Sollte Ihr Kind Schriftsteller oder Dichter werden wollen, raten Sie dringend davon ab. Wenn es nicht aufgibt, drohen Sie damit, es zu enterben. Wenn es sich über diese Versuche hinaus widersetzt, danken Sie Gott dafür, dass er Ihnen ein inspiriertes Kind gegeben hat, das sich von anderen unterscheidet.
Der Nobelpreis ist eine internationale Auszeichnung, die jährlich an diejenigen verliehen wird, die sich auf einem bestimmten Gebiet des menschlichen Wissens hervorgetan und „der Menschheit den größten Nutzen gebracht“ haben. Bisher waren über 90 % der Gewinner Männer. Heute erforschen wir Leben und Werk von sechs Preisträgerinnen in der Sparte Literatur.
1. Grazia Deledda

Nach der Schwedin Selma Lagerlöf erhielt die Italienerin Grazia Deledda als zweite Frau den begehrten Literaturnobelpreis, als Anerkennung für ihre „idealistisch inspirierten Schriften, die mit plastischer Klarheit das Leben auf ihrer Heimatinsel darstellen und sich mit Tiefe und Sympathie mit menschlichen Problemen im Allgemeinen beschäftigen“.
Obwohl 1871 in Nuoro, Sardinien, in eine wohlhabende Familie hineingeboren, war Grazia Deleddas Jugend von Trauer und Unglück belastet. Als Autodidaktin entwickelte sie einen einzigartigen und originellen poetischen Stil, der von der literarischen Gemeinschaft nicht sofort willkommen geheißen wurde. Man kritisierte ihre Konzentration auf eine archaische Welt, die viel zu verborgen und viel zu weit entfernt war. Doch gerade in diesem „archaischen“ Aspekt liegt der Zauber ihrer Bücher, in denen sich ihre Kunst formt „wie ein Lied oder ein Motiv, das spontan den Lippen eines primitiven Dichters entspringt“. In einem Interview sagte Deledda einmal, dass sie wesentliche Wahrheiten von einigen sardischen Hirten mit ihrer reinen und atavistischen Einfachheit hatte erlernen können.
Obwohl oft kritisiert, konnte Grazia Deledda beweisen, dass sie eine sehr moderne Persönlichkeit war, die die Fähigkeit besaß auf eine Art zu schreiben, wie sie in der damaligen Zeit nur Männern nachgesagt wurde. Ihr Ehemann, Palmiro Madesani, mit dem sie nach Rom zog, gab seinen Job auf, um ausschließlich als ihr Agent zu arbeiten und erwies sich damit als hingebungsvoll und modern. Heute werden die Manuskripte der 1936 verstorbenen Autorin, insbesondere ihre Briefe, erfolgreich versteigert. Zu Recht ist diese „kleine kleine Frau“, wie sie sich selbst nannte, in der Ruhmeshalle als eine der bedeutendsten italienischen Schriftstellerinnen der Geschichte.
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2. Gabriela Mistral

Lucila de María del Perpetuo Socorro Godoy Alcayaga, besser bekannt als Gabriela Mistral, wurde 1889 in Vicuña, Chile, geboren. Obwohl die bereits mit 15 Jahren die Schule abbrach, wurde sie in jungen Jahren selbst Lehrerin und später Universitätsprofessorin für Spanisch sowie Kulturministerin und Diplomatin. Sie nahm das Pseudonym Gabriela Mistral an, wobei sie sich an den Namen ihrer Lieblingsautoren, der Italiener Gabriele D’Annunzio und der Franzose Frédéric Mistral, orientierte. Drei Ereignisse führte zu ihrer eigenen Karriere als Schriftstellerin oder prägten diese: der zufällige Fund einiger Verse ihres Vaters, die ihre „dichterische Leidenschaft“ weckten, der Privatunterricht bei ihrer älteren Schwester, die ihr die Liebe zum Unterrichten und zur Bibel (beides wiederkehrende Themen in ihren Werken) vermittelte, und der Selbstmord eines Liebhabers, durch den der Schmerz, der in ihrer Poesie bereits ein häufig vorkommendes Thema war, eine noch stärkere Rolle einnahm.
Gabriela Mistral reiste viel und engagierte sich auf diplomatischem Wege in zahlreichen Ländern. Selbst in Armut aufgewachsen, hatte sie besonderes Mitgefühl für schutzlose Menschen und nutzte ihre Poesie, um den „Stimmlosen“ ihre Stimme zu geben, die Freiheit der Demokratie zu verteidigen und sich auf die Seite derer zu stellen, die von der Gesellschaft misshandelt wurden. 1945 erhielt sie als fünfte Frau und erste Lateinamerikanerin den Nobelpreis für Literatur „für ihre Lyrik, die, beseelt von starken Emotionen, ihren Namen zum Symbol idealistischer Bestrebungen in der gesamten lateinamerikanischen Welt gemacht hat“.
Gabriela Mistral starb 1957 im Alter von 67 Jahren an Bauchspeicheldrüsenkrebs, bis zuletzt begleitet von der amerikanischen Schriftstellerin Doris Dana, mit der sie eine Liebesbeziehung gehabt haben soll.
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3. Doris Lessing

Das Werk der britischen Schriftstellerin Doris Lessing (1919-2013) teilt sich in drei Perioden auf: die kommunistische Phase (1944-56), in der sie hauptsächlich über soziale Themen schrieb, die von den radikalen Theorien des Psychiaters R.D. Laing geprägte psychologische Phase (1956-69) und schließlich die sufistische Phase, in der sie die islamische Mystik in ihrer Science-Fiction-Romanreihe Canopus untersuchte. Ihr Roman The Golden Notebook („Das goldene Notizbuch“) gilt vielen als Klassiker der feministischen Literatur, obwohl die Autorin dieses Etikett immer abgelehnt hat. Neben ihrem politischen und gesellschaftlichen Engagement, beispielsweise durch den Kampf gegen den Einsatz von Atomwaffen, war sie auch eine aktive Gegnerin der Apartheid, was dazu führte, dass ihr viele Jahre die Einreise nach Südafrika und in ihre langjährige Heimat Südrhodesien (das heutige Simbabwe) verwehrt blieb.
2007 wurde Lessing die elfte und bislang älteste Frau, die den Literaturnobelpreis erhielt. Vom Komitee wurde sie als „jener Epiker der weiblichen Erfahrung, der mit Skepsis, Feuer und visionärer Kraft eine gespaltene Zivilisation auf den Prüfstand gestellt hat“ gepriesen. Nur zehn Jahre später wurde ihre Nobelpreismedaille bei Christie’s im Rahmen einer „Valuable Books and Manuscripts“-Auktion versteigert. Da war Doris Lessing bereits seit vier Jahren Tod, gestorben im Alter von 94 Jahren am 17. November 2013 in London. Sie hinterließ ein Werk von über 50 Büchern, die sie teilweise unter Verwendung eines Pseudonyms veröffentlicht hatte.
Eine Kuriosität über die „Cat Lady“: Doris Lessing liebte Katzen und betrachtete sie als besondere Wesen. In ihrem Kurzroman Particularly Cats (1967) beschreibt sie die Eigenheiten und Temperamente einer Katzen, die Teil ihres Lebens waren, mit derselben Klarheit, mit der sie auch die menschliche Gesellschaft analysierte, in einer anekdotenreichen Erzählung, die manchmal melancholisch und düster und manchmal amüsant ist.
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4. Wisława Szymborska

Obwohl Wisława Szymborska der breiten Öffentlichkeit eher weniger bekannt ist, erreicht ihre Poesie, sobald sie entdeckt wird, sofort die Herzen ihrer Leser. Es ist eine Poesie, „die mit ironischer Präzision den historischen und biologischen Kontext in Fragmenten der menschlichen Realität ans Licht kommen lässt“, wie es 1996 anlässlich ihrer Nobelpreisverleihung hieß. Mit der ihr eigenen Ironie bemerkte Szymborska einmal, dass Gedichte im Allgemeinen nicht mehr als zwei von tausend Menschen gefallen würden, obwohl sich ihre Bücher in ihrer Heimat Polen genauso gut verkaufen wie jene prominenter Prosaautoren. Die 2005 veröffentlichte Gedichtsammlung Dwukropek („Doppelpunkt“) war ein großer Erfolg und verkaufte sich innerhalb von zwei Monaten über 40.000 Mal. Szymborskas Werke wurden auch in Musik umgesetzt, in Filme eingefügt und in viele europäische Sprachen sowie ins Arabische, Hebräische, Japanische, Persische und Chinesische übersetzt.
Szymborska bevorzugte freie Verse und ihre Gedichte, die sich durch große Einfachheit auszeichnen, illustrieren auf ironische und direkte Weise universelle philosophische und existentielle Themen. Die tiefe intellektuelle Innenschau geht mit einer prägnanten Wortwahl einher, die Kompositionen sind oft sehr kurz und zeigen die Welt bisweilen aus ungewöhnlichen Blickwinkeln, wie im Fall des sehr zarten Gedichts Kot w pustym mieszkaniu („Katze in der leeren Wohnung“), wo eine Katze nach dem Tod ihres zweibeinigen Freundes Selbstgespräche führt.
Ihr Gesamtwerk basiert auf einem relativ kleinen Korpus von weniger als 350 Gedichten. Auf die Fragen warum die so wenige Gedichte veröffentlicht habe, antwortete sie ironisch, dass daran ihr Mülleimer schuld sei.
Nachdem sie ihr Leben lang stark geraucht hatte, starb sie 2012 im Alter von 88 Jahren in einem Krankenhaus in Krakau. „Es gibt kein Leben, das nicht zumindest für einen Moment unsterblich ist", heißt es in einem von Wisława Szymborskas Gedichten. Sicherlich werden ihr Leben und ihre Poesie für immer unsterblich sein.
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5. Nadine Gordimer

Nadine Gordimer (1923-2014), eine in Johannesburg geborene und verstorbene südafrikanische Schriftstellerin, veröffentlichte Romane und Essays und gewann 1974 den Booker Prize und 1991 den Nobelpreis für Literatur für „ihr großartiges episches Schreiben, das – in den Worten von Alfred Nobel – von großer Bedeutung war und von sehr großem Nutzen für die Menschheit“. Als Tochter jüdischer Einwanderer, wurde sie schon in jungen Jahren auf den Rassismus aufmerksam, der die Gesellschaft und die Barrieren zwischen weißen und schwarzen Studenten im Universitätssystem durchdrang. Sie begann ihren Kampf gegen Rassendiskriminierung und die Apartheidspolitik und lehrte in den 1960er und 1970er Jahren an einigen amerikanischen Universitäten. Im Mittelpunkt ihrer Arbeiten standen oft die ethischen Spannungen ihrer Heimat aufgrund der Rassentrennung, ein Engagement, das ihr verschiedene Ehrentitel einbrachte.
1954 heiratete Gordimer Reinhold Cassirer, einen Kunsthändler, der die südafrikanische Niederlassung von Sotheby's gründete. Diese „wunderbare Ehe“, wie die Autorin sie selbst definierte, dauerte bis zu seinem Tod im Jahr 2001.
Die außergewöhnliche Schriftstellerin Nadine Gordimer verließ diese Welt im Juli 2014 aufgrund einer Erkrankung an Bauchspreicheldrüsenkrebs, die ihr in den letzten Monaten ihres Lebens die Energie zum Schreiben genommen hatte. Ihr Kampf gegen den Rassismus lebt jedoch durch ihre Worte weiter.
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6. Toni Morrison

Die amerikanische Autorin Toni Morrison eroberte das Publikum mit ihren Worten und ihrer ruhigen und warmen Stimme. Als erste Afroamerikanerin, die den Nobelpreis für Literatur erhielt, benutzte sie ihre Worte als ihre „Waffe“ gegen Rassismus und präsentierte die Wahrheit schwarz auf weiß, so schmerzhaft sie auch war. Ihre Geschichten über den Zustand der Schwarzen in Amerika sind schwierig, schmerzhaft, aber wahr und konkret, ihre Erzählung intensiv und einhüllend.
1931 als Chloe Ardelia Wofford geboren, änderte sie ihren Vornamen in Toni, als sie auf dem College war, als Hommage an den Heiligen Antonius von Padua, und nahm später den Nachnamen ihres Mannes an, als sie 1958 heiratete. Nachdem sie 1988 für Beloved den Pulitzer-Preis gewonnen hatte , erhielt sie 1993 den Nobelpreis für ihre Belletristik und Romane, „die sich durch visionäre Kraft und poetische Bedeutung auszeichnen, einen wesentlichen Aspekt der amerikanischen Realität zum Leben erwecken“. Später im Jahr 2012 verlieh Präsident Barack Obama ihr die Presidential Medal of Freedom, während sie 2016 den PEN/Saul Bellow Award for Achievement in American Fiction erhielt und 2020 in die National Women’s Hall of Fame aufgenommen wurde.
Toni Morrison starb 2019 im Alter von 88 Jahren nach kurzer Krankheit. Sie hat uns einige wichtige Lektionen hinterlassen, indem sie den politischen Wert der Literatur zurückeroberte und ihre Romane in klare Analysen des Zustands der Menschen verwandelte. Die Autorin sagte einmal: „Wenn Sie diese Jobs bekommen, für die Sie hervorragend ausgebildet wurden, denken Sie daran, dass Ihre eigentliche Aufgabe darin besteht, dass Sie, wenn Sie frei sind, jemand anderen befreien müssen. Wenn Sie etwas Macht haben, dann ist es Ihre Aufgabe, jemand anderen mehr Macht zu geben.“ Den Unterdrückten eine Stimme geben, die eigene Freiheit erobern und anderen helfen, sie zu erlangen: Das war Toni Morrisons Mission und Geschenk an die Welt.




