Im April 2022 konnten wir von der erfolgreichen Versteigerung eines Konzertposters der Beatles bei Heritage Auctions berichten, das mit dem erzielten Preis in Höhe von 275.000 US-Dollar zum teuersten Objekt seiner Art in der Auktionsgeschichte wurde. Nur sieben Monate später wurde dieser Rekord bereits wieder übertroffen, als im selben Auktionshaus ein anderes Konzertposter für 447.000 US-Dollar versteigert wurde.
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Dabei handelte es sich um das sehr wahrscheinlich einzige erhalte Plakat für jenes Konzert, das am 3. Februar 1959 in Moorhead, Minnesota, im Zuge der Winter Dance Party-Tour stattfand, einer Konzertreihe mit mehreren Bands im Mittleren Westen der USA. Drei der Musiker, deren Porträts das Plakat zieren, sollten jedoch nie in Moorhead ankommen: „The Big Bopper“ J.P. Richardson, Ritchie Valens und Buddy Holly, die bei einem Flugzeugabsturz in der Nähe von Mason City, Iowa, ums Leben kamen – ein einschneidendes Unglück in der Musikgeschichte, das Don McLean später in seinem Lied American Pie als The Day the Music Died („Der Tag, an dem die Musik starb“) bezeichnete und das vor allem mit dem Tod von Buddy Holly in Verbindung gebracht wird, der mit seinem großen Talent gerade erst am Anfang einer verheißungsvollen Musikkarriere stand.

Buddy Holly wurde 1936 in eine musikalische Familie in Lubbock, Texas, hineingeboren. Er erlernte früh das Gitarrenspielen und schrieb bereits als Teenager erste Songs. Gemeinsam mit einem Freund trat er in der lokalen Musikszene in Erscheinung. Dadurch ergab es sich, dass das Duo 1955 als Vorgruppe bei einigen Konzerten des aufstrebenden Rock n Roll-Stars Elvis Presley spielen durfte, den Holly sehr bewunderte. Dennoch gingen die Freunde schließlich getrennte Wege und Holly erhielt Ende des Jahres alleine seinen ersten Plattenvertrag. Diesem ersten Kapitel seiner professionellen Musikerkarriere war kein Erfolg beschieden. Holly landete keinen Hit und war außerdem enttäuscht darüber, wie wenig Mitspracherecht ihm gewährt wurde.
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Nach einem Wechsel des Labels und der Gründung der Begleitband The Crickets, die sich aus Musikern aus Hollys Heimatstadt zusammensetzte, änderte sich das und im Sommer 1957 wurden die Lieder That’ll Be the Day und Peggy Sue erfolgreich veröffentlicht. Ein Auftritt in der Ed Sullivan Show besiegelte schließlich den Durchbruch. Weitere Hits (z.B. Oh, Boy!) folgten und im Frühjahr 1958 gingen Buddy Holly and The Crickets auf Tournee durch Australien und Großbritannien.

1958 war zudem das Jahr, in dem sich auch das Privatleben Buddy Hollys veränderte, als er sich Hals über Kopf in María Elena Santiago verliebte und ihr bereits bei ihrer ersten Verabredung einen Heiratsantrag machte. Sie sagte „Ja" und zwei Monate später, am 15. August, trat das Paar in Lubbock vor den Traualtar. Mit seinem Manager, mit dem es zu finanziellen Unstimmigkeiten gekommen war, und den Crickets ging er jedoch bald getrennte Wege.
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Das junge Ehepaar ließ sich im New Yorker Greenwich Village nieder, wo Holly als Musiker allein weitermachte und voller Tatendrang war. Er plante, Schauspielunterricht zu nehmen und schrieb Lieder wie Rave On, It Doesn’t Matter Anymore und Peggy Sue Got Married. Dadurch, dass sein ehemaliger Manager die Rechte an den alten Hits besaß, war Holly jedoch bald pleite und sah sich gezwungen, wieder auf Tour zu gehen. María erwartete zu diesem Zeitpunkt das erste gemeinsame Kind.
Die Winter Dance Party-Tour führte im Januar und Februar 1959 durch 24 Städte im Mittleren Westen, hauptsächlich in Illinois, Wisconsin, Minnesota und Iowa. Neben Buddy Holly und seiner neugegründeten Begleitband nahmen Ritchie Valens (La Bamba), „The Big Bopper“ J.P. Richardson (Chantilly Lace), Dion and the Belmonts sowie Frankie Sardo daran teil. Schnell stellte sich heraus, dass die Tournee sehr schlecht organisiert war: An jedem der 24 geplanten Konzertabende sollte es ein Konzert in einer anderen Stadt geben. Die lagen jedoch teilweise hunderte Meilen weit auseinander. Der Tourbus war kaum geheizt, sodass Buddy Hollys Schlagzeuger Carl Bunch sogar wegen Frostbeulen im Krankenhaus behandelt werden musste.
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Schließlich hatte Buddy Holly genug und charterte für sich und seine beiden verbliebenen Bandmitglieder Tommy Allsup und Waylon Jennings ein Kleinflugzeug, das sie nach dem Konzert am 2. Februar in Clear Lake, Iowa, ins rund 600 Kilometer entfernte Moorhead in Minnesota bringen sollte. Da J.P. Richardson sich mittlerweile eine starke Erkältung zugezogen hatte, überließ Jennings ihm seinen Platz. Ritchie Valens, der gerne einmal in einem solchen Flugzeug fliegen wollte, besiegte Allsup beim Münzwurf und war ebenfalls dabei.

Um 1 Uhr nachts hob das Flugzeug vom nahe Clear Lake gelegenen Mason City Municipal Airport ab. Der Flug endete nach nur fünf Minuten. Ein Fehler des Piloten führte zum Absturz, den keiner der vier Insassen überlebte. Buddy Holly war 22, J.P. Richardson 28 und Ritchie Valens erst 17 Jahre alt. Die Winter Dance Party wurde ohne sie fortgesetzt. María Elena Holly erfuhr durch die Medien vom Tod ihres Mannes und erlitt einen Schock, durch den sie das gemeinsame Kind verlor.
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Der frühe Tod Buddy Hollys entriss der Welt einen aufstrebenden Star, der jedoch bereits unauslöschliche Spuren in der Musikgeschichte hinterlassen hatte. Während Elvis Presley als Symbolfigur des Rock n Roll zur Legende wurde, war es Buddy Holly, der dieser Musik seinen Stempel aufdrückte und ihr Substanz verlieh. Buddy Holly war in jeder Hinsicht außergewöhnlich, ob mit seinem Look, der so gar nicht zu einem Rock n Roll-Star zu passen schien, oder mit seinem Talent als Songwriter, das er mit großer Experimentierfreude (z.B. bei Everyday) und Kenntnis im Umgang mit der Studiotechnik („Overdubbing“) zu kombinieren wusste.

Buddy Hollys Einfluss auf spätere Musikergenerationen war immens. Zu seinen Bewunderern gehörten auch die Beatles, die sich für ihren Bandnamen (beetle „Käfer“) von den Crickets („Grillen“) inspirieren ließen. Auch die Bandaufstellung mit Gitarre(n), Bass und Schlagzeug schauten sie sich bei Buddy Holly and The Crickets ab.
Und so scheint es nur natürlich, dass es ein Konzertposter zum Andenken an Buddy Holly war, das die Beatles von der Spitzenposition der teuersten Konzertposters der Auktionsgeschichte vertrieb. Paul und Ringo nehmen es ihrem großen Vorbild bestimmt nicht übel.




