1636 befand sich die Republik der Sieben Vereinigten Provinzen seit beinahe 70 Jahren im Krieg mit den spanischen Habsburgern, von denen sie nichts weiter, als ihre Unabhängigkeit verlangten. Mit Patriotismus im Herzen hüllte sich Rembrandt Harmenszoon van Rijn in eine glamouröse Uniform und porträtierte sich selbst als Fahnenträger der republikanischen Armee.
Rembrandt war damals 30 Jahre alt, hatte zwei Jahre zuvor die Patriziertochter Saskia van Uylenburgh geheiratet und als unabhängiger Meister der Lukasgilde eine eigene Werkstatt in Amsterdam gegründet. Der Krieg mit den Spaniern sollte noch bis 1648 andauern, letztendlich aber zu der ersehnten Unabhängigkeit und dem Staat führen, der heute als die Niederlande bekannt ist.
Lesen Sie auch: Rembrandt: Der Meister mit Kraft und Seele
Von den rund 340 Gemälden, die Rembrandt im Laufe seiner Karriere malte, befinden sich nur 44 in niederländischen Museen. Der Fahnenträger könnte demnächst als bedeutende Ergänzung dazu stoßen, sollte es dem niederländischen Staat gelingen, das Gemälde für die Sammlung des Rijksmuseums zu erwerben.

Seit Jahrhunderten befindet sich Der Fahnenträger in wechselndem Privatbesitz, zuletzt in der Sammlung eines französischen Zweigs der Familie Rothschild. Diese wollte das Werk 2019 verkaufen, stieß jedoch auf Widerstand seitens der französischen Regierung, die das Gemälde als nationalen Kulturschatz einstufte und eine 30-monatige Exportsperre verhängte.
Lesen Sie auch: Rembrandts "Nachtwache" in höchstem Maße aufgelöst
Diese Sperre ist nun abgelaufen, allerdings mit der Auflage, dass das Gemälde zukünftig öffentlich ausgestellt wird. Und nun kommen die Niederlande ins Spiel, nachdem kein französisches Museum die Mittel für den Kauf aufbringen konnte. Ein Schnäppchen ist Der Fahnenträger aber auch wirklich nicht. 150 Millionen Euro stellt das niederländische Kulturministerium bereit, 15 Millionen Euro kommen von der privaten Rembrandt-Vereinigung und 10 Millionen Euro vom Rijksmuseum, was die beeindruckende Summe von 175 Millionen Euro ergibt. Damit würde sich Rembrandts patriotisches Selbstporträt ziemlich weit oben auf der Liste der teuersten Gemälde einreihen.
Lesen Sie auch: 6 Ikonen der niederländischen Malerei
Welche Bedeutung der Erwerb des Rembrandt-Gemäldes für die Niederlande hat, machen die Worte des Generaldirektors des Rijksmuseums, Taco Dibbits, deutlich: „Dass Der Fahnenträger in unser Land zurückkehrt, war für viele Generationen ein Traum. Jetzt, wo diese Gelegenheit gekommen ist, vereinen wir unsere Kräfte, um diesen Rembrandt für immer für die Niederlande zu erwerben. Die Qualität des Gemäldes und die Tatsache, dass es Rembrandts künstlerischen Durchbruch markiert, macht es zu einem unvergleichlichen Werk des Meisters: Damals wurde Rembrandt zu Rembrandt! Wir sind dem niederländischen Staat, der Rembrandt-Vereinigung, der Vriendenloterij und den vielen privaten Spendern dankbar, dass sie dies alles möglich machen.“








