Die frühe Neuzeit war die Zeit der großen Entdeckungen. Die Welt wurde allmählich kleiner und die Ostindien-Kompanien brachten exotische Produkte und Einflüsse nach Europa.
Es mag dieser Sinn für Exotik gewesen sein, der einen Trend heraufbeschwor, der sich im frühen 18. Jahrhundert in einigen bezaubernden Raumdekorationen und weiteren Schöpfungen niederschlug: die Singerie, eine Bezeichnung, die sich von französischen Wort singe („Affe“) ableitet.

Ihren Ursprung hatte diese Art der Dekoration in der flämischen Malerei des späten 16. Jahrhunderts. Einige Maler begannen, sich über die Sitten und Marotten ihrer Mitmenschen lustig zu machen, indem sie sie auf der Leinwand durch Affen ersetzten, die Kleidung trugen und all die Dinge taten, die die Menschen damals taten. Diese Art der Darstellung sollte der Gesellschaft die eigene Unvollkommenheit vor Augen führen.
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Im frühen 18. Jahrhundert ging man noch einen Schritt weiter und holte die Affen von der Leinwand, um sie in anderen dekorativen Bereichen einzusetzen, wie etwa bei der Gestaltung ganzer Räume, in denen sie auf ironische Weise das ohnehin schon oftmals exotische Interieur mit den damals modischen Chinoiserien ergänzten.
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Zwei schöne Beispiele für ein Raumdekor im Stil einer Singerie befinden sich im Château de Chantilly nördlich von Paris, das den Fürsten von Condé, einem Nebenzweig der französischen Herrscherfamilie, als Wohnsitz diente. 1735 und 1737 erhielt der Tiermaler Christophe Huet (1700-1759) den Auftrag, jeweils einen Raum im Schloss in diesem Stil zu gestalten. Huet platzierte seine Affen, die u. a. als Soldaten und Seiltänzer agieren, in exotische Landschaften, eingerahmt von vergoldeten Rocaillen.

Auf der anderen Seite des Ärmelkanals ließ Charles Spencer, 3. Duke of Marlborough eine Zimmerdecke in seinem Pavillon auf der in der Themse gelegenen Monkey Island (interessanterweise leitet sich der Name der Insel nicht von monkey („Affe“), sondern von monk („Mönch“) ab) von Huets Kollegen Andien de Clermont um 1738 ebenfalls im ironischen Stil einer Singerie bemalen.
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Christophe Huets grandiose Raumgestaltung wurde auch über die Grenzen Frankreichs hinaus bekannt. Zeichnungen davon gelangten bis ins sächsische Meißen, wo seit 1710 die Porzellanproduktion florierte. Entsprechende Zeichnungen erreichten auch Johann Joachim Kaendler, der als Modellmeister in der Manufaktur arbeitete. Kaendler erkannte den aufklärerischen Geist in den lustigen, aber auch mahnenden Figuren und beschloss, etwas derartiges aus dem ihm anvertrauten Rohmaterial anzufertigen.
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Als er seine vielfigurige Affenkapelle schließlich vorstellte, wurde sie sofort sehr populär. Eine der ersten Kundinnen, die eine Affenkapelle erstand, war die damalige Mätresse des französischen Königs, Madame de Pompadour. Die skurrile Kapelle gehörte fortan zum festen Repertoire der Manufaktur und wird auch heute noch produziert.
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Affen werden bis heute in der Kunst gerne dafür eingesetzt, um sich über menschliches (Fehl-)Verhalten lustig zu machen, so etwa in Devolved Parliament, mit dem Banksy 2009 das britische Parlament aufs Korn nahm.




