Carl Larssons zauberhafte Aquarelle aus seinem Buch Ett hem von 1899 sind gewiss jene schwedischen Gemälde mit dem größten Wiedererkennungswert (siehe Titelbild). Doch hat die schwedische Kunstgeschichte noch so viel mehr zu bieten als Familienidyllen in ländlicher Kulisse. 6 ikonische Werke haben wir für Sie einmal zusammengestellt.
Carl Larsson, Midvinterblod

1883 begann man in Stockholm darüber nachzudenken, wie die Wände des großen Treppenhauses des 1866 fertiggestellte Nationalmuseums gestaltet werden könnten. Fünf Jahre später wurde schließlich ein entsprechender Wettbewerb ausgerufen, aus dem Gustaf Cederström als Sieger hervorging, während Carl Larsson den zweiten Platz belegte. Larsson hatte ein Konzept mit Bildern zu den Themen Kunst und Geschichte Schwedens vorgelegt, das Cederström so beeindruckte, dass er 1894 zugunsten Larssons zurücktrat. Zunächst führte Larsson 1896 sechs Fresken in der unteren Treppenhalle aus, 1907/08 folgte das monumentale Gemälde Gustav Wasas Einzug in Stockholm für die obere Treppenhalle. Eigentlich hatte er für die gegenüberliegende Wand das Motiv Gustav II. Adolfs Landgang in Pommern 1630 vorgesehen, doch ein Aufenthalt in Dänemark im Jahr 1910, bei dem er sich mit Fundstücken und der Ornamentik der Eisenzeit beschäftigte, ließen ihn von einem Motiv aus der nordischen Frühgeschichte mit ihren mythischen Sagenkönigen träumen. Zurück in Schweden arbeitete er einen Entwurf nach einer Episode aus der Dichtung Ynglingatal aus, der die Opferung von König Domalde zum Thema hat, der sein Leben gelassen haben soll, um eine Hungersnot zu beenden. Doch dem Komitee gefiel Larssons neue Idee nicht und er überarbeitete seinen Entwurf mehrmals – nur um immer wieder abgewiesen zu werden. 1914 war Carl Larsson kurz davor, alles hinzuschmeißen, als er sich schließlich dazu entschloss, das großformatige Gemälde auf eigenes Risiko auszuführen. Im darauffolgenden Jahr erfolgte die Probehängung im Museum, doch die meisten Stimmen fielen negativ aus. Nach Carl Larssons Tod im Jahr 1919 wurde Midvinterblod 40 Jahre lang in einem Archiv aufbewahrt, bevor es über einige Umwege doch noch vom Nationalmuseum erworben wurde und dort seit 1997 seinen Platz im oberen Treppenhaus einnimmt.
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Anders Zorn, Mittsommertanz

Nachdem Paris acht Jahre lang sein Lebensmittelpunkt gewesen war, kehrte der Maler Anders Zorn 1896 gemeinsam mit seiner Frau Emma in seine schwedische Heimtat zurück. Das Paar ließ sich in der Nähe von Mora, Dalarna, nieder, wo Zorn geboren und aufgewachsen war. Dort wandte sich Zorn, der sich als Porträtmaler in Europa und Nordamerika einen Namen hatte machen können, verstärkt der Aktmalerei und der Darstellung der bäuerlichen Bräuche, aber auch des Alltags in der Region zu. Es entstanden berühmte Werke wie Tanz in der Gopsmorkate (1914), Hirtin (1908) und Mittsommertanz (1897), das Zorn selbst einmal als sein liebstes Eigenwerk bezeichnete. Dargestellt ist der Tanz unter dem Maibaum (den Zorn selbst gestiftet hatte) am Mittsommerfest in Morkarlby bei Mora. Die Erhaltung der Traditionen in seiner Heimatregion Dalarna lag Zorn sehr am Herzen. Nicht nur malte er Trachten und Brauchtum, er sammelte auch traditionelle Gegenstände, darunter Möbel, Werkzeuge und Textilien. Die Sammlung vermachten er und Emma später dem schwedischen Staat. Zorn hatte Mittsommertanz für die Stockholmer Ausstellung von 1897 gemalt. 1903 kam das Gemälde als Schenkung der Akademie ins Nationalmuseum. Dort hatte es möglicherweise jener amerikanische Sammler gesehen, für den Anders Zorn eine weitere Version malte, die sich bis heute in Privatbesitz befindet. Ein sehr ähnliches Gemälde von 1896 befindet sich im Puschkin-Museum in Moskau.
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Gustaf Cederström, Heimkehr des Leichnams Karls XII.
1877 erlebte Gustaf Cederström einen herben Rückschlag, als sein Historiengemälde Albrecht von Mecklenburg wird von Königin Margarete verspottet (Verbleib unbekannt) vom Pariser Salon abgelehnt wurde. Der schwedische Maler war aber weit davon entfernt, den Kopf in den Sand zu stecken, und begann mit der Arbeit an einem neuen Werk, das den von ihm bewunderten schwedischen König Karl XII. in den Mittelpunkt stellen sollte. Cederström wählte jene tragische Episode, in der der 1718 im Großen Nordischen Krieg gefallene König von seinen Soldaten heimgebracht wird (wobei der offene Transport auf einer Bahre der Fantasie des Künstlers entsprungen ist). 13 Monate arbeitete Cederström an dem Gemälde, in das er all sein Herzblut steckte. Für die Darstellung des Königs und der Soldaten kamen zahlreiche Modelle zum Einsatz (dem Soldaten an der Spitze verlieh er allerdings sein eigenes Antlitz), für die Darstellung des Schnees ließ er große Mengen an Salz in sein Atelier karren. Voller Hoffnung stellte er sein Werk im schwedischen Pavillon der Pariser Weltausstellung von 1878 aus – und wurde nicht enttäuscht: Er wurde mit einer Medaille ausgezeichnet und das Gemälde wurde vom russischen Großfürsten Konstantin Konstantinowitsch Romanow erworben. Viele Schweden hätten das Gemälde jedoch gerne in ihrer Heimat gesehen, sodass Cederström eine zweite Version malte, die seit 1884 Teil der Sammlung des Nationalmuseums in Stockholm ist. Die erste Version gelangte erst nach der Oktoberrevolution nach Schweden und wird dort seit 1939 im Göteborgs konstmuseum ausgestellt.
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Alexander Roslin, Die Dame mit dem Schleier

100 Jahre bevor Gustaf Cederström in Paris nach Erfolg strebte, hatte ein anderer schwedischer Maler diesen dort bereits gefunden: Alexander Roslin hatte sich 1752 in der Hauptstadt Frankreichs niedergelassen und war im Laufe der Jahre zu einem der gefragtesten Porträtmaler aufgestiegen, der für sein besonderes Talent, luxuriöse Stoffe gekonnt wiederzugeben und seinen Modellen psychologische Tiefe zu verleihen, gerühmt wurde. Seine Auftraggeber entstammten höchsten Adelskreisen, doch gab es eine Dame, die er besonders gerne malte: die Pastellmalerin Marie Suzanne Giroust, die er 1759 geheiratet hatte und mit der er eine glückliche Ehe führte, der sechs Kinder entsprangen. Das berühmteste Porträt, das Roslin von seiner Herzdame malte, ist Die Dame mit dem Schleier aus dem Jahr 1768. Darauf ist Marie Suzanne Giroust in einem Kleid à la bolognaise zu sehen, was sich vor allem auf den langen schwarzen Schleier bezieht, der ihr Gesicht halb bedeckt und der einer Bologneser Tradition folgt. Eine sehr intime Note erhielt das Porträt durch die Handhabung des Fächers, bedeutete ein die Wange berührender zusammengefalteter Fächer doch angeblich „Ich liebe Dich“. Behalten hat Alexander Roslin sein Werk dennoch nicht. Er präsentierte es 1769 auf dem Pariser Salon, wo es viel Anerkennung und einen Käufer fand. Es gelangte nach Schweden, wo es Teil verschiedener Privatsammlungen war, bevor es 1945 in den Besitz des Nationalmuseums überging.
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Hilma af Klint, De tio största, nr. 3

1984 geschah etwas, das die Kunstgeschichte ganz schön auf den Kopf stellte: In Helsinki wurden Werke von Hilma af Klint präsentiert, die bis dahin im Verborgenen geblieben waren. Geschehen war das auf Wunsch der Malerin, die in ihrem Testament verfügt hatte, dass ihr Œuvre frühestens 20 Jahre nach ihrem Tod, der 1944 erfolgt war, öffentlich zu sehen sein dürfe. Wie sich bei der Präsentation zeigte, hatte sich Hilma af Klint schon früher mit der abstrakten Malerei beschäftigt, als jene Künstler, die als Pioniere dieser Kunstrichtung gelten, darunter Wassily Kandinsky und Kasimir Malewitsch. Als Basis für ihre Malerei diente Hilma af Klint ihre tiefe Verbundenheit mit dem Spiritismus und dem Okkultismus und dem daraus resultierendem Wunsch, Bilder zu schaffen, die über das Sichtbare hinausgehen. Zum Ausdruck kam dies zunächst in organischen Formen, später in geometrischen Kompositionen. Ein einzelnes Werk Hilma af Klints als Ikone zu bezeichnen, ist nicht möglich – auch das hier abgebildete Werk aus der Serie Die zehn Größten von 1907 soll lediglich als Beispiel für ihr ikonisches Schaffen herangezogen werden, das seit seiner Wiederentdeckung die Kunstwelt begeistert – von den üblichen Kritikern einmal abgesehen.
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Nils Dardel, Der sterbende Dandy

Farben, Eleganz, Humor und Widersprüche kennzeichnen das Œuvre des Post-Impressionisten Nils (von) Dardel und sind auch in seinem berühmtesten Gemälde, Der sterbende Dandy von 1918 zu finden. Dardel war nach seinem Kunststudium in Stockholm nach Paris gegangen, wo vor allem die Fauvisten rund um Henri Matisse auf ihn einwirkten. Ein zweiter bedeutender Einfluss war Dardels Begeisterung für die japanische Kunst; 1917 reiste er sogar in das ferne Land seiner Sehnsucht. Im Jahr darauf malte er Der sterbende Dandy, mit dem er eindeutig die weitverbreitete Sünde der Eitelkeit aufs Korn nahm: Umgeben von einem in ein Taschentuch schluchzenden Mann und drei Frauen ist besagter Dandy dabei, seinen letzten Atemzug zu tun. Sein Blick ist – wie man es in einer solchen Situation erwarten würde – jedoch nicht gen Himmel gerichtet, sondern einem Spiegel zugewandt, der locker in der bereits kraftlosen Hand des Dandys liegt. Das schwarze Spiegelglas könnte als Anspielung auf den Tod und das Ende aller Eitelkeit gedeutet werden. Seine Versteigerung im Jahr 1984 für 3,4 Millionen SEK machte das Gemälde zum bis dahin teuersten schwedischen Kunstwerk der Auktionsgeschichte. Seit 1993 ist es Teil der Sammlung des Moderna Museet in Stockholm. Eine frühere Version, ebenfalls aus dem Jahr 1918, die den Dandy umgeben von zwei Männern und einem Jungen und mit einem Fächer statt dem Spiegel in der Hand zeigt, wurde 2007 bei Bukowskis für 3,25 Millionen SEK versteigert.




