianis Werke heute bewundert werden und zu den teuersten auf dem Auktionsmarkt zählen, war ihnen zum Zeitpunkt ihrer Entstehung kein Erfolg vergönnt. Sie wurden sogar als so anstößig empfunden (Modigliani hatte es gewagt, Körperbehaarung darzustellen), dass die Ausstellung von der Pariser Polizei geschlossen wurde.
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Im frühen 20. Jahrhundert geht Egon Schiele (1890-1918) noch weiter mit der Suche nach der Seele im Aktporträt. Der expressionistische deutsche Maler ist derjenige, der eine rohe Art der Sexualität in die Kunst eingeführt hat. Oft inspirierten ihn Prostituierte, die er in grotesken Positionen malte, wodurch er seine Wünsche und seine Frustration zum Ausdruck brachte.
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In den 1950er Jahren interpretierte Henri Matisse (1869-1954) das Aktgemälde in einem einzigartigen und unverwechselbaren Stil. Nach der „Zerstückelung des Körpers“ durch die Kubisten, fügt Matisse noch einen Hauch Farbe hinzu und entfernt sich somit noch weiter von einer realistischen Darstellung. Der Körper ist nun nicht mehr nur Form, Idee und Konzept eines Künstlers, der ihn mit leuchtenden Farben auf einer glatten Fläche materialisiert.
Nach dem 2. Weltkrieg, in den 1960er Jahren, nahm sich die Pop Art dem kommerziellen Aktbild an, welche bisweilen an Pornografie grenzten, wie in einigen Werken von Tom Wesselmann (1931-2004) deutlich wird.
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Heutzutage bemerkt man in unserer Gesellschaft, wo das Intime und Private mehr und mehr in die Enge getrieben werden (vor allem durch das Internet), eine Rückkehr zur kontrollierten Enthüllung. Und das ist die Herausforderung des Aktgemäldes: Die Wahrheit andeuten, ohne sie jemals zu entblößen.
Unsere Geschichte endet hier. Sie geht aber weit über diese wenigen Werke hinaus. Das Aktbild beschränkt sich nicht nur auf die Malerei, es existiert genauso in der Plastik als auch in der Fotografie, in der viele künstlerische Aktfotos Erwähnung verdienen.



