Francesco Maria Imperiale Lercari, der 127. Doge von Genua, muss bei guter Kondition gewesen sein, als er am 15. Mai 1685 dem französischen König Ludwig XIV. in Versailles seine Aufwartung machte. Grund dafür war Genuas Verbindung mit dem damals noch von den Habsburgern regierten Spanien, was Ludwig – und damit Frankreich – als Provokation betrachtete. Um die Stimmung zu verbessern, begab sich der Doge, dem es eigentlich untersagt war, seine Republik zu verlassen, zur Audienz zum Sonnenkönig.
Und hier kommen wir wieder auf die Kondition des Dogen zu sprechen, der, um zu Ludwig XIV. zu gelangen, zunächst die beindruckende (heute nicht mehr vorhandene) Gesandtentreppe emporsteigen musste, um dann durch die prunkvollen Säle des Grand Appartement du Roi zu schreiten. Damit war sein Weg aber noch lange nicht zu Ende. Es folgte die Schlussetappe durch den legendären Spiegelsaal, an dessen Ende, erhöht auf einer Empore, der König auf seinen Besucher aus Italien wartete, der, endlich angekommen, vor Seiner Majestät das Haupt neigte.
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Prunkvolle Repräsentation und die Zurschaustellung seiner Macht standen bei Ludwig XIV. im Mittelpunkt und darauf war der gesamte Ausbau- und Anbau des Schlosses von Versailles, dessen Kernstück ein kleines Jagdschloss von Ludwig XIII. ist, ausgerichtet. Das dürfte auch Francesco Maria Imperiale Lercari nicht entgangen sein, als er durch die Säle eilte, die Ludwig, um jeden Zweifel an seiner Macht im Keim zu ersticken, zusätzlich mit seiner neuesten und äußerst beindruckenden Anschaffung dekoriert hatte: silberne Möbel, die das Licht der Kerzen millionenfach reflektierten.
Besonders beeindruckend muss dieser Effekt im Spiegelsaal gewesen sein, wo dann auch das finale Prunkstück dieses Mobiliars stand: Ludwigs Thron aus reinem Silber, der von ebenfalls massiven Kandelabern flankiert wurde.
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Ludwigs wichtigster „partner in crime“, was die Inszenierung seiner selbst und seiner Macht betraf, war der Hofmaler und Architekt Charles Le Brun (1619-1690), der für die Ausstattung des ab 1661 erfolgten Ausbau des Versailler Schlosses verantwortlich war und damit den Stil einer ganzen Epoche prägte. Auch als Ludwig XIV. 1664 die Schaffung von massiven Silbermöbeln vorschwebte, wandte er sich natürlich an Le Brun, der die Oberaufsicht an dem Projekt übernahm.

Der zweite wichtige Mann hieß hierbei Claude Ballin (1615-1678), ein Goldschmied aus Paris, der einer der bedeutendsten Vertreter seiner Zunft im 17. Jahrhunderts war. Gemeinsam entwarf man Spiegel, Bänke, Kandelaber, Kommoden und als besondere Prunkstücke den Thron Ludwigs XIV. sowie eine Balustrade, die des Königs Bett im Paradeschlafzimmer umgab, wo Ludwig täglich sein Aufstehen und Zubettgehen inszenierte. Wer dort zugegen sein durfte, konnte sich glücklich schätzen, und wer Seiner Majestät obendrein das Nachthemd reichen durfte, hatte es an die Spitze der höfischen Hierarchie geschafft.
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Insgesamt wurden 200 Möbelstücke aus 20 Tonnen massivem Silber 1682 in den Sälen des Schlosses von Versailles aufgestellt – und nach nur sieben Jahren wieder entfernt. Doch warum?
Grund dafür waren Ludwigs kostspielige Kriege, die mindestens solche Summen verschlangen, wie der Bau und die Ausstattung des Schlosses von Versailles. Nachdem er in den 1670er Jahren Krieg gegen die Vereinigten Niederlande geführt hatte, sah sich Ludwig XIV. nun der Augsburger Allianz gegenüber, die sich seinen Expansionsvorhaben in Europa entgegenstellte.
Die Staatskassen waren leer und vermutlich schweren Herzens gab Ludwig den Befehl, das Silbermobiliar einschmelzen und zu Geld zu machen. Der Kurs war jedoch ein schlechter und die einst für 10 Millionen Livres geschaffenen Möbel verwandelten sich nun in Münzen im Wert von nur 2 Millionen Livres.
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Die Versailler Silbermöbel existieren also nicht mehr. Neben dem Gemälde von Claude-Guy Hallé, das den Empfang des Dogen von Genua darstellt, sind es die Zeichnungen von Claude Ballin, die einen Eindruck vermitteln, wie sie ausgesehen haben. Dass diese Zeichnungen heute noch erhalten sind, ist dem schwedischen König Gustav III. zu verdanken, der sich wiederholt den Hof von Versailles besuchte und den dortigen Prunk bewunderte. Gustav kaufte die Zeichnungen und nahm sie in seine Sammlung auf, die heute Teil der Sammlung des Schwedischen Nationalmuseums in Stockholm ist.
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Was Ludwig XIV. in Versailles auch tat, es wurde europaweit zum Trend und wurde von anderen Herrschern übernommen und kopiert (egal wie verbittert man sich auf dem Schlachtfeld auch gegenüberstehen mochte). Mit den Silbermöbeln war es nicht anders, auch wenn nicht immer alle aus massivem Silber, sondern oftmals aus mit Silber beschlagenem Ebenholz bestanden. Doch ereilte auch diese häufig das Schicksal in Krisenzeiten in bare Münze umgewandelt zu werden, sodass heute nur noch eine recht überschaubare Menge an barocken Silbermöbeln existiert. Dementsprechend selten sind sie auch auf dem Auktionsmarkt anzutreffen.
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Neben einzelnen Stücken in Hannover, Berlin, Moskau oder Schloss Windsor, beherbergt Schloss Rosenborg in Kopenhagen, die Schatzkammer der dänischen Könige, die größte erhaltene Silbermöbelsammlung. Im dortigen Rittersaal können Spiegel, Kandelaber, ein Kabinettschrank und vor allem drei große Löwenfiguren bewundert werden, die die Thronsessel von König und Königin bewachen.
Hinter den Kopenhagener Stücken muss sich die Silbermöbelsammlung auf Burg Forchtenstein im österreichischen Burgenland gewiss nicht verstecken. Sie sind Teil der Sammlung der ungarischen Familie Esterházy, die über Jahrhunderte im Dienst der Habsburger standen. Die Silbermöbel wurden von Paul, dem ersten Fürsten Esterházy (1635-1713), zusammengetragen.
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Besonders hervorzuheben ist ein mit Silber beschlagener Tisch, der aufwändig mit Reliefs und teilweise vollplastischen Figuren verziert ist. Kaiser Leopold I. hatte den Tisch beim bedeutenden Augsburger Silberschmied David Schwestermüller (1596-1678) in Auftrag zu geben, um ihn Sultan Mehmed IV. als diplomatisches Geschenk zu schicken (es war die Zeit der sogenannten Türkenkriege, in denen sich Österreich/Ungarn und das Osmanische Reich gegenüberstanden). Da das Hauptrelief jedoch das Urteil des Paris mitsamt den entblößten Göttinnen Hera, Aphrodite und Athene darstellt, sah man davon ab. Stattdessen kaufte Paul Esterházy den Tisch und fügte ihn seiner repräsentativen Sammlung hinzu.
Im Jahr 2007 wurden Silbermöbel aus vielen europäischen Sammlungen, darunter auch aus Kopenhagen und Burg Forchtenstein, für eine Ausstellung im Schloss von Versailles aufgestellt, die einen Eindruck vermittelten, wie Ludwig XIV. einst seine Höflinge und Besucher beeindruckte.
Barocke Silbermöbel und ihre Geschichte widerspiegeln die Epoche ihrer Erschaffung perfekt: Als Vereinigung von höchster Handwerkskunst mit der Repräsentation königlicher Macht auf der einen und ihrem Nutzen als „Wertanlage“, die im Falle eines damals nicht unüblichen Krieges schnell zu Geld gemacht werden konnte, auf der anderen Seite.










