Nach der Kulturrevolution von 1966 bis 1976 erlebte China aufgrund der Verwestlichung des Landes ein schnelles und unkontrollierbares städtisches Wachstum. Diese Entwicklung diente und dient vielen zeitgenössischen chinesischen Künstlern neben ihren persönlichen Erfahrungen mit dem repressivem Regime als Inspirationsquelle für ihre Arbeit. Sechs dieser Künstler, die die Kunstwelt damit im Sturm erobert haben, finden Sie im Folgenden.
In den Werken dieser Künstler ist "Freiheit" ein wiederkehrendes Thema, vor allem das Recht auf freie Meinungsäußerung. Durch das Aufgreifen und Umsetzen dieses Themas sprechen die Künstler ein riesiges Publikum an, was ihnen zu einer enormen internationalen Popularität verholfen hat.
6. Qiu Zhijie
Als Mixed-Media-Künstler hat Qiu Zhijie (*1969 Fujian) die Kunstwelt beeinflusst, indem er die soziale Fragmentierend und Vergänglichkeit in China zeigt, was er durch die Verwendung von Symbolen und Ikonen in seinen Arbeiten erreicht. Seit seiner Ausbildung zum Druckgrafiker hat sich Zhijie mit Werken wie Public Life / Glass Toilet und der Tattoo-Serie zu einem der begehrtesten zeitgenössischen Künstler entwickelt. Um Altes und Neues zu verbinden kombinierte Zhijie in der Tattoo-Serie traditionelle chinesische Kalligrafie mit der modernen Kunstform der Fotografie zu Kalifotografie.

Mit dieser Selbstporträtserie zeigt Zhijie dem Betrachter, welche Auswirkungen gesellschaftliche Symbole auf die Unabhängigkeit haben können, wie man sich selbst und möglicherweise sogar seine eigenen Identität wahrnimmt - genau wie ein Tattoo, dass einen nie verlässt.
Neben der Ausstellung seiner Werke in bedeutenden Museen wie dem Victoria & Albert Museum in London oder dem Hong Kong Art Museum, unterrichtete Qiu Zhijie an verschiedenen Institutionen und verfasste mehrere Bücher. 2014 wurde eine Arbeit aus seiner Serie 30 Letters to Qiu Jiawa bei Christie's für 677.280 Euro verkauft.
5. Ai Weiwei
Ai Weiwei (*1957 Peking) kann als der umstrittenste Künstler und Aktivist in dieser Liste betrachtet werden. Bereits als Kind war er mit den Repressalien seines Heimatlandes konfrontiert worden, als er 1961 zusammen mit seiner Familie in ein Arbeitslager geschickt wurde. Grund dafür war sein Vater, der systemkritische Dichter Ai Qing, dem von der kommunistischen Regierung eine rechte Gesinnung vorgeworfen worden war. Erst 16 Jahre später, nach dem Tod von Mao Zedong kehrte die Familie nach Peking zurück, wo Ai Weiwei Animation an der Beijing Film Academy studierte und gemeinsam mit Künstlern wie Li Shuang und Ah Cheng die Avantgarde-Gruppe Stars gründete.

Ai Weiweis Arbeit wird stark von den Erlebnissen in seiner Kindheit beeinflusst. Bis heute kämpft er gegen diese unfaire Behandlung, wofür er mehrmals verhaftet wurde. 2011 verbrachte er 81 Tage im Gefängnis, sein Studio wurde abgerissen, sein Pass eingezogen. Es folgte ein vier Jahre dauernder Hausarrest. Danach konnte er endlich ausreisen.
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In seinen Werken stellt Ai Weiwei all diese Erlebnisse dar, doch nutzt er sie auch, um für Menschenrechte zu kämpfen und Wohltätigkeitsorganisationen dabei zu unterstützen, weltweit Spenden zu sammeln. Jüngstes Beispiel ist der Druck seines legendären Mittelfingers auf Gesichtsmasken, die er anschließend bei eBay verkaufte, um Geld für Human Rights Watch, Refugees International und Ärzte ohne Grenzen zu sammeln.
Ai Weiweis bislang teuerste Arbeit auf dem Auktionsmarkt ist Circle of Animals / Zodiac Heads von 2010, das 2015 bei Phillips für 4,8 Millionen Euro verkauft wurde.
4. Zao Wou-Ki
Zao Wou-Ki (1921 Peking - 2013 Nyon) weilt nicht mehr unter uns, kann aber als Eckpfeiler der sich verändernden Kunstperspektive in China betrachtet werden. Bekanntheit erreichte er durch seine Kombination von abstrakter Kunst, Expressionismus und Kalligrafie, womit er die traditionelle Art der chinesischen Malerei revolutionierte. Mit einem Umsatz von 177.268.908 Euro im Jahr 2019 zählt er zu den aktuell erfolgreichsten Künstlern auf dem Auktionsmarkt. Sein Erfolg begann jedoch in Europa, wo er in den 1960er Jahren sehr beliebt war. Nach und nach verlagerte sich das Interesse nach Asien, wohin heute die meister seiner Werke verkauft werden. Besonders hervorzuheben ist Juin-Octobre 1985, das 2018 bei Sotheby's für 55,6 Millionen Euro verkauft wurde - Rekord für den fünf Jahre zuvor verstorbenen Künstler.

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Für seine Werke ließ sich Zao Wou-Ki nicht nur von seiner Heimat inspirieren, sondern auch von anderen Ländern, allen voran Frankreich, wo er den größten Teil seines Erwachsenenlebens verbrachte. Sein Wunsch, in Paris zu leben, war stark von seinem Interesse an Malern wie Henri Matisse und Joan Miró beeinflusst. Während seiner äußerst erfolgreich verlaufene Karriere hatte er regelmäßig Ausstellungen in Institutionen wie dem Grand Palais in Paris, dem San Francisco Museum of Modern Art und der Marlborough Gallery in New York. Reiste oder malte er nicht, unterrichtete Zao Wou Ki an der École Nationale Supérieur des Arts Décoratifs und der Hangzhou School of Fine Arts.

Zao Wou-Ki war 1948 nach Paris umgezogen. Erst 1971, nach dem Selbstmord seiner zweiten Frau, kehrte er nach China zurück, um seine Familie zu besuchen. Dies sollte großen Einfluss auf sein zukünftiges Schaffen haben, war er durch seine Heimkehr doch gezwungen gewesen, sich mit seinen Wurzeln auseinanderzusetzen. Dazu sagte er später: "Obwohl der Einfluss von Paris in meiner gesamten künstlerischen Ausbildung nicht zu leugnen ist, möchte ich hinzufügen, dass ich China nach und nach wiederentdeckte, als sich meine tiefere Persönlichkeit gefestigt hatte."
3. Yang Fudong
Das Œuvre von Yang Fudong (*1971 Peking) besteht aus Fotos, Filmen und Installationen. Über seine Kindheit und Jugend ist nur wenig bekannt, erst nach seinem Malereistudium an der Hangzhou Academy of Fine Art, während dem er feststellte, dass er sich mehr für Film und Fotografie interessierte, trat er ins Licht.

Seine Arbeiten zeigen seine Perspektive auf die komplexe gesellschaftspolitische Landschaft seiner Heimat, das inmitten zwischen Vergangenheit und Zukunft schwebt. Über seine traumhaften Videointellationen schrieb die Marion Goodman Gallery: „Seine oft stillen und körperlosen Charaktere bewegen sich normalerweise nach choreografierten Gesten und versetzen den Betrachter in eine ästhetisch perfekte Umgebung. Seine Arbeit setzt die Zeit bewusst aus und bringt sie durcheinander." Genau dieser neue Stil zieht den Betrachter zu Fudongs Kunstwerken. Er spricht jene Generation im modernen, sich ständig weiterentwickelnden China an, die Schwierigkeiten hat, ihren Platz oder ihre Bedeutung zu finden.
Yang Fudongs Arbeiten wurden bereits bei der Fondation Louis Vuitton in Paris sowie im Metropolitan Museum of Art und im Solomon R. Guggenheim Museum in New York ausgestellt. Seine Bildergeschichte The First Intellectual wurde 2016 bei Sotheby's für 121.125 Euro verkauft, was damals der höchste Preis war, der bislang für eine fotografische Arbeit eines Künstlers aus Asien gezahlt worden war.
2. Zeng Fanzhi
Zeng Fanzhi (*1964 Wuhan) erschafft Kunstwerke, die äußerst emotional und zutiefst persönlich sind. Der Künstler war während der Kulturrevolution in einem armen Elternhaus aufgewachsen. Während seines Studium an der Hubei Academy of Fine Arts entdeckte er das, was ihn am meisten beeinflussen sollte: den deutschen Expressionismus.

Bekanntheit erlangte Zeng Fanzhi mit seiner Serie Mask, mit der er zeigen wollte, dass "China sich in den 90er Jahren sehr schnell veränderte, die Menschen Anzüge und Krawatten trugen. Aber man merkte, dass sie sich innerlich unwohl fühlten. Es gibt eine Tradition, mit Masken aufzutreten..." Zengs Masken bilden eine unsichtbare Barriere zwischen uns und unserer Umgebung und repräsentieren gleichzeitig die vielen falschen Beziehungen, die wir während unseres Lebens aufbauen. Eine Geschichte, die Fanzhi persönlich betraf und die ihn veranlasste, auf diese Weise zu malen, war, als er kein rotes Taschentuch erhielt, das jedes chinesische Schulkind als „Zeichen der Akzeptanz und Leistung in der Kleinen Roten Garde“ bekam.
Bis heute tauchen diese roten Taschentücher in Zengs Werken auf. Durch sie drückt er seine Wut darüber aus, von der Gesellschaft gemobbt und als Außenseiter eingestuft zu werden - er war eines von drei Kindern in seiner 52-köpfigen Klasse, die diese Auszeichnung nicht erhielten.
Durch seine expressionistischen und physiologisch erforschenden Gemälde versucht Zeng Fanzhi, sich auf persönlicher Ebene mit dem Betrachter zu verbinden, indem er die Selbstreflexion und Akzeptanz seiner selbst fördert. 2013 brach er den Rekord für das teuerste Werk eine zeitgenössischen asiatischen Künstlers, als The Last Supper bei Sotheby's für 17,1 Millionen Euro verkauft wurde.
1. Liu Bolin
Liu Bolin (*1973 Shandong), auch "Der unsichtbare Mann" genannt, ist bekannt für seine getarnten Fotografien und seine Performance-Kunst. Er bemalt seinen gesamten Körper so, dass er, wie ein Chamäleon, vor seiner Umgebung verschwindet.
Bolin benutzt seine Kunst als stillen Protest. Am Anfang war seine Kunst ausschließlich gegen die chinesische Regierung ausgerichtet: Nach der Kulturrevolution begann das Land in den neunziger Jahren wieder zu gedeihen, doch verlief dieses Wachstum viel zu schnell. Bolins Protest wurde schließlich 2005 ausgelöst, als die Regierung beschloss, Suo Jia Cun, eine der am stärksten von Künstlern bewohnten Städte in China, zu "schließen". Über 100 Studios wurden zerstört, darunter auch das Studio von Liu.

Mit seinen Bildern wollte Bolin seine Hilflosigkeit und seine Gefühle darstellen. Er sagte einmal: „Ich war laut der Gesellschaft eine bedeutungslose Person. In diesen Jahren hatte ich das Gefühl, dass Menschen existieren oder vollständig verschwinden können.“
Seine Bilder verbreiteten sich schnell in aller Welt und wurden in vielen Museen ausgestellt, z. B. im Broad Art Museum in Los Angeles und im Museum of Contemporary Art in Shanghai. Mittlerweile trat er auch auf der Art Basel Miami, im Centre Pompidou in Paris und zuletzt im Hirshhorn Museum and Sculpture Garden in Washington, D.C. in Erscheinung.
Mit einem erzielten Preis von 46.793 Euro wurde Lius Figurengruppe Red Hand 2008 zum bislang teuersten Werk des Künstlers auf dem Auktionsmarkt.
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