Mein Talent ist so geartet, dass keine Unternehmung, sei sie auch noch so groß und mannigfaltig im Gegenstand, mein Selbstvertrauen jemals überstiegen hätte.
Der spätere Meister des barocken Gemäldes Peter Paul Rubens wird am 28. oder 29. Juni 1577 in Siegen geboren, das damals zur Grafschaft Nassau-Dillenburg gehörte. Sein Vater, Jan Rubens, war Jurist in Antwerpen gewesen, bevor er wegen seines calvinistischen Glaubens aus den von den katholischen Habsburgern regierten Spanischen Niederlanden hatte fliehen müssen.

Später zieht das Ehepaar Rubens mit seinen sechs Kindern nach Köln. Nach dem Tod Jan Rubens 1587 kehrt der Rest der Familie nach Antwerpen zurück, wo sie sich dem Katholizismus annähern. Peter Paul erhält eine gute Ausbildung an einer Lateinschule und lernt als Page einer flämischen Fürstentochter das höfische Leben kennen.
Von 1592 bis 1600 geht Peter Paul Rubens nacheinander bei den Malern Tobias Verhaecht, Adam van Noort und Otto van Veen in die Lehre. Noch vor Ende seiner Lehrzeit wird er 1598 in die Antwerpener Lukasgilde aufgenommen.

Anschließend bereist der nun 23 Jahre alte Rubens Italien, wo er die Werke Tizians, Tintorettos, Raffaels und Caravaggios studiert. Trotz seiner Jugend wird der Herzog von Mantua, Vincenzo Gonzaga, auf ihn aufmerksam und macht ihn zu seinem Hofmaler - und zu seinem Gesandten, denn 1603 schickt der Herzog den Maler in diplomatischer Mission an den Hof in Madrid.
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Der Tod der Mutter 1608 zwingt Rubens zur Rückkehr nach Antwerpen, wo ihn das Statthalterpaar Albert und Isabella von Habsburg, die sich als große Mäzene hervortun, ebenfalls zum Hofmaler ernennt, was Rubens ein jährliches Einkommen von 500 Gulden sichert. Er ist nun in der Lage, eine standesgemäße Ehe einzugehen. Die Auserwählte ist die Patriziertochter Isabella Brant. Dass es sich um eine Liebesheirat handelte, zeigt das Doppelporträt, dass Rubens kurz nach der Hochzeit malt: Die jungen Eheleute sind einander zärtlich zugeneigt und sitzen vor einem Geißblattbusch, der - auch "Jelängerjelieber" genannt - für Treue und die Hoffnung auf eine lange Ehe steht.
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Rubens Talent und sein prestigeträchtiger Status als Hofmaler bringen ihm viele Aufträge von Kirche, Adel und Bürgertum ein, wodurch er es sich 1611 leisten kann, ein prächtiges Stadtpalais als Eigenheim mit angeschlossener Werkstatt erbauen zu lassen.

Die Fülle der Aufträge ist nur mit zahlreichen Werkstattmitarbeitern zu bewältigen: Rubens fertigt Skizzen zu Details sowie der Gesamtkomposition und vor allem die von ihm perfektionierten Ölstudien an und führt abschließende Korrekturen durch. Das Malen selbst überlässt er seinen Mitarbeitern, zu denen zeitweilig auch Anthonis van Dyck, Jacob Jordaens, Frans Snyders und Cornelis de Vos zählen.
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Rubens beschäftigt auch Holz- und Kupferstecher, die seine gemalten Werke reproduzieren und in ganz Europa bekannt machen. 1622 erhält er seinen größten Auftrag, als die französische Königinwitwe und Regentin Maria de' Medici 21 Gemälde ordert, die ihren Lebensweg nachzeichnen und glorifizieren sollen.

In den folgenden sieben Jahren wird Rubens wiederholt von seinen Landesherrn in diplomatischer Mission nach Madrid und London geschickt, wo er jeweils in den Adelsstand erhoben wird. 1626 stirbt Isabella, ein Jahr später verkauft Rubens seine Kunstsammlung mit Werken jener Künstler, die er zu Beginn seiner Karriere in Italien studiert hatte, für 1 Million Gulden.
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1630 heiratet er ein zweites Mal: die 16-jährige Hélène Fourment, die Tochter eines befreundeten Teppichhändlers und Nichte der verstorbenen Isabella. Hélène dient ihrem Gatten wiederholt als Modell. Das bekannteste "Gemeinschaftswerk" ist Das Pelzchen, das um 1637 entstand und Hélène beinahe unbekleidet wiedergibt. Das Paar lebt abwechselnd im Stadtpalais in Antwerpen und im Landschloss Steen bei Mechelen, das Rubens durch den Verkauf seiner Sammlung hatte erwerben können.
Ein Schloss ist auch sein letzter großer Auftrag, nämlich die Ausstattung des Jagdschlosses des spanischen Königs, Torre de la Parada, bei Madrid. Peter Paul Rubens stirbt am 30. Mai 1640 in Antwerpen.

Im Laufe seiner beispiellosen Karriere widmete sich Rubens allen großen Themen der Malerei, von der biblischen Szene und der griechischen Mythologie bis hin zu Landschaften und Porträts, und schaffte es, verschiedene Genres miteinander verschmelzen zu lassen. Ein Beispiel hierfür ist der Medici-Zyklus, der historisch und überirdisch zugleich ist, ohne künstlich zu wirken.
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Rubens' bedeutendstes Erbe, das bis heute überdauert hat, ist die fleischliche Sinnlichkeit seiner Personendarstellungen - die Bezeichnung "Rubensfigur" ist nach wie vor geläufig. Gelungen ist dem Meister dies vor allem durch die perfekte Wiedergabe des Inkarnats, also der menschlichen Hauttöne, für das er ausschließlich die drei Grundfarben Rot, Gelb und Blau verwendete und die Figuren so als leuchtender Teil des Farbkosmos' erscheinen ließ.




