Wenn Sie innehalten und darüber nachdenken, sind unsere Leben aus Momenten aufgebaut: Momente, die ein Leben verändern können, und alltägliche Momente, die ein Leben ausmachen.
Durch den Sucher schauen, Knopf drücken, den Klick hören, den eckigen Bildträger herausziehen – und dann heißt es warten. Aber nicht lange, denn in einem sehr überschaubaren Zeitraum entfaltet sich die ganze Magie: das Bild, das man gerade geschossen hat, erscheint auf dem Papier, das man in der Hand hält. Zeitlich betrachtet trennen trennen die Fotos, die man mit einem Smartphone macht, und jene, die mit einer Polaroidkamera entstehen, nur wenige Augenblicke. Doch die jeweiligen Erfahrungen unterscheiden sich enorm.

Heutzutage besitzen Millionen von Menschen ein Smartphone, mit dem man innerhalb von Sekunden ein Foto schießen und bearbeiten kann. Dadurch besitzt man unendlich viele Möglichkeiten, einen Moment einzufangen; die intime Essenz eines solchen Moments geht dabei jedoch verloren. Die Fotos landen im Internet, wo sie von Millionen Augenpaaren betrachtet werden können und in gewissem Sinne für immer gefangen sind – das Internet vergisst schließlich nie. Diese digitalen Aufnahmen werden nicht gedruckt, an die Wand gehängt oder in ein Album mit wertvollen Erinnerungen geklebt. Polaroids, die ein sofortiger Erfolg waren, als sie auf den Markt kamen, wurden durch die Ankunft des Smartphones verdrängt. Doch die Vintage-Leidenschaft der letzten Jahre hat zu einem gloriosen Revival dieser Kameras geführt.
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Die Verbreitung der Sofortbildkamera wird Edwin Herbert Land (1909-1991) zugeschrieben, einem amerikanischen Erfinder mit unternehmungslustigem und produktivem Geist, der, was die Anzahl der registrierten Patente angeht, gleich hinter Thomas Edison rangiert und von Steve Jobs wiederholt als Quelle der Inspiration genannt wurde.

Land befand sich mit seiner Familie im Urlaub in Santa Fe, New Mexico, als ihm der Sinn danach stand, ein Foto von seiner 3-jährigen Tochter zu machen. Das Mädchen, ausgestattet mit jener Offenheit, die kleine Kinder auszeichnet, fragte seinen Vater, weshalb es das Foto nicht sofort sehen könne. Bei dieser Frage ging dem Erfinder das sprichwörtliche Licht auf und in ihm reifte der Plan, eine Sofortbildkamera zu erfinden. Nach einer gewissen Zeit der Forschung und des Tüftelns wurde 1948 die Polaroid 95 aus der Taufe gehoben, die auch Land Camera genannt wurde, und die als die erste Sofortbildkamera betrachtet wird, die im großen Maßstab kommerzialisiert wurde. Eine Legende, die die Zeiten überdauern sollte, war geboren. Die außergewöhnliche Erfindung führte zum sofortigen Erfolg der Polaroid Corporation, deren Produkte sich schnell verkauften und sowohl von der breiten Masse, als auch von erfahrenen Fotografen geschätzt wurden.

In den 1950er Jahren hatten bereits Millionen von Menschen Erfahrungen mit den schnellen Fotos gesammelt, doch der eigentliche Boom kam erst in der darauffolgenden Dekade. Grund dafür war die Einführung des ersten selbstentwickelnden Films in Farbe: Polacolor. 1965 wurde die Polaroid Swinger vorgestellt, die ein jüngeres Publikum ansprechen sollte. In diesen Jahren wurde Polaroid zu einer Kultmarke, die überall auf der Welt Fans hatte. Ein ganz besonderer unter ihnen hieß Andy Warhol. Der Pop Art-König wurde zu einem berühmten Benutzer der Polaroidkameras, die er überallhin mitnahm, um Stars abzulichten, seine Arbeit zu dokumentieren und besondere Momente einzufangen.
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Der erfindungsreiche Edwin Herbert Land ruhte sich jedoch nicht auf seinen Lorbeeren aus, sondern stellte in den frühen 1970er Jahren ein weiteres Modell vor, das zur Ikone werden sollte: Polaroid SX-70, ein faltbarer Fotoapparat, der es unter anderem ermöglichte, Bilder mit Effekten zu bearbeiten.
Während dieser revolutionären Jahre betrat Kodak die Bühne und produzierte selbstentwickelnde Filme. Als dann die Kodak Instant auf den Markt kam, führte das zu einem Patentstreit, aus dem Polaroid als Sieger hervorging.

Die 1980er Jahre waren geprägt von der Einführung neuer Modelle, doch auch vom Flop der Polavision-Kamera für Sofortvideos, der zu einem finanziellen Desaster wurde. Edwin Land beschloss, aus der Firma auszusteigen und verließ Polaroid 1982. Das Unternehmen sah sich mittlerweile mit einem sehr wettbewerblichen Markt konfrontiert und das Auftauchen der digitalen Fotografie erwies sich als besonders katastrophal. 2008 musste Polaroid seinen Bankrott erklären. Mit Edwin Lands Traum war es aber nicht völlig vorbei. Noch im selben Jahr wurde die Firma von einem polnischen Milliardär übernommen und dann 2017 von The Impossible Project gekauft, das sich 2020 in Polaroid Originals, kurz Polaroid, umbenannte.

Dank des jüngst erwachten Interesses an Vintage-Objekten, kann Polaroid bis heute produzieren. Neben der Polaroid gibt es heute viele Typen der Sofortbildkamera auf dem Markt, darunter die Fujifilm Instax-Serie, die mit ihrem ansprechenden und bunten Design vor allem bei jungen Leuten gut ankommt.
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Der französische Fotograf Robert Doisneau sagte einmal: „Sie müssen bedenken: anregen heißt erschaffen; beschreiben heißt zerstören.“ Aufnahmen mit Sofortbildkameras suggerieren eher ein Bild, ohne es klar abzugrenzen. Sie haben nicht die aseptische Perfektion einiger gefilterter Fotos in den sozialen Medien, besitzen jedoch eine subtilere Schönheit, die auch durch das Element des Unvorhersehbaren gegeben ist.

Nach dem Drücken des Auslösers haben die geschaffenen Bilder stets variierende Texturen und Farbtöne, die sich je nach Licht und Aufnahmezeitpunkt unterscheiden. Ein Moment, den es so nie wieder geben wird und daher absolut einzigartig ist, was jeden, der originell sein will, ansprechen muss.
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Sofortbilder eignen sich auch hervorragend als ein sehr persönliches und außergewöhnliches Geschenk, da sich der weiße Rand für eine kurze Widmung anbietet. Auch als witzige Platzkarte für eine Dinnerparty mit Freunden kommen sie infrage. Oder man heftet sie einfach mit winzigen Wäscheklammern an Schnüre im ganzen Haus, sodass sie wie kleine Aquarelle erscheinen, die zum Trocknen aufgehängt wurden.

Auf der Website von Polaroid steht geschrieben: „Wenn Sie innehalten und darüber nachdenken, sind unsere Leben aus Momenten aufgebaut: Momente, die ein Leben verändern können, und alltägliche Momente, die ein Leben ausmachen.“ In der heutigen Welt scheint alles nur vorübergehend zu existieren und trotz dieser gewissen Neigung zu Vintage und Nachhaltigkeit, basiert das Gros unseres Handelns auf Wegwerfen und Geschwindigkeit. So betrachtet, bieten Sofortbilder eine nette Möglichkeit, ein wenig herunterzufahren, eine Pause einzulegen und einen schönen Moment einzufangen, um diesen dann in den eigenen Händen noch einmal zu erleben – ihn festzuhalten, im eigentlichen wie auch im übertragenen Sinne. Ein Foto, das mit einer Sofortbildkamera statt mit einem Smartphone aufgenommen wurde, ist mit all seinen poetischen Fertigkeiten eine letztendlich dauerhaftere Möglichkeit, einen flüchtigen Moment festzuhalten und auszukosten.
Heute können Polaroid-Fotografien hohe Preise erzielen, wobei der Rekord mit dem vierteiligen Porträtfoto-Set Andy Warhols von Man Ray aufgestellt wurde, das 2006 bei Sotheby's für 545.600 GBP (804.760 Euro) verkauft wurde. Die meisten sind natürlich für wesentlich weniger Geld zu haben. Gleiches gilt auch für die Polaroid-Kameras, deren Vintage-Charme noch lange nicht ausgedient hat.










