Gefühlvolle fancy pictures: Der Maler Thomas Gainsborough

Thomas Gainsborough war einer der gefragtesten Portraitmaler der englischen Oberschicht im 18. Jahrhundert. Seine Leidenschaft war jedoch die Landschaftsmalerei, die er auch in seinen späten "fancy pictures" einsetzte.

Gefühlvolle fancy pictures: Der Maler Thomas Gainsborough

Thomas Gainsborough kam 1727 in Sudbury in der südostenglischen Grafschaft Suffolk zur Welt. Durch das Glück, einen wohlhabenden Tuchhändler zum Vater zu haben, war es ihm im Alter von 13 Jahren möglich, nach London zu gehen und sein großes künstlerisches Talent formen zu lassen.

Thomas Gainsborough, Selbstportrait, 1759 | Foto via Wikipedia
Thomas Gainsborough, Selbstportrait, 1759 | Foto via Wikipedia

In London erhielt er Unterricht beim französischen Kupferstecher Hubert-François Gravelot sowie beim Maler Francis Hayman an der St. Martin's Academy. Den größten Einfluss auf den jungen Künstler und sein Werk hatte das französische Rokoko und die niederländische Landschaftsmalerei. Bei letztem vor allem durch die Werke Jacob van Ruisdaels.

Thomas Gainsborough, Die Tränke, 1777 | Foto via Wikipedia
Thomas Gainsborough, Die Tränke, 1777 | Foto via Wikipedia

Im Alter von nur 19 Jahren ging Thomas Gainsborough heimlich die Ehe mit der um drei Jahre jüngeren Margaret Burr ein, einer unehelichen Tochter des Duke of Beaufort. Dies verhalf ihm zu einer finanziellen Unabhängigkeit, die ihm seine Malerei bisher nicht hatte einbringen können, da er sich noch immer hauptsächlich mit Landschaften beschäftigte, die beim englischen Publikum jedoch kaum beliebt waren.

Thomas Gainsboroughs Plauderei im Park von 1746/47 zeigt vermutlich den Künstler selbst mit seiner frisch angetrauten Ehefrau Margaret | Foto via Wikipedia
Thomas Gainsboroughs Plauderei im Park von 1746/47 zeigt vermutlich den Künstler selbst mit seiner frisch angetrauten Ehefrau Margaret | Foto via Wikipedia

Das junge Ehepaar zog von London nach Ipswich, einem ebenfalls in Suffolk gelegenen Städtchen, und Thomas Gainsborough begann, den dortigen Landadel in einer Weise zu portraitieren, die er sich von seinem Lehrer Hayman, der lange als Bühnenmaler gearbeitet hatte, abgeschaut hatte: Er malte ganzfigurige Portraits seiner Auftraggeber, die er vor dem Hintergrund ihrer jeweiligen Besitzungen platzierte.

Thomas Gainsborough, Robert Andrews und seine Frau Frances, 1749/50 | Foto via Wikipedia
Thomas Gainsborough, Robert Andrews und seine Frau Frances, 1749/50 | Foto via Wikipedia

1759 zog die Familie Gainsborough, der mittlerweile zwei Töchter angehörten, in den mondänen Badeort Bath, wo sie am eleganten Circus residierte. Durch den als Exzentriker verschrienen Offizier und Schriftsteller Philip Thicknesse wurde er in die gehobene Gesellschaft eingeführt und schon bald zu deren bevorzugtem Portraitisten.

Thomas Gainsborough, Ann Ford (Mrs. Philip Thicknesse), 1760 | Foto via Wikipedia
Thomas Gainsborough, Ann Ford (Mrs. Philip Thicknesse), 1760 | Foto via Wikipedia

1768 zählte Thomas Gainsborough zu den Gründungsmitgliedern der Royal Academy of Arts. Dies war der Beginn der Konkurrenz zu dem etablierten Londoner Portraitmaler Joshua Reynolds, die sich noch verstärkte, als Gainsborough sechs Jahre später ganz nach London zog.

Thomas Gainsborough, The Blue Boy, 1769/70 | Foto via Wikipedia
Thomas Gainsborough, The Blue Boy, 1769/70 | Foto via Wikipedia

Ein Streitthema war beispielsweise die Frage, ob man die Farbe Blau großflächig im Zentrum eines Gemäldes verwenden könne. Reynolds war ganz klar dagegen. Gainsborough war anderer Auffassung und schuf The Blue Boy - ein Portrait des jungen Jonathan Buttall, Sohn eines Eisenwarenhändlers - als Gegenbeweis. The Blue Boy ist heute eines der bekanntesten Werke Gainsboroughs und wird immer wieder in Literatur und Film zitiert.

Thomas Gainsborough, Dame in Blau, um 1780 | Foto via Wikipedia
Thomas Gainsborough, Dame in Blau, um 1780 | Foto via Wikipedia

In den folgenden Londoner Jahren wurde Gainsborough zum bevorzugten Maler der königlichen Familie. 1782 schuf er - vermutlich im Auftrag von Königin Charlotte - eine Serie von fünfzehn ovalen Portraits des Königspaares und seiner dreizehn Kinder.

Thomas Gainsborough, 15 Portraits der königlichen Familie, 1782 | Foto: Royal Collection Trust
Thomas Gainsborough, 15 Portraits der königlichen Familie, 1782 | Foto: Royal Collection Trust

Nach Streitigkeiten mit der Royal Academy im Allgemeinen und mit Joshua Reynolds im Besonderen, wandte sich Gainsborough von den Ausstellungen der Institution ab und veranstaltete eigene in seinem Londoner Privathaus.

Thomas Gainsborough, Mädchen mit Hund und Krug, 1785 | Foto via Pinterest
Thomas Gainsborough, Mädchen mit Hund und Krug, 1785 | Foto via Pinterest

Es folgte die kurze, gereifte Phase im Schaffen des Malers, in der dieser, dem Geschmack der Zeit nachkommend, mit seinen fancy pictures auf gefühlvolle Weise ländliche Motive umsetzte - was auch in den Portraits dieser Reifen Phase des Malers zum Ausdruck kam. Auffallend ist hierbei die Rückbesinnung zur altmeisterlichen Manier, für die sich Gainsborough bereits in jungen Jahren begeistert hatte.

Thomas Gainsborough, Der Morgenspaziergang, (Portrait von Mr. and Mrs. William Hallett), 1785 | Foto via Wikipedia
Thomas Gainsborough, Der Morgenspaziergang, (Portrait von Mr. and Mrs. William Hallett), 1785 | Foto via Wikipedia

Thomas Gainsborough starb am 2. August 1788 in London. Die Landschaftsbilder, mit denen er zu Lebzeiten nur wenig Erfolg hatte, sollten jedoch, was die genaue Beobachtung und Umsetzung der Lichtverhältnisse betrifft, großen Einfluss auf dieses Genre im 19. Jahrhundert haben.

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