Wer kennt es nicht: Am Tag vor der Abreise in den wohlverdienten Urlaub steht die leidige Beschäftigung des Kofferpackens auf dem Programm. Während die einen auf das altbewährte Falten der Kleidungsstücke setzen, bevorzugen andere die Rollmethode. Doch für welche Variante man sich auch entscheidet, am Urlaubsort angekommen ist sowieso mindestens die Hälfte zerknittert. Hinzu kommen all die Dinge, die man ebenfalls gerne mitgenommen hätte, für die der Platz aber einfach nicht gereicht hat. Wer hätte da nicht gerne einen professionellen Kofferpacker zur Hand?
Trotz aller Querelen ist unser heutiges Kofferpacken eine relativ einfache Angelegenheit, vor allem im Vergleich zu jenem Aufwand, der im 19. Jahrhundert betrieben wurde, wenn eine Dame aus höchsten Kreisen auf Reisen ging. Denn dann wurde nicht selten der halbe Hausstand mitgeführt, von vielfältiger Kleidung und Accessoires über Schmuck und Tafelsilber bis hin zu Toilettenartikeln, Schreibzeug und der unverzichtbaren Hausapotheke. Bis heute für ihre Reisefreudigkeit berühmt ist die österreichische Kaiserin Elisabeth, doch auch deren französische Kollegin und „Schönheitskonkurrentin“ Eugénie war mehrere Monate im Jahr unterwegs. Während der französische Kaiserhof den Winter im Tuilerienpalast in Paris verbrachte, besuchte man im Frühjahr und Herbst für mehrere Wochen die Residenzen in Compiègne und Fontainebleau. Im Sommer bevorzugte Eugénie die Atlantikküste rund um Biarritz, wo sie ab 1855 eine Villa besaß, die heute, zu einem Luxushotel ausgebaut, auf gut betuchte Gäste wartet. Hinzu kamen Staatsreisen im In- und Ausland sowie kleinere Ausflüge.
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Im Frühjahr 1835, als die damals neunjährige Spanierin Eugénie de Montijo bestimmt noch nicht daran dachte, einmal Kaiserin der Franzosen zu werden, machte sich ein dreizehnjähriger Junge namens Louis Vuitton auf den Weg nach Paris, um dort sein Glück zu versuchen. Die mehr als 400 Kilometer, die seine Heimat in Ostfrankreich von der Hauptstadt trennten, bewältigte er zu Fuß. 1837 begann er seine Ausbildung beim Gepäckhersteller (layetier) Romain Maréchal, über den, vom Namen abgesehen, kaum etwas bekannt ist, außer dass er eine angesehene Werkstatt in der Rue Saint-Honoré betrieb. Bei Monsieur Maréchal lernte der junge Vuitton alles, was ein layetier wissen musste: wie man maßgefertigte Koffer und Gepäckstücke mit passgenauen Innenfächern herstellt, welches Holz dafür am besten geeignet ist und wie Leder und Stoffe dabei verarbeitet werden müssen. Die Ausbildung umfasste darüberhinaus den Tätigkeitsbereich eines emballeurs, eines professionellen Einpackers.
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Wie wir oben bereits gelernt haben, war das Verreisen einer hochstehenden Persönlichkeit im 19. Jahrhundert mit viel Aufwand und Gepäck verbunden. Man benötigte jemanden, der den Überblick behielt und wusste, wie man sensible Objekte sicher (und gegebenenfalls knitterfrei) verpackt. Zu berücksichtigen war möglicherweise auch die Reihenfolge, in der die Kleidung am Zielort benötigt wurde, und im Falle unvorhergesehener Ereignisse musste alles schnell griffbereit sein.
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Louis Vuitton hatte ein besonderes Talent als emballeur, sodass er auf diesem Gebiet im Laufe der Zeit in der Pariser Gesellschaft zur gefragten Person wurde. Dadurch wurde auch Kaiserin Eugénie auf ihn aufmerksam, die ihn ab 1852 beschäftigte. Vuitton war jedoch kein fest angestelltes Mitglied des kaiserlichen Haushalts. Vielmehr war er ein Spezialist, den man bei Bedarf anforderte. Neben seinem handwerklichen Talent dürfte Vuitton außerdem über etwas verfügt haben, das in einer Zeit, in der der äußere Schein mit aller Macht bewahrt werden musste, von höchster Wichtigkeit war: Diskretion, kamen ihm bei der Ausübung seiner Tätigkeit doch viele persönliche Dinge unter die Augen.
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1854 eröffnete Louis Vuitton schließlich seine eigene Werkstatt für Reisegepäck, die im Laufe der Jahrzehnte zu dem Imperium anwuchs, dessen Erzeugnisse heute so begehrt sind. Ob er seine Aufgabe als layetier-emballeur der Kaiserin weiterhin ausführte ist nicht bekannt. Sie endete jedoch spätestens 1870 mit dem Ende der Herrschaft Napoleons III., der zusammen mit seiner Eugénie ins englische Exil ging.








