Seit der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung am 4. Juli 1776 sind mittlerweile 245 Jahre vergangen. Seitdem hat das Land nicht nur eine eigene Identität, sondern auch eine eigene Kunstgeschichte aufgebaut, die so manches Gemälde hervorgebracht hat, das zur Ikone wurde.
Emanuel Leutze, Washington Crossing the Delaware

Emanuel Leutzes großformatiges Gemälde Washington Crossing the Delaware, das einen Schlüsselmoment des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges darstellt, nimmt eine gesamte Wandfläche im Metropolitan Museum of Art ein. Das Ereignis in der Nacht vom 26. auf den 26. Dezember 1776 führte zu einem Überraschungsangriff der Amerikaner auf die von den Briten angehörten hessischen Truppen. Das Gemälde von 1851 zeigt General Washington in heldenhafter Pose am Bug eines Bootes, hinter ihm ist die amerikanische Flagge zu sehen. Deren Farben wiederholen sich in patriotischer Manier im gesamten Bild.
Childe Hassam, The Avenue in the Rain

Das im Oval Office des Weißen Hauses platzierte Gemälde, ist vermutlich das berühmteste Werk von Childe Hassam. Hassam malte es 1917, kurz bevor die Vereinigten Staaten in den Ersten Weltkrieg eintraten. Dargestellt sind die Reihen amerikanischer Flaggen an der Fifth Avenue in New York, die sich bei regnerischem Wetter in den Pfützen spiegeln. Der impressionistische Stil deutet auf den Einfluss von Monets Gemälde mit französischen Flaggen im Paris des späten 19. Jahrhunderts. Während Monets Gemälde die vom französischen Staat initiierte „Feier des Friedens und der Arbeit“ am 30. Juni 1878 zeigt, hat Hassams Werk einen patriotischeren Charakter, der durch die Entsendung amerikanischer Soldaten nach Europa im April 1917 einherging.
Albert Bierstadt, Among the Sierra Nevada, California

Kein anderer Künstler hat die Landschaften Amerikas auf so majestätische und dramatische Weise eingefangen wie Albert Bierstadt, dessen Werke sich vor allem in den 1860er und 1870er Jahren, nach dem Bürgerkrieg und dem Einsetzen des industriellen Booms, großer Beliebtheit erfreuten. Bierstadt malte romantische und weite Landschaften des Westens, von schroffen Berggipfeln bis hin zu unberührten und von Pinien bewachsenen Buchten. Eines seiner berühmtesten Gemälde, Among the Sierra Nevada, California, entstand in den 1860er Jahren während einer Reise an die Westküste. Im Jahr darauf wurde es in Europa ausgestellt und gewährte dem dortigen Publikum einen Blick auf die raue Herrlichkeit des sich entwickelnden amerikanischen Westens. Heute ist das Gemälde das Herzstück des Smithsonian American Art Museum in Washington, D.C.
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Grant Wood, American Gothic

Eines der bekanntesten und am häufigsten parodierten Gemälde der amerikanischen Kunstgeschichte, Grant Woods American Gothic von 1930, war sowohl als Feier als auch Verspottung des amerikanischen Landlebens gedacht, vor allem in Hinblick auf dem Börsencrash von 1929 und die daraus resultierende Weltwirtschaftskrise. Das Gemälde, für das die Schwester des Künstler und der gemeinsame Zahnarzt in Iowa Modell standen, ist zum Symbol für die Unerschütterlichkeit der Amerikaner in Angesicht großer Veränderungen geworden.
Edward Hopper, Nighthawks

So wie American Gothic gehört auch dieses Gemälde den meist adaptierten Werken der amerikanischen Kunstgeschichte und ist zudem die bekannteste Arbeit von Edward Hopper. Das beleuchtete Lokal an einer nächtlichen Straße, wahrscheinlich in New York, ist emblematisch für Hoppers Stadtszenen, die die Atmosphäre ihrer Zeit einfingen. Oft betrachtet als eine Anklage an die Isoliertheit und Einsamkeit, die während des Zweiten Weltkriegs vor allem in den großen Städten herrschte, erscheint Nighthawks, mit seinen Farben und der sorgfältigen Komposition, wie das Standbild eines Films.
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Jasper Johns, Flag

Die amerikanische Flagge fand ihren Weg in die modernen Kunstlexika, nachdem Jasper Johns Mitte der 1950er Jahre die U.S. Army verließ und von dem amerikanischen Symbol träumte. Das mit der Enkaustik-Technik (Bindung der Farbpigmente mit heißem Wachs) geschaffene Gemälde entstand in einer Zeit, in der das Interesse an der Flagge, durch die Verhöre McCarthys und den 1949 gesetzlich verankerten Flag Day, wieder anstieg. Architekt Philip Johnson erwarb das Gemälde in der Leo Castelli Gallery und stiftete es 1968 dem MoMA. Die Flagge wurde zu einem wiederkehrenden Motiv für Johns. Eine Version von 1958 wurde 2010 von Leo Castellis Sohn auf privatem Weg für 110 Millionen USD (81,7 Millionen Euro) an einen Sammler verkauft.




