Eugène Delacroix nimmt in der französischen Kunstgeschichte eine gewisse Einzelstellung ein: Der Form halber der Spätromantik zugeordnet, lehnte er persönlich jedoch jede einschränkende Bezeichnung seiner Kunst ab, die gewissermaßen die Schnittstelle von der klassischen Ateliermalerei zur impressionistischen Freilichtmalerei und deren Auffassung des Einsatzes von Farbe und Licht bedeutete.

So interessant wie Delacroix' Künstlerkarriere, ist auch seine Herkunft, die mütterlicherseits die bekannte Kunsttischlerdynastie Oeben beinhaltet, väterlicherseits hingegen ein wenig im Dunkeln liegt: Gemunkelt wird jedenfalls, dass sein tatsächlicher Erzeuger der bedeutende Staatsmann Charles Maurice de Talleyrand war, der ihn später vermutlich auch finanziell förderte.
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Während der Schulzeit fühlte sich Delacroix zunächst von der Musik angezogen. Die gotischen Mauern eines Klostern inspirierten ihn jedoch zu anderen künstlerischen Ambitionen, sodass er sich 1816 im Alter von 18 Jahren an der École nationale supérieure des beaux-arts in Paris einschrieb.
An der Schule begegnete er dem sieben Jahre älteren Théodore Géricault, der neben Francisco de Goya, Peter Paul Rubens und Paolo Veronese zu seinem größten Vorbild wurde. Inspiriert von Géricaults 1819 fertiggestelltem Werk Das Floß der Medusa, das die dramatischen Ereignisse nach einem tatsächlich geschehenen Schiffsunglück zum Thema hat, malte Delacroix Die Dante-Barke (Dante und Vergil in der Hölle), das 1822 im Pariser Salon ausgestellt und sein erster (viel diskutierter) Erfolg wurde.
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Die Barke zeigte bereits Delacroix' Hinwendung zu extremen Farbkontrasten, die er den gängigen Hell-Dunkel-Kontrasten entgegensetzte und sich so die Missgunst der Klassizisten, allen voran Dominique Ingres, zuzog.
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Bei seinem nächsten Hauptwerk, Das Massaker von Chios, das eine aktuelle Begebenheit aus dem Kampf der Hellenen gegen die türkische Herrschaft zum Thema hat, kam 1824 ein weiteres Merkmal seiner Kunst hinzu: Nachdem er es bereits für den Salon 1824 eingereicht hatte, fiel sein Blick auf Werke des englischen Malers John Constable, die dort ebenfalls gezeigt werden sollten. Besonders die von Constable verwendeten Glanzlichter imponierten ihm, sodass er Das Massaker von Chios vorab der Ausstellung dahingehend ergänzte und diese Technik auch später beibehielt.
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Eugène Delacroix fand die Motive für seine Gemälde vor allem in Werken von Shakespeare, Dante Alighieri oder Goethe, aber auch bei den Romantikern, wie Lord Byron und Sir Walter Scott. Für Entsetzen sorgte 1827 jedoch seine Adaption einer griechischen Sage: Der Tod des Sardanapal zeigt den assyrischen König, der nicht ohne seine Konkubinen und Pferde ins Jenseits übergehen möchte und sie daher abschlachten lässt. Die Brutalität sorgte beim Pariser Publikum für Entsetzen und wirkte sich negativ auf seine Verkäufe aus. Zur Besänftigung malte er 1830 sein ikonisches Revolutionswerk Die Freiheit führt das Volk.

Hatte Der Tod des Sardanapal bereits Delacroix' Begeisterung für orientalische Szenen aufgezeigt, wurde eine 1832 durchgeführte Reise nach Marokko und Algerien prägend für sein künftiges Œuvre. Er fertigte vor Ort unzählige Aquarellskizzen an, die er mit detaillierten Bemerkungen bezüglich der Farbgebung versah. Ein Höhepunkt seiner Reise war der Zutritt zu einem Harem in Algier, der ihn mit seinem Mix aus Farben, Exotik und lässiger Eleganz beeindruckte. Nach diesen Eindrücken malte er 1834 Die Frauen von Algier, das auch nachfolgende Künstlergenerationen inspirierte, allen voran Pablo Picasso, der 1954/55 die Serie Les Femmes d’Alger schuf.
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Delacroix' eigentliche – und von vielen seiner Zeitgenossen geteilte – Begeisterung für den Orientalismus, schlug sich jedoch in seinen zahlreichen Reiter- und Jagdszenen nieder, die auch den frühen Einfluss durch die Werke Rubens' spüren ließen.
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Wieder in Frankreich konnte sich Delacroix vor privaten und staatlichen Aufträgen kaum retten und Arbeit, aber auch Auszeichnungen bestimmten sein Leben bis zu seinem Tod am 13. August 1863.

Eugène Delacroix' Erfolge gaben ihm und den Romantikern Recht, die die Farbe über die dominierende Linie der Klassik stellten – ein Streitthema, das Künstler seit der Renaissance entzweite. Sein Umgang mit Farben und Lichteffekten, die die Wahrheit aus dem Moment heraus wiedergaben, und eine eher lockere Pinselführung machten Delacroix zum Vorbild für eine neue, bahnbrechende Künstlerbewegung: die Impressionisten.




