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Magazin/Kunst/Berühmte Museen und die Bedeutung ihrer Namen

Berühmte Museen und die Bedeutung ihrer Namen

Was ist eigentlich ein Louvre? Und warum passt der Name Eremitage eigentlich so gar nicht zu einem von Besuchermassen bevölkerten Kunstpalast?

5. November 2026Gritta von Toll
Der Louvre bei Nacht. Foto von Michael Fousert via Unsplash (Detail)

Der Louvre bei Nacht. Foto von Michael Fousert via Unsplash (Detail)

Wer ein Museum besucht, hat vor allem eins im Sinn: die dort ausgestellten Kunstwerke zu betrachten und über sie nachzudenken. Das ist natürlich durchaus legitim und sogar der eigentliche Sinn der Sache. Doch was ist eigentlich mit den Gebäuden, deren Dächer und Wände besagte Kunstwerke vor Wind und Wetter und – möglichst – vor Dieben schützen? Einige von ihnen haben interessante Namen, die zu ergründen ebenfalls interessant ist. Wir haben vier Beispiele herausgepickt.

Galleria degli Uffizi, Florenz

Galeria degli Uffizi. Foto von Tommy Cornilleau via Unsplash

Wer die Uffizien in Florenz besucht, hat es ganz klar auf die Schätze der Renaissance abgesehen, die den Schwerpunkt der Museumssammlung ausmachen: von Botticellis Die Geburt der Venus (um 1485/86) über Leonardo da Vincis Die Verkündigung (1472-75) bis hin zu Tizians Venus von Urbino (1538). Und es gibt auch keinen geeigneteren Ort, um sie zu zeigen, als Florenz, das bedeutendste Zentrum der frühen Renaissancekunst. Trotz all dieser Pracht, die in seinen Räumlichkeiten gezeigt wird, war der eigentliche Grund für die Entstehung der Uffizien ein ganz unglamouröser: Cosimo I. de’ Medici, der erste Großherzog der Toskana, wollte die Ministerien seines Herrschaftsgebiets in einem gemeinsamen Gebäude unterbringen, was der Name des geplanten Bauwerks widerspiegelt, denn uffizi bedeutet schlicht und einfach „Büros“. Die Bauarbeiten zu dem aus zwei gegenüberliegenden Gebäudeteilen bestehenden Komplex begannen ab 1560 auf dem Areal zwischen Arno und dem Palazzo Vecchio, dem Amtssitz des Herzogs. Schon bald zog neben den Beamten auch die Kunst aus der Medici-Sammlung in die Uffizien ein. Dies geschah im Obergeschoss zunächst in einem Raum mit markantem achteckigem Grundriss, Tribuna genannt, sowie in der galleria, die mit dem Palazzo Vecchio verbunden war (die Bezeichnung „Galerie“ für eine Kunstsammlung entwickelte sich aus eben dieser galleria, wobei der Begriff eigentlich einen überdachten Korridor beschreibt). Öffentlich zugänglich wurde das Museum jedoch erst 1769, nachdem die letzte Medici, Anna Maria Luisa de’ Medici (1667-1743) die Sammlung ihrer Familie der Stadt Florenz vererbt hatte.

Lesen Sie auch: Der Einfluss der Medici auf das Florenz der Renaissance

Eremitage, Sankt Petersburg

Die Kleine Eremitage. Foto von Alex "Florstein" Fedorov (Lizenz CC BY-SA 4.0)

Mit jährlich über 3 Millionen Besuchern ist die Eremitage in Sankt Petersburg gewiss nicht mehr das, als was sie ursprünglich gedacht gewesen war: ein Ort des Rückzugs und der Einsamkeit, denn das aus dem Altfranzösischen stammende Wort eremitage bedeutet „Einsiedelei“. Doch wer genau wollte sich dorthin zurückziehen? Die Antwort lautet: Katharina II. Diese hatte 1762 ihren Gemahl, Peter III., vom Thron gestoßen und sich die russische Kaiserkrone aufs Haupt setzten lassen. Um sich von den Regierungsgeschäften zu erholen und zudem ihrer noch jungen Gemäldesammlung einen angemessenen Rahmen zu geben, ließ Katharina von 1764 bis 1775 neben dem Winterpalast, der Zarenresidenz in Sankt Petersburg während der kalten Jahreszeit, ein weitaus bescheideneres Gebäude errichten, das heute als Kleine Eremitage bekannt ist. Da die Kunstsammlung der kauffreudigen Zarin schon bald enorm anwuchs, folgte 1787 der Bau der Großen (heute Alten) Eremitage. Unter Katharinas Enkel Nikolaus I. erfolgte zwischen 1839 und 1852 der Bau der Neuen Eremitage, nach der Oktoberrevolution von 1917 wurde schließlich der Winterpalast dem Museum angegliedert. Die Sammlung der Eremitage umfasst mehr als 3 Millionen Objekte, darunter Highlights wie das Gold der Skythen (8.-4. Jh. v. Chr.), Leonardo da Vincis Madonna Benois (um 1475-78) und Henri Matisse’ Der Tanz (1909-10).

Lesen Sie auch: Die Eremitage: Märchenpaläste für die Kunst

Musée du Louvre, Paris

Innenhof des Louvre. Foto von Gloria Villa via Unsplash

Der Pariser Louvre ist zweifellos das berühmteste Museum der Welt, beherbergt er doch neben Meisterwerken wie der antiken Venus von Milo (um 100 v. Chr.) und Théodore Géricaults Das Floß der Medusa (1819) auch das berühmteste Gemälde der Welt: Leonardo da Vincis Mona Lisa (1503-06). Über ein so berühmtes Museum ist doch gewiss alles bekannt, von seinen Anfängen als mittelalterliche Königsresidenz über die Nutzung durch die Académie française bis hin zur Eröffnung als Museum im Jahr 1793 – oder etwa nicht? Tatsächlich umgibt das Museum ein Geheimnis, das noch rätselhafter ist als das Lächeln der Mona Lisa, nämlich was das Wort „Louvre“ überhaupt bedeutet. Dazu gibt es verschiedene Theorien: Eine ist jene, wonach sich „Louvre“ vom lateinisch Wort lupara ableitet, das in etwa mit „Ort, an dem Wölfe leben“ übersetzt werden kann. Eine andere Vermutung setzt auf einen germansich-fränkischen Ursprung, wonach das Wort leouar bzw. loëvar, das „Burg“ oder „Befestigung“ bedeutet, schließlich zu „Louvre“ wurde. Es gibt noch einige weitere Theorien, doch keine schafft es über den Status der Theorie hinaus. Und wenn nicht noch plötzlich ein unumstößlicher Hinweis auftaucht, der Licht ins Dunkel bringt, werden wir uns wohl damit abfinden müssen, dass „Louvre“ eines jener alten Wörter ist, deren Bedeutung im Laufe der Jahrhunderte verloren gegangen ist.

Lesen Sie auch: Eine kurze Geschichte des Louvre

Museo del Prado, Madrid

Puerta de Velázquez des Museo del Prado. Foto von Emilio J. Rodríguez Posada - Museo del Prado 2016 (Lizenz CC BY-SA 2.0)

Das Museo del Prado in Madrid beherbergt einige der großartigsten Gemälde der Welt, von Hieronymus Boschs Garten der Lüste (um 1505) über Diego Velázquez’ Las Meninas (1656-57) bis  hin zu Francisco de Goyas Die nackte Maja (1795-1800). Und doch ist der Name des Museums ein ganz bescheidener. Wer des Spanischen mächtig ist, weiß natürlich, dass prado schlicht und einfach „Wiese“ oder auch „Grünland“ bedeutet. Ab dem 16. Jahrhundert wurde Madrid nach und nach zur königlichen Residenzstadt ausgebaut. Auf den Wiesen östlich der Stadt wurde der Sommerpalast Buen Retiro errichtet, aus dessen Gärten der heutige Buen Retiro-Park hervorgegangen ist. Zwischen Stadt und Buen Retiro ließ König Karl III. im 18. Jahrhundert die repräsentative Promenade Paseo del Prado anlegen, die auch heute noch existiert und an die einstigen Wiesen erinnert. An dieser Allee ließ Karl III. ab 1785 ein Gebäude errichten, das als Museum für die königliche Naturkundesammlung dienen sollte. Der übernächste spanische König, Ferdinand VII., änderte jedoch diesen Plan und machte das Gebäude zu einem Museum für die königliche Gemäldesammlung, das 1819 eröffnet wurde. Damals hieß es noch Real Museo de Pinturas. Erst 1920 erfolgte die offizielle Umbenennung in Museo Nacional del Prado. Das spanische prado geht übrigens auf das lateinische Wort pratum („Wiese“, Grasland“) zurück und ist sowohl mit der Prärie in Nordamerika, als auch mit dem Prater in Wien verwandt.

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Über den Autor

Gritta von Toll

Gritta von Toll ist die Redakteurin für das deutsche Barnebys Magazin. Gritta geht den Dingen mit Vorliebe auf den Grund. Zunächst während ihres erfolgreich abgeschlossenen Studiums der Ur- und Frühgeschichte und Archäologie, seit 2015, nach einem kurzen Abstecher in die Welt der Werbung, für Barnebys, wo sie in die Kunstgeschichte eintaucht, um vergangene Epochen dem heutigen Leser näher zu bringen.

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