10 Frauen, die die Fotografie verändert haben

So wie Malerinnen haben auch Fotografinnen in der Vergangenheit meist ein Leben im Schatten ihrer männlichen Kollegen geführt. Mit ihrem weiblichen Blickwinkel konnten sie dem Medium jedoch immer wieder neue Impulse geben.

10 Frauen, die die Fotografie verändert haben

Seit es die Fotografie gibt, ist ihr Status als Mitglied der schönen Künste immer wieder lebhaft diskutiert worden. Die große Abhängigkeit des Mediums von seinem technischen Aspekt stellte immer wieder die damit mögliche Kreativität und künstlerischen Wert in Frage. Heute werden nur noch wenige dieser Stimmen laut, die die künstlerische Bedeutung der Fotografie anzweifeln, nachdem Fotokünstler immer wieder eindrückliche Beweise dafür vorgelegt haben. Und zwar nicht nur männliche. Bereits seit den frühen Jahren der Fotografie im 19. Jahrhundert, spielten Frauen eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der Fotografie zum Kunstmedium.

Julia Margaret Cameron
Julia Margaret Cameron, Ellen Terry at the Age of Sixteen | Foto: Heritage Auctions
Julia Margaret Cameron, Ellen Terry at the Age of Sixteen | Foto: Heritage Auctions

Die britische Fotografin Julia Margaret Cameron kam 1815 in Indien zur Welt, das damals Teil des British Empire war. Camerons Karriere begann erst im Jahr 1963, als sie zu ihrem 48. Geburtstag von ihrer Tochter eine Kamera geschenkt bekam. Ihre Motive fand sie in ihrer Umgebung, vor allem in der viktorianischen Oberschicht, die sie in empfindsamen und für die damalige Zeit ungewöhnlich intimen Portraits festhielt, die von einem großen Einfluss der prä-raffaelitischen Formensprache zeugten.

Auch wenn den Arbeiten Camerons zu ihren Lebzeiten keinerlei Beachtung fanden, wird sie heute als eine der experimentellsten Fotografen des 19. Jahrhunderts angesehen.

Imogen Cunningham
Imogen Cunningham, Magnolia Blossom, 1925 | Foto: Christie's
Imogen Cunningham, Magnolia Blossom, 1925 | Foto: Christie's

Imogen Cunningham darf getrost zu den Pionieren der modernen Fotografie gezählt werden. Ihre künstlerische Karriere begann im frühen 20. Jahrhundert mit Aufnahmen aus ihrer Umgebung. Als Mutter von drei Kindern war sie weitestgehend an ihr Zuhause gebunden und dokumentierte daher das, was sie dort und in der Natur vorfand. 1910 gründete sie schließlich ein Atelier für Portraitfotografie in Seattle, in dem sie die kulturellen Persönlichkeiten der Stadt ablichtete.

Cunninghams bekannteste Fotografien zeigen Blumen und Pflanzen, die sie durch den entsprechenden Einsatz von Licht bis ins kleinste Detail festhielt und für die sie international gefeiert wurde.

Helen Levitt
Helen Levitt, 1930er Jahre, New York | Foto: Christie's
Helen Levitt, 1930er Jahre, New York | Foto: Christie's

Weniger zart ging es auf den Bildern von Helen Levitt zu, die in ihren Fotografien die Kinder und die Brutalität in den Straßen von New York dokumentierte. Levitt war in Brooklyn zur Welt gekommen und verbrachte beinahe ihr gesamtes Leben in ihrer Heimatstadt. Mit ihrer Kamera fing sie den Alltag der Kinder von New York ein - Fotografien voller Lebensfreude und Engere, in die sich jedoch immer ein Hauch von Grausamkeit und Gewalt mischte.

Für ihre Fotografien wurde Helen Levitt wiederholt bei Ausstellungen geehrt und mit Preisen ausgezeichnet.

Margaret Bourke-White
Margaret Bourke-White, At the Time of the Louisville Flood, Kentucky, 1937 | Foto: Bonhams
Margaret Bourke-White, At the Time of the Louisville Flood, Kentucky, 1937 | Foto: Bonhams

Margaret Bourke-White erblickte im Jahr 1904 das Licht der Welt und begann mit 23 Jahren als freischaffende Fotografin zu arbeiten. Bourke-Whites Arbeiten waren aus vielerlei Gründen revolutionär. Nicht nur war sie der erste weibliche Kriegsfotograf in den Vereinigten Staaten, auch das Coverfoto der ersten Ausgabe des Life Magazine stammte von ihr.

Zu ihren häufigsten Motiven gehörten Gebäude und Industrieanlagen. 1930 erhielt sie den Auftrag, das neue, 77 Stockwerke hohe Chrysler Building in Manhattan zu fotografieren, während die abschließenden Bauarbeiten noch im vollen Gange waren. Doch auch soziale Missstände interessierten sie, die sie in der noch jungen Sowjetunion dokumentierte aber auch in den Vereinigten Staaten während der Depression.

Louise Dahl-Wolfe

Blättert man heute in einem Modemagazin, kann man in jeder Fotostrecke die Pionierarbeit einer ganz bestimmten Frau entdecken: Louise Dahl-Wolfe, die 1895 als Tochter norwegischer Einwanderer in San Francisco das Licht der Welt erblickt hatte. Von 1936 bis 1958 arbeitete Dahl-Wolfe für das Modemagazin Harper's Bazaar und revolutionierte in dieser Zeit die Modefotografie.

Louise Dahl-Wolfe holte die Models, damals noch Mannequins genannt, aus den Studios und platzierte sie stattdessen in eine Umgebung, mit der die Mode interagieren konnte, bevorzugt an exotischen Orten wie Marokko, Kuba oder Südamerika. Es war die Erfindung der "environmental fashion photography", die die Nachkriegs-Frau als selbstbewusste und eigenständige Persönlichkeit darstellte.

Diane Arbus
Diane Arbus, A Jewish Giant at Home with his Parents, 1967 | Foto: Christie's
Diane Arbus, A Jewish Giant at Home with his Parents, 1967 | Foto: Christie's

Auch wenn ihre Arbeiten zu ihren Lebzeiten kaum ausgestellt wurde, erlangte Diane Arbus schon damals einen hohen Bekanntheitsgrad. In den 1950er Jahren begann Arbus damit, Fremde in den Straßen von New York zu fotografieren und dabei mit Licht und Technik zu experimentieren. Ihre Motive waren die von der Gesellschaft Vergessenen, wie Prostituierte oder Transsexuelle. Arbus' ungewöhnliche Aufnahmemethoden, die die Rwalität in keiner Weise beschönigen sollten, erschufen ein Gefühl der Nacktheit und lösten beim Betrachter oft Unbehagen aus.

1971 begin Diane Arbus im Alter von 48 Jahren Selbstmord. Heute gilt sie als eine der bekanntesten Fotografinnen Amerikas, aber auch nach wie vor als eine der umstrittensten. Ihre Gegner werfen ihr vor, mit ihrer Distanziertheit die Anfälligkeit der Gesellschaft zur Entfremdung gefördert zu haben. Ihr Anhänger bewundern ihre Bemühungen, durch die Präsentation von Randgruppen auf soziale Ungerechtigkeit hinzuweisen.

Annie Leibovitz
Annie Leibovitz, John and Yoko, New York, December 8, 1980 | Foto: Christie's
Annie Leibovitz, John and Yoko, New York, December 8, 1980 | Foto: Christie's

Die 1949 in Connecticut geborene Annie Leibovitz zählt zu den bekanntesten und erfolgreichsten Fotografen der heutigen Zeit. Ihre markanten und intimen Portraits von kulturellen Persönlichkeiten werden auf der ganzen Welt gefeiert, 1991 war Leibovitz die erste Künstlerin, der eine Einzelausstellung in der National Portrait Gallery in Washington gewidmet war.

1973 wurde Leibovitz Chef-Fotografin beim Rolling Stone Magazine, für das sie eine ihrer bekanntesten Aufnahmen machte: Der nackte John Lennon, der sich wie ein Embryo an seine Frau Yoko Ono klammert. Wenige Stunden nach der Aufnahme wurde John Lennon in New York erschossen.

Anna Mendieta
Ana Mendieta, Untitled (Facial Hair Transplants), 1972 | Foto: © The Estate of Ana Mendieta Collection, LLC Courtesy Gallery Lelong & Co
Ana Mendieta, Untitled (Facial Hair Transplants), 1972 | Foto: © The Estate of Ana Mendieta Collection, LLC Courtesy Gallery Lelong & Co

Die amerikanisch-kubanische Künstlerin und Fotografin Ana Mendieta wurde 1948 geboren und ist vor allem für ihre Fotografien bekannt, die sich über die Grenzen von Vergänglichkeit, Gewalt und Identität hinaus bewegen. Sie wurde in den 1970er Jahren für ihre Fotografien ausgezeichnet, die auf das Festhalten flüchtiger Momente, unterdrückerischer Strukturen und die Gewalt von Männern gegen Frauen abzielten.

1973 wurde Mendieta für ihren Kurzfilm Sweating Blood bekannt, in dem sie den bemerkenswerten Fall kommentierte, als eine Studentin ihrer eigenen Universität vergewaltigt und dann getötet worden war. Dieser Mord beeinflusste Mendieta persönlich und ihre Kunst für den Rest ihrer Karriere. Anna Mendieta starb 1985 bei dem Sturz aus einem Fenster ihrer New Yorker Wohnung. Ihr Mann, der Künstler Carl Andre, wurde beschuldigt, Mendieta gestoßen zu haben, wurde jedoch freigesprochen. Noch heute wird der Fall sowohl in der Justiz als auch in der Kunstwelt diskutiert.

Sandy Skoglund
Sandy Skoglund, Revenge of the Goldfish, 1980 | Foto: Phillips
Sandy Skoglund, Revenge of the Goldfish, 1980 | Foto: Phillips

Die Amerikanerin Sandy Skoglund lebt ihre künstlerische Ader in Fotografie und Installationen aus. Nicht selten kombiniert die beides miteinander. Am bekanntesten sind ihre sorgfältig durchdachten surrealen Aufnahmen in klaren Farben.

Sandy Skoglund war 1942 im Ostküstenbundesstaat Massachusetts zur Welt gekommen und studierte Bildende Kunst und Kunstgeschichte am dortigen Smith College. Anschließend ging sie nach New York, wo sie sich eine Karriere als Konzeptfotografin aufzubauen.

Cindy Sherman
Cindy Sherman, Untitled #96, 1981 | Foto: Christie's
Cindy Sherman, Untitled #96, 1981 | Foto: Christie's

Seit 40 Jahren untersucht die US-amerikanische Künstlerin und Fotografin Cindy Sherman mit ihren Arbeiten die Rolle der Frau in Kunst und Gesellschaft. Es entstanden Bilderserien, in denen sie ihr eigenes Modell war, darunter Untitled Film Stills und History Portraits / Old Masters.

Cindy Sherman ist ein guts Beispiel dafür, dass weibliche Kunst heute mehr Anerkennung findet. Als 2011 bei Christie's ihre Arbeit Untitled #96 versteigert wurde, lag der erzielte Preis dafür bei 3,89 Millionen USD, was einem neuen Rekord für eine Fotografie entsprach. 2014 brach sie diesen Rekord mit Untitled Film Still #2, das für 6,77 Millionen USD einen Käufer fand.

Entdecken Sie Fotografie bei Barnebys!