Die Technik des Bildwirkens ist seit der Antike bekannt und war damals bereits weit verbreitet. Aus Spätantike und Mittelalter sind vor allem Beispiele byzantinischer Herkunft erhalten. Allgemein ist jedoch nur wenig über den Ursprung der Bildwirkerei bekannt, was vor allem der Tatsache geschuldet ist, dass Textilien nur selten die Jahrhunderte überdauern.
Erfahren Sie nun fünf interessante Fakten über die Kunst der Bildwirkerei:
1. Auf die Technik kommt es an
Wenn es um Wandteppiche geht, wird der Begriff „Tapisserie“ oft inflationär gebraucht. Nicht jeder Wandteppich ist eine Tapisserie, denn diese muss bestimmte Kriterien erfüllen. Diese mit dem Weben verwandte Technik wird auf einem flach liegenden („basse-lisse“) Webstuhl oder einem aufrecht stehenden („haute-lisse“) Webstuhl ausgeführt. Dabei wird der Schussfaden jedoch nicht über die gesamte Breite durch die Kettfäden geführt, sondern nur so weit, wie es die auf einen Karton gezeichnete Vorlage verlangt – eine sehr zeitaufwändige Arbeit.
Oftmals wird auch der Teppich von Bayeux als Tapisserie oder im Englischen als „tapestry“ bezeichnet, was jedoch nicht korrekt ist, da die Bilder nicht eingewirkt, sondern in den Stoff gestickt wurden.

2. Auf dem Höhepunkt
Ihre Glanzzeit erlebte die Bildwirkerei in Spätmittelalter und Renaissance, wo sie der Bildträger für prachtvolle und repräsentative Darstellungen schlechthin war. Bildteppiche, auch in Form von Baldachinen, begleiteten die europäischen Herrscher auf ihren Reisen, zählten sie doch zum „portable grandeur“, also jenem transportablen Teil des Kronschatzes, der bei Bedarf in den verschiedenen Residenzen oder bei den festlichen Einzügen in eine Stadt („joyeux entrées“) installiert werden konnte, um eine repräsentative Umgebung zu schaffen. Wenn es um ein gemütliches Ambiente ging, waren die Tapisserien von hoher Bedeutung, waren Zugluft und feuchte Wände in den damaligen Schlössern und Burgen doch an der Tagesordnung.

Die Zentren der Bildwirkerei befand sich damals in den Regionen Brabant, Flandern und dem Artois (beispielsweise in Arras, wovon sich die italienische Bezeichnung arrazzo ableitet), die heute zu Belgien und Frankreich gehören, im 14./15. Jahrhundert jedoch Teil des Herzogtums Burgund waren. Es waren wohlhabende Provinzen mit bedeutenden Städten wie Antwerpen, Brügge und Brüssel, in denen die Textilindustrie eine lange Tradition hatte und in denen sich ein internationaler Handel abspielte, der die gewebten Waren in ganz Europa verbreitete.
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3. Ein König und sein Finanzminister
Brüssel blieb bis weit ins 17. Jahrhundert hinein das wichtigste Zentrum der Bildwirkerei, bis es von den französischen Manufakturen abgelöst wurde. Am bedeutendsten war die Gobelin-Manufaktur in Paris, die im Zuge der staatlich kontrollierten Wirtschaftsförderung durch Ludwigs XIV. Finanzminister Colbert zur Manufacture royale des tapisseries et des meubles de la Couronne erhoben wurde und vor allem den Hof belieferte. „Gobelin“ ist eine Bezeichnung, die zu einem Synonym für Wandteppiche geworden ist, doch natürlich dürfen so eigentlich nur die Erzeugnisse dieser bestimmten Manufaktur genannt werden. Ebenfalls von Bedeutung waren die königlichen Manufakturen von Beauvais und Aubusson. Die Arbeit der Bildwirker beschränkte sich nun nicht mehr auf Wandteppiche oder Bordüren. Vielmehr wurden ganze Raumensembles geschaffen, die auch Polster- und Kissenbezüge umfassten.
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4. George Sand macht eine Entdeckung
1844 hielt sich die bereits erfolgreiche Schriftstellerin George Sand im Château de Boussac auf, um an ihrem in der dortigen Gegend angesiedelten ländlichen Roman Jeanne zu arbeiten. Bei ihren Besuchen im Schloss fand Sand jedoch nicht nur Inspiration, sondern auch ein Ensemble von sechs Wandteppichen im Millefleurs-Stil, die allesamt Darstellungen von einer jungen Dame und einem Einhorn sowie weiteren Figuren aufwiesen. Sehr richtig datierte sie die Wandbehänge anhand der abgebildeten Kleidung ins späte 15. Jahrhundert (tatsächlich waren Millefleurs-Motive um 1500 besonders beliebt gewesen), hielt sie jedoch fälschlich für Erzeugnisse der Manufakturen des nicht allzu weit von Boussac entfernten Aubusson. Tatsächlich handelt es sich bei den aus Wolle und Seide bestehenden Tapisserien um in Flandern ausgeführte Arbeiten, die auf in Paris angefertigten Kartons beruhen. 1882 wurden die sechs Bildteppiche vom Musée de Cluny (Musée national du Moyen Âge) in Paris gekauft, wo sie heute in einem ihnen gewidmeten Raum ausgestellt werden.
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5. Ein Betätigungsfeld für namhafte Künstler
Ein frühes Beispiel dafür führt uns ins Jahr 1515, als Raffael den päpstlichen Auftrag erhielt, Vorlagen für zehn Wandteppiche anzufertigen, die für die Sixtinische Kapelle bestimmt waren. Die Tapisserien zeigen Szenen aus den Evangelien und der Apostelgeschichte und werden noch heute zu besonderen Anlässen in der Kapelle unterhalb der Fresken an den Seitenwänden aufgehängt. Seine als Vorlage dienende Kartons schickte Raffael nach Brüssel, wo sich die Bildwirker ans Werk machten. Während die fertigen Tapisserien zwischen 1517 und 1519 nach Rom geschickt wurden, verblieben die Kartons in Brüssel, wo später weitere Sets für Heinrich VIII. von England und Franz I. von Frankreich hergestellt wurden. Sieben der zehn Raffael-Kartons sind heute erhalten und befinden sich als Leihgabe der Royal Collection im Victoria & Albert Museum in London.
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Im 18. Jahrhundert schuf man in Frankreich Tapisserien mit Schäferszenen nach Vorlagen von Künstlern wie François Boucher, Jean-Baptiste Huet und Jean-Baptiste Oudry und in Madrid kreierte Francisco de Goya ab 1775 Entwürfe für 63 Wandteppiche, die die Wände der königlichen Paläste schmücken sollten. Nachdem die Bildwirkerei im 19. Jahrhundert eine Krise erlebt hatte, entdeckten die Künstler der Moderne sie als ergänzendes Betätigungsfeld. Viele große Namen engagierten sich hier, darunter Pablo Picasso, Georges Braque, Sonia Delaunay, Salvador Dalí und Victor Vasarely. Aus jüngerer Zeit ist etwa der mit dem Turner Prize ausgezeichnete Künstler Grayson Perry zu nennen, der Tapisserien mit gesellschaftskritischen Themen schafft, darunter die sechs auf William Hogarths Gemäldeserie A Rake’s Progress beruhende Reihe The Vanity of Small Differences, die er 2012 dem britischen Staat schenkte.










