Die beiden Jans und Pieters der Familie Brueghel werden bereits seit langem jeweils stets mit den Namenszusätzen "der Ältere" und "der Jüngere" aufgeführt. Zusätzlich entstanden im Laufe der Zeit Beinamen, die aufgrund der von den verschiedenen Malern der Familie bevorzugten Motive oder Maltechnik gewählt wurden.
Die Brueghels waren eine weit verzweigte Familie und in den Kunstszenen der Städte, in denen sie ansässig waren, gut etabliert. Dies zeigen nicht zuletzt die Eheschließungen zwischen Mitgliedern der Familie Brueghel und Mitgliedern anderer Malerfamilien, darunter die Teniers und die van Kessels.
Pieter Brueghel der Ältere (um 1525/30 Breda? - 1569 Brüssel)
Am Anfang der Malerdynastie Brueghel steht Pieter Brueghel der Ältere. Dessen Lehrer war der Antwerpener Meister Pieter Coecke van Aelst, der später auch sein Schwiegervater wurde. Während eines dreijährigen Aufenthaltes in Italien vervollkommnete Brueghel seine Technik und etablierte sich nach seiner Rückkehr als Landschaftsmaler und als Maler des Lebens flämischer Bauern, was ihm später den Beinamen Bauernbrueghel einbrachte.
Lesen Sie auch: Meister im Schnee

Doch waren diese Bilder mehr als nur ein belustigender Blick auf das Leben der ländlichen Bevölkerung, über die sich die Auftraggeber in der Stadt amüsieren konnten. Vielmehr waren sie moralisierenden Inhalts und behandelten Themen wie die Vergänglichkeit materieller Werte, übersteigerte Machtansprüche oder ganz allgemein die allgegenwärtig herrschende Torheit in der Welt.
Pieter Brueghel der Jüngere (1564 Brüssel - 1638 Antwerpen)
Pieter Brueghel der Ältere und Mayken Coecke hatten zwei Söhne. Der ältere wurde nach dem Vater benannt und wird mit dem Namenszusatz "der Jüngere" aufgeführt. Aufgrund des frühen Dahinscheidens des Vaters, konnte dieser seine Nachkommen nicht selbst ausbilden. Pieter Brueghel der Jüngere lernte bei Gillis van Coninxloo in Antwerpen, wo er bereits im Alter von 20 Jahren Mitglied der Lukasgilde war und ein eigenes Atelier besaß.

Das Œuvre Pieter Brueghels des Jüngeren besteht hauptsächlich aus Gemälden, die auf den teilweise erhaltenen und teilweise verschollenen Arbeiten seines Vaters beruhen. Seinen Beinamen Höllenbrueghel war ihm später irrtümlich verliehen worden, nachdem ihm fälschlicherweise eine Reihe von Höllendarstellung angerechnet wurden, die jedoch vermutlich von seinem jüngeren Bruder Jan stammen.
Lesen Sie auch: Brueghels "Vogelfalle": Eine beliebte Kopiervorlage
Pieter III. Brueghel (1589 Antwerpen um 1640)
So gut wie gar nichts ist über den dritten Pieter Brueghel bekannt, der der Enkel des Älteren und Sohn des Jüngeren war. Obwohl als selbstständiger Maler in den Listen der Antwerpener Lukasgilde aufgeführt, schien er zeitlebens der Werkstatt seines Vater treu geblieben zu sein, wo er mit anderen Mitarbeitern und Lehrlingen die Reproduktion der Werke seiner namensgleichen Vorfahren betrieb. Ein Gemälde, das sich eindeutig als solches von Pieter III. Brueghel identifizieren lässt, gibt es bislang nicht.
Jan Brueghel der Ältere (1568 Brüssel - 1625 Antwerpen)
Der zweite Sohn Pieter Brueghels des Älteren, Jan, erblickte ein Jahr vor dem frühen Tod seines Vaters das Licht der Welt. Wie sein älterer Bruder lernte er unter anderem bei Gillis van Coninxloo in Antwerpen. Während eines mehrjährigen Aufenthaltes in Italien in den 1590er Jahren erhielt seine ersten Lorbeeren und mit dem Mailänder Kardinal Federico Borromeo einen wichtigen Förderer. Zurück in der Heimat ging es weiter steil bergauf, als ihn der Statthalter der habsburgischen Niederlande zum Hofmaler ernannte.

Die feine Maltechnik Jan Brueghels des Älteren brachte ihm den Beinamen Samtbrueghel ein. Sein anderer Beiname, Blumenbrueghel, beruht auf seiner exquisiten Darstellung von Blumengirlanden. Auch der mit ihm befreundete Maler Peter Paul Rubens bediente sich dieses Talents für sein Werk Madonna im Blumenkranz. Im Gegenzug führte Rubens die Figuren Adams und Evas in Brueghels Paradies aus. Dieser "Austausch von Fähigkeiten" war bei Malern damals durchaus üblich.
Lesen Sie auch: Peter Paul Rubens: Malerfürst und Diplomat

Jan Brueghel der Jüngere (1601 Antwerpen 1678)
Auch Jan Brueghel der Ältere benannte seinen ältesten Sohn nach sich selbst und bildete ihn in seiner Werkstatt zu seinem Nachfolger aus. Während einer mit Freunden angetretenen Reise durch Italien machte Jan Brueghel der Jüngere jedoch weniger durch seine Studien von sich reden, als mit tatsächlich oder beinahe über ihn gekommenen Krankheiten (darunter die Pest).

Nachdem sein Vater 1625 plötzlich gestorben war, kehrte Jan nach Antwerpen zurück und war dort nun das Familienoberhaupt. Als solches versuchte er die Familie mit Werken im Stil seines Vater und Großvaters, Pieter Brueghel d. Ä., zu ernähren, was jedoch meist mehr schlecht als recht gelang. Jan Brueghel der Jüngere war mit einer Tochter des Malers Abraham Janssens verheiratet.
Abraham Brueghel (1631 Antwerpen - 1697 Neapel)
Fünf Söhne Jan Brueghels des Jüngeren wurden ebenfalls Maler. Der zweitälteste, Abraham, schien das Talent des Großvaters für Blumendarstellungen geerbt zu haben, denn florale Stillleben zählen zu seinen wichtigsten Motiven (für deren bisweilen figürliche Ergänzungen er ebenfalls andere Maler hinzuzog).

Ebenso wie bei seinem Großvater Jan Brueghel dem Älteren sind von Abraham zwei Beinamen bekannt: Der offensichtlichere war Der Neapolitaner, da er sich ab spätestens 1675 dauerhaft in der italienischen Stadt niederließ. Seinen anderen Beinamen Rijngraaf ("Rheingraf") hatte er sich selbst verliehen, als er in den 1670er Jahren in Rom den Bentvueghels, einer Vereinigung dort lebender flämisch-niederländischer Maler, beigetreten war, in der es üblich war, dass die Mitglieder solche Spitznamen führten.
Lesen Sie auch: Wie ein Brueghel das Stillleben in Italien populär machte
Jan Baptist Brueghel (1647 Antwerpen - 1719 Rom)
Jan Baptist Brueghel folgte seinem um sechzehn Jahre älteren Bruder Abraham nach Italien, wo er sich ebenfalls als Maler von Blumen- und Früchtestillleben betätigte. Auch er wurde Mitglied der Bentvueghels.
Jan Pieter Brueghel (1628 Antwerpen - nach 1664 Italien)
Auch der älteste Sohn Jan Brueghels des Jüngeren, Jan Pieter, ging den Weg, den seine beiden jüngeren Brüder Abraham und Jan Baptist antraten und der ihn nach Italien führte. Ebenso betätigte er sich als Maler von Blumengirlanden, die er um die von anderen Malern ausgeführten figürlichen Darstellungen auf die Leinwand zauberte.

Möchten Sie Artikel wie diesen direkt in Ihrem Posteingang entdecken? Dann melden Sie sich noch heute für unseren kostenlosen Newsletter an!
Ambrosius Brueghel (1617 Antwerpen 1675)
Noch einmal eine Generation zurück geht es mit Ambrosius Brueghel, dem zweitgeborenen Sohn von Jan Brueghel dem Älteren. Ambrosius trat mit seinen Girlandenbildern, die sich damals in den südlichen Niederlanden, besonders in Antwerpen, hoher Beliebtheit erfreuten, in die Fußstapfen seines Vaters. Jedoch konnte seine Maltechnik mit der seines Vorbilds nicht mithalten und nicht viele Werke können Ambrosius eindeutig zugeordnet werden.

Zu Lebzeiten war Ambrosius Brueghel jedoch ein angesehner Bürger Antwerpens und Mitglied der dortigen Lukasgilde.
Entdecken Sie weitere Artikel im Barnebys Magazin!
Aktualisierte Version eines Artikels vom 12. September 2019








