Seit es die Fotografie gibt, ist ihr Status als Mitglied der schönen Künste immer wieder lebhaft diskutiert worden. Die große Abhängigkeit des Mediums von seinem technischen Aspekt stellte immer wieder die damit mögliche Kreativität und künstlerischen Wert in Frage. Heute werden nur noch wenige dieser Stimmen laut, die die künstlerische Bedeutung der Fotografie anzweifeln, nachdem Fotokünstler immer wieder eindrückliche Beweise dafür vorgelegt haben. Und zwar nicht nur männliche.
Bereits seit den frühen Jahren der Fotografie im 19. Jahrhundert, spielten Frauen eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der Fotografie zum Kunstmedium.
Julia Margaret Cameron

Die britische Fotografin Julia Margaret Cameron (1815-1879) kam 1815 in Indien zur Welt, das damals Teil des British Empire war. Camerons Karriere begann erst im Jahr 1963, als sie zu ihrem 48. Geburtstag von ihrer Tochter eine Kamera geschenkt bekam. Ihre Motive fand sie in ihrer Umgebung, vor allem in der viktorianischen Oberschicht, die sie in empfindsamen und für die damalige Zeit ungewöhnlich intimen Porträts festhielt, die von einem großen Einfluss der präraffaelitischen Formensprache zeugten.
Auch wenn den Arbeiten Camerons zu ihren Lebzeiten keinerlei Beachtung fanden, wird sie heute als eine der experimentellsten Fotografen des 19. Jahrhunderts angesehen.
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Imogen Cunningham

Imogen Cunningham (1883-1976) darf getrost zu den Pionieren der modernen Fotografie gezählt werden. Ihre künstlerische Karriere begann im frühen 20. Jahrhundert mit Aufnahmen aus ihrer Umgebung. Als Mutter von drei Kindern war sie weitestgehend an ihr Zuhause gebunden und dokumentierte daher das, was sie dort und in der Natur vorfand. 1910 gründete sie schließlich ein Atelier für Porträtfotografie in Seattle, in dem sie die kulturellen Persönlichkeiten der Stadt ablichtete.

Cunninghams bekannteste Fotografien zeigen Blumen und Pflanzen, die sie durch den entsprechenden Einsatz von Licht bis ins kleinste Detail festhielt und für die sie international gefeiert wurde.
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Francesca Woodman

Die Bedeutung von Francesca Woodmans (1958-1981) Fotografie wurde lange Zeit diskutiert. Während die einen meinen, ihr Hauptthema sei der Feminismus und die Strategien, mit denen Frauen ihre eigentlich Identität zu verbergen versuchen, sind andere der Ansicht, dass sie eine surrealistische Künstlerin ist und mit anderen Kollegen wie Hans Bellmer und Man Ray verglichen werden müsse. Auch wenn dies durchaus zutrifft, begab sich Woodland dennoch auf Identitätssuche, mit ihrem eigenen Körper als Hauptmotiv. Mit ihrer Serie On Being an Angel von 1975-81 untersuchte Woodman die existenzielle Verletzlichkeit, unter der viele Menschen, inklusive sie selbst, ihr Leben lang zu leiden haben.

Im Laufe ihrer kurzen Karriere schuf Woodman über 800 unbezahlte Abzüge und etwa 10.000 Negative. 1981 beging Francesca Woodman im Alter von nur 22 Jahren Selbstmord. 2011 wurde die Dokumentation The Woodmans über die Fotografin veröffentlicht und noch im selben Jahr auf dem Tribeca Film Festival mit dem Preis für den besten Dokumentarfilm ausgezeichnet.
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Helen Levitt

Weniger zart ging es auf den Bildern von Helen Levitt (1913-2009) zu, die in ihren Fotografien die Kinder und die Brutalität in den Straßen von New York dokumentierte. Levitt war in Brooklyn zur Welt gekommen und verbrachte beinahe ihr gesamtes Leben in ihrer Heimatstadt. Mit ihrer Kamera fing sie den Alltag der Kinder von New York ein - Fotografien voller Lebensfreude und Energie, in die sich jedoch immer ein Hauch von Grausamkeit und Gewalt mischte.
Für ihre Fotografien wurde Helen Levitt wiederholt mit Ausstellungen geehrt und mit Preisen ausgezeichnet.
Margaret Bourke-White

Margaret Bourke-White (1904-1971) begann im Alter von 23 Jahren als freischaffende Fotografin zu arbeiten. Bourke-Whites Aufnahmen waren aus vielerlei Gründen revolutionär. Nicht nur war sie der erste weibliche Kriegsfotograf in den Vereinigten Staaten, auch das Coverfoto der ersten Ausgabe des Life Magazine stammte von ihr.

Zu ihren häufigsten Motiven gehörten Gebäude und Industrieanlagen. 1930 erhielt sie den Auftrag, das neue, 77 Stockwerke hohe Chrysler Building in Manhattan zu fotografieren, während die abschließenden Bauarbeiten noch im vollen Gange waren. Doch auch soziale Missstände interessierten sie, die sie in der noch jungen Sowjetunion dokumentierte aber auch in den Vereinigten Staaten während der Depression.
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Diane Arbus

Auch wenn ihre Arbeiten zu ihren Lebzeiten kaum ausgestellt wurde, erlangte Diane Arbus (1923-1971) schon damals einen hohen Bekanntheitsgrad. In den 1950er Jahren begann Arbus damit, Fremde in den Straßen von New York zu fotografieren und dabei mit Licht und Technik zu experimentieren. Ihre Motive waren die von der Gesellschaft Vergessenen, wie Prostituierte oder Transsexuelle. Arbus' ungewöhnliche Aufnahmemethoden, die die Realität in keiner Weise beschönigen sollten, erschufen ein Gefühl der Nacktheit und lösten beim Betrachter oft Unbehagen aus.

1971 beging Diane Arbus im Alter von 48 Jahren Selbstmord. Heute gilt sie als eine der bekanntesten Fotografinnen Amerikas, aber auch nach wie vor als eine der umstrittensten. Ihre Gegner werfen ihr vor, mit ihrer Distanziertheit die Anfälligkeit der Gesellschaft zur Entfremdung gefördert zu haben. Ihr Anhänger bewundern ihre Bemühungen, durch die Präsentation von Randgruppen auf soziale Ungerechtigkeit hinzuweisen.
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Annie Leibovitz

Die in Connecticut geborene Annie Leibovitz (*1949) zählt zu den bekanntesten und erfolgreichsten Fotografen der heutigen Zeit. Ihre markanten und intimen Porträts von kulturellen Persönlichkeiten werden auf der ganzen Welt gefeiert, 1991 war Leibovitz die erste Künstlerin, der eine Einzelausstellung in der National Portrait Gallery in Washington gewidmet war.

1973 wurde Leibovitz Chef-Fotografin beim Rolling Stone Magazine, für das sie eine ihrer bekanntesten Aufnahmen machte: Der nackte John Lennon, der sich wie ein Embryo an seine Frau Yoko Ono klammert. Wenige Stunden nach der Aufnahme wurde John Lennon in New York erschossen.
Anna Mendieta

Die amerikanisch-kubanische Künstlerin und Fotografin Ana Mendieta (1948-1985) wurde 1948 geboren und ist vor allem für ihre Fotografien bekannt, die sich über die Grenzen von Vergänglichkeit, Gewalt und Identität hinaus bewegen. Sie wurde in den 1970er Jahren für ihre Fotografien ausgezeichnet, die auf das Festhalten flüchtiger Momente, unterdrückerischer Strukturen und die Gewalt von Männern gegen Frauen abzielten.

1973 wurde Mendieta für ihren Kurzfilm Sweating Blood bekannt, in dem sie den bemerkenswerten Fall kommentierte, als eine Studentin ihrer eigenen Universität vergewaltigt und dann getötet worden war. Dieser Mord beeinflusste Mendieta persönlich und ihre Kunst für den Rest ihrer Karriere. Anna Mendieta starb 1985 bei dem Sturz aus einem Fenster ihrer New Yorker Wohnung. Ihr Mann, der Künstler Carl Andre, wurde beschuldigt, Mendieta gestoßen zu haben, wurde jedoch freigesprochen. Noch heute wird der Fall sowohl in der Justiz als auch in der Kunstwelt diskutiert.
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Sandy Skoglund

Die Amerikanerin Sandy Skoglund (*1946) lebt ihre künstlerische Ader in Fotografie und Installationen aus. Nicht selten kombiniert die beides miteinander. Am bekanntesten sind ihre sorgfältig durchdachten surrealen Aufnahmen in klaren Farben.
Sandy Skoglund war 1942 im Ostküstenbundesstaat Massachusetts zur Welt gekommen und studierte Bildende Kunst und Kunstgeschichte am dortigen Smith College. Anschließend ging sie nach New York, wo sie sich eine Karriere als Konzeptfotografin aufzubauen.
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Cindy Sherman

Seit 40 Jahren untersucht die US-amerikanische Künstlerin und Fotografin Cindy Sherman (*1954) mit ihren Arbeiten die Rolle der Frau in Kunst und Gesellschaft. Es entstanden Bilderserien, in denen sie ihr eigenes Modell war, darunter Untitled Film Stills und History Portraits / Old Masters.
Cindy Sherman ist ein gutes Beispiel dafür, dass weibliche Kunst heute mehr Anerkennung findet. Als 2011 bei Christie's ihre Arbeit Untitled #96 versteigert wurde, lag der erzielte Preis dafür bei 3,89 Millionen USD, was einem neuen Rekord für eine Fotografie entsprach. 2014 brach sie diesen Rekord mit Untitled Film Still #2, das für 6,77 Millionen USD einen Käufer fand.
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Shirin Neshat

Shirin Neshats (*1957) die Aufmerksamkeit für ihre komplexen und atmosphärischen Interpretationen des Feminismus und die Darstellung der muslimischen Kultur durch Film, Fotografie und Performance auf sich ziehen. Neshat wurde in Qazvin, Iran, geboren und in den USA ausgebildet. Seit Abschluss ihres Studiums ist sie für ihre suggestiven, poetischen Fotografien bekannt geworden, die die Beziehung zwischen Frauen und Männern, das muslimische Leben und die komplexen Dualitäten kollektiver kultureller Identitäten ausloten. Durch die Porträtserie Women of Allah von 1995, in der sie die multiplen Identitäten von Frauen wie Kriegerin, Ehefrau und Mutter untersuchte, wurde Neshat zu einer der aktuell beliebtesten Fotografinnen.
Aktualisierte Version eines Artikels vom 20. April 2019



