[Canova] hat mich mitgenommen, um seine letzte Magdalena zu sehen, die göttlich ist: Sie liegt da, in all der trauernden Hingabe; und der Ausdruck ihres Gesichts und die Schönheit ihrer Figur… sind Perfektion.
So beschrieb der irische Dichter Thomas Moore das letzte Meisterwerk seines Freundes Antonio Canova (1757-1822), das dieser ihm im November 1819 in Gestalt eines ersten Gipsmodells präsentierte. Den Auftrag dazu hatte der schon zu seinen Lebzeiten gefeierte Bildhauer einen Monat zuvor vom englischen Premierminister Lord Liverpool erhalten, der ein großer Freund und Sammler der Kunst war und der auch die Gründung der National Gallery in London initiierte.
Maddalena Giacente („Ruhende Magdalena“) lautet der Name dieser Skulptur aus weißem Marmor, die Canova 1822, kurz vor seinem Tod, fertigstellte und zu seinem Auftraggeber nach England schickte, so wie auch eine ganz ähnlichen Skulptur, der Schlafende Endymion, der an den Duke of Devonshire ging und noch heute im noblen Landsitz der Familie Cavendish, Chatsworth House in Derbyshire, ausgestellt wird.
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Das andere Meisterwerk hatte nicht so viel Glück und führte trotz seines geruhsamen Namens ein bewegtes Dasein. 1826 starb Lord Liverpool und seine Besitztümer gingen an seinen Bruder. Nachdem auch dieser verstorben war, wurde die Skulptur 1852 bei Christie’s versteigert – nach wie vor beschrieben als „eines der feinsten und hochwertigsten Werke von Canova“. Anschließend wurde sie auf mehreren Ausstellungen in England gezeigt. Doch dann gingen ihr Name sowie das Wissen um ihre Herkunft und ihre Bedeutung, merkwürdigerweise verloren.
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Als die Skulptur 1938 erneut auf einer Auktion angeboten wurde, wurde sie im Katalog nur noch als „klassische Figur“ bezeichnet. Ersteigert wurde sie von der Unternehmerin und Kämpferin gegen die Todesstrafe, Violet Van der Elst, die sie in ihrem Garten in Kensington installierte. Dort verblieb sie bis 2002, als sie auf einer Auktion für Gartendekoration ein weiteres Mal unter den Hammer kam und beim gegenwärtigen Besitzer landete. In dessen Obhut konnte nun die wahre Identität der Skulptur zutage gefördert werden.
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„Es ist ein Wunder, dass Antonio Canovas außergewöhnliches, lange verschollenes Meisterwerk, die ‚Ruhende Magdalena‘, 200 Jahre nach ihrer Fertigstellung gefunden wurde. Dieses Werk wird seit Jahrzehnten von Wissenschaftlern gesucht, daher ist der Fund von grundlegender Bedeutung für die Sammlungs- und Kunstgeschichte. Sie zeugt von der intensiven Auseinandersetzung mit dem Werk des italienischen Bildhauers, der ein bedeutender Zeitzeuge war: treu gegenüber Papst Pius VII., gesucht von Napoleon, geliebt vom englischen Herrscher Georg IV., geschätzt von der europäischen Sammlerwelt und von entscheidender Bedeutung für die Rückgabe der unter Napoleon beschlagnahmten Kunstwerke. Die Wiederentdeckung der ‚Ruhenden Magdalena’ bringt eine ganz besondere Geschichte zum Abschluss, die eines Romans würdig ist, eine Marmorarbeit von bedeutendem historischem Wert und großer ästhetischer Schönheit, die Canova in den letzten Jahren seiner künstlerischen Tätigkeit hervorgebracht hat“, sagt der führende Canova-Forscher und ehemalige Direktor des Museo Gypsotheca Antonio Canova and Museo Biblioteca Archivio di Bassano del Grappa, Dr. Mario Guderzo.
170 Jahre nach ihrer ersten Versteigerung hat Christie’s in London nun ein weiteres Mal die Ehre, Antonio Canovas letztes Meisterwerk versteigen zu dürfen. Mit einem Schätzpreis in Höhe von 5-8 Millionen GBP (ca. 6-9,5 Millionen Euro) wird sie am 7. Juli als eines der Highlights der Classic Week unter den Hammer kommen.
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