Haben Sie jemals eine Berühmtheit so sehr verehrt, dass Sie bereit waren, deren getragene Hose oder den Fressnapf ihres Hundes zu kaufen? Viele Fans und Privatsammler drehen am Rad, wenn es um überteuerte VIP-Memorabilia geht und sind bereit, astronomisch hohe Summen dafür auszugeben.
Wie weit geht diese Bereitschaft?
2018 wurde ein von Scarlett Johansson benutztes Taschentuch auf eBay für über 5.000 US-Dollar verkauft. In einer Talkshow wusste Johansson zu berichten, dass ihre damalige Erkältung sogar noch viel „wertvoller“ gewesen sei, da sie sich die bei ihrem Kollegen Samuel L. Jackson eingefangen hatte.

2012 ließ Niall Horan, ehemaliges Mitglied der Band One Direction, ein mit Vegemite beschmiertes Toast zurück, nachdem er im australischen Frühstücksfernsehen aufgetreten war. Der halb aufgegessene Snack wechselte für unglaubliche 100.000 US-Dollar den Besitzer. Dagegen wirken die 20.500 US-Dollar, für die 2019 ein von Serena Williams nach einem Streit mit einem Schiedsrichter demolierter Wilson Blade-Tennisschläger verkauft wurde, schon beinahe bescheiden.
Diese Preise erscheinen so absurd hoch, dass man sich nur noch fragen kann: Warum sind VIP-Memorabilia eigentlich so begehrt?
Auf „Tuchfühlung“ mit den Stars
Die Preise, die Fans und Sammler bereitwillig zahlen, repräsentieren den Wert, der diesen Objekten beigemessen wird. Besonders hoch im Kurs stehen Dinge, die einmal in direktem physischen Kontakt mit einer Berühmtheit standen, egal, ob benutzt, getragen oder nur kurz berührt. Ihr Wert übersteigt den von weniger persönlichen Objekten um einiges.
So erzielte ein Paar Nike Air Jordan 1 im vergangenen Jahr bei Sotheby’s 560.000 US-Dollar und wurde damit zum bis dato teuersten Sportschuhpaar der Auktionsgeschichte. Warum? Weil Michael Jordan sie 1985 bei einem Spiel getragen hatte und anschließend signierte.
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Und wer könnte jemals Marilyn Monroes ikonisches „Happy Birthday, Mr. President“-Kleid vergessen? Die auf den Leib geschneiderte und mit Strasssteinen besetzte Abendrobe sorgte nicht nur bei dem legendären Auftritt für Schnappatmung, sondern auch 1999 bei Christie’s, als es für 1,26 Millionen US-Dollar versteigert wurde, und dann nochmal im Jahr 2016, als es bei einer erneuten Versteigerung durch Julien’s Auctions mit einem Hammerpreis von 4,8 Millionen US-Dollar zum teuersten Kleid der Auktionsgeschichte wurde.
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Klar scheint es nur logisch, dass Objekte preislich anhand der Dauer ihres Kontaktes mit der berühmten Person gemessen werden. Tatsächlich würden diese Sammler eine Gelegenheit lieber verstreichen lassen, als ein Stück VIP-Memorabilia zu erstehen, das vor dem Verkauf gereinigt wurde.
Der Duft des Erfolgs
Wenn es um den Wert eines Objektes geht, dass in direktem Kontakt mit einem VIP stand, kann auch gewisse Hoffnung damit einher gehen. Nämlich jene, dass diese Objekte die guten Eigenschaften des jeweiligen Stars nun in sich tragen. Anthropologen bezeichnen dieses Phänomen als das „Gesetz der magischen Übertragung“, also als den Glauben, dass die Essenz einer Person durch ein Objekt, das sie berührt hat, weitergegeben wird.
Auch wenn sich das in Ihren Ohren vielleicht vollkommen absurd anhört, ist dieses Phänomen weiter verbreitet, als man meint. So glauben manche, dass das Talent von Michael Jackson auf sie abfärben könnte, wenn sie eine Jacke besitzen, die der „King of Pop“ einst getragen hat, oder, dass sie genauso anziehend wie Elvis Presley wirken, sobald sich eine Locke seines Haares in ihrem Besitz befindet.
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Ein gutes Beispiel ist auch die Versteigerung von Audrey Hepburns persönlicher Sammlung. 2017 ließ die Familie zum ersten Mal Objekte aus dem Besitz der beliebten Schauspielerin und Modeikone bei Christie's in London versteigern. Die Auktion umfasste unter anderem Hepburns Arbeitsdrehbuch zum Film Frühstück bei Tiffany, das für rund 632.750 GBP den Besitzer wechselte. Auch auf ihre teure Garderobe durfte mitgeboten werden, die natürlich auch mehrere Paar lederne Ballerina-Schuhe umfasste. Die flachen Schuhe waren quasi das Key-Piece von Hepburns Stil gewesen. Die hohen Schätzpreise von bis zu 6.000-9.000 GBP pro Paar beruhten auf der Tatsache, dass Hepburn sie getragen hatte, als sie sich auf dem Höhepunkt ihrer Karriere befand.
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Im Gegenzug ist bei Objekten, deren einstigen Besitzern ein eher negatives Image anhaftet, ein nur kurzer Kontakt wünschenswert, da man sich sonst die negative Aura ins Haus holt.
Seltene Sammlerstücke
Natürlich basiert der Wert dieser Memorabilia auch ganz einfach auf der Tatsache, dass sie selten sind. Oft handelt es sich dabei um Filmrequisiten oder maßgeschneiderte Dinge.
Bestes Beispiel: Das weiße Kleid, das Marilyn Monroe in Das verflixte 7. Jahr in der berühmten U-Bahn-Szene trug. Entworfen von Kostümdesigner William Travilla und geschneidert aus elfenbeinfarbener Acetatseide, ist das Kleid eines der berühmtesten der Filmgeschichte und Teil der Popkultur, dem unzählige Referenzen folgten. Wer eine solche Ikone besitzen möchte, muss dafür tief in die Tasche greifen. Im Fall dieses Kleides lautete die Summe bei der Versteigerung im Jahr 2011 4,6 Millionen US-Dollar (5,52 Millionen US-Dollar inkl. Aufgeld).
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So richtig ab geht die Post, wenn ein Kultobjekt wie Indiana Jones’ Hut die Auktionsbühne betritt. 45 Exemplare existieren davon (abgesehen von dem Original, das für Harrison Ford angefertigt wurde). Bei dieser Seltenheit und dem Kultstatus, den die Indiana Jones-Filmreihe genießt, ist es kein Wunder, wenn einer dieser Hüte mindestens 50.000 US-Dollar erzielt.
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Klar erscheint die Welt der Stars interessant und aufregend, doch am Ende des Tages sind auch die VIPs normale Menschen, die normale Dinge tun und die gleichen Dinge wie wir verwenden. Nur für ergebene Fans und engagierte Sammler bedeuten diese Objekte so viel mehr.
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Ob nun die „magische Verbindung“, die Seltenheit oder die Hingabe die wichtigste Rolle auf diesem Gebiet spielen, bleibt dahingestellt. Vom Auktionsmarkt werden VIP-Memorabilia jedenfalls nicht so schnell verschwinden.



