Die Entdeckung eines ganz besonderen Gemäldes in der Küche einer älteren Dame in Compiègne war die Sensation. Entgegen der Annahme der Besitzerin, es handele sich um eine eher wertlose Ikone, konnte das Werk als eine Arbeit des italienischen Künstlers Cimabue (1240-1302). identifiziert werden. Am 27. Oktober 2019 wurde Die Verspottung Christi für 24 Millionen Euro in Senlis versteigert, was einen neuen Rekord für ein vor 1500 entstandenes Gemälde bedeutete.
Nachdem es dem Louvre nicht gelungen war, die für die Ersteigerung nötigen Geldmittel aufzubringen, ging der Zuschlag an eine Privatsammlung (möglicherweise jene des milliardenschweren chilenischen Ehepaares Alvarro Saieh Bendeck und Anne Guzman Ahnfelt). Doch noch gibt es keine Ausfuhrgenehmigung.

Frankreichs Kulturminister Franck Riester lehnte es jedoch ab, eine solche auszustellen und gab bekannt, dass das Gemälde als "Nationalschatz" eingestuft wurde und daher Frankreich in den kommenden 30 Monaten nicht verlassen darf. Dieser Zeitraum soll genutzt werden, um "die für den Erwerb zugunsten öffentlicher nationaler Sammlungen erforderlichen Mittel aufzubringen" und das Gemälde mit einem weiteren Werk Cimabues, das Teil der Sammlung des Louvre ist, zu vereinen.
"Ich begrüße die herausragende Rolle, die das Ausfuhrkontrollsystem für Kulturgüter für den Schutz und die Bereicherung des nationalen Erbes spielt, und danke den Mitgliedern des Beratenden Ausschusses für Nationalschätze unter der Leitung seines Vorsitzenden. Edmond Honorat, dessen sorgfältige Prüfung der Zertifikatsverweigerungsvorschläge meine Entscheidungen beleuchtet. Dank der durch diese Maßnahme vorgegebenen Zeit können alle Anstrengungen unternommen werden, damit diese außergewöhnliche Arbeit die nationalen Sammlungen bereichert“, erklärte Franck Riester.

Die Verspottung Christi ist ein auf einer Pappeltafel mit Goldgrund ausgeführtes Eitempera-Gemälde, die eine der leidvollsten Momente der Passion Christi zum Thema hat: die Verspottung des soeben verurteilten Christus durch römische Soldaten, die ihn auspeitschen und mit einer Dornenkrone krönen. Das Werk war ursprünglich Teil eines um 1280 geschaffenen Andachtsdiptychons, dessen beide anderen Teile bekannt sind: Die Geißelung Christi (Frick Collection, New York) und eine Maestà (National Gallery, London).
Cenni di Pepo, genannt Cimabue war ein bedeutender Künstler der Vorrenaissance, der der damals dominierenden byzantinischen Malerei den Rücken kehrte und stattdessen seinen Werken unter dem Einfluss des franziskanischen Geistes eine Seele verlieh und den Mensch in den Mittelpunkt seiner Kompositionen stellte.




