Nachdem es in den letzten 100 Jahren weder ausgestellt wurde noch anderweitig in Erscheinung trat, ist kürzlich ein bis dato nur von Schwarzweißfotos bekanntes Gemälde von Franz von Stuck in einem Anwesen in Kansas City, Missouri, wieder aufgetaucht.
Das frühe Meisterwerk des Gründungsmitglieds der Münchener Secession und bedeutenden Vertreters des Symbolismus wird vom Art Loss Register unter dem Titel Lauschende Faune geführt, während die deutsche Zeitschrift Die Kunst es in einer Ausgabe von 1904 mit Belauscht betitelt. Beides ist zutreffend, zeigt das in Öl auf Holz ausgeführte Gemälde doch eine junge Frau in antikem Gewand, die eine Kithara spielt und dabei von zwei Faunen am oberen Bildrand belauscht wird.

Die Szene wirkt unheimlicher, als Franz von Stuck sie ursprünglich vermutlich auf die Tafel gemalt hatte, da der Überlack mit der Zeit nachgedunkelt ist. Ansonsten befindet sich das Werk in sehr gutem Zustand und verfügt zudem über seinen Originalrahmen, der nach einem Entwurf des Künstler vom Münchener Bildhauers und Vergolders Hans Irlbacher ausgeführt wurde, wie ein entsprechendes Etikett auf der Rückseite belegt.
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Dort befindet sich auch ein Ausstellungsetikett des New Yorker Metropolitan Museum of Art, wo Lauschende Faune 1909 ausgestellt worden war. Und zwar als Eigentum des deutsch-amerikanischen Kaufmanns und Kunstsammlers Hugo Reisinger (1856-1914), der es im August 1899 bei Franz von Stucks Haupthändler, Galerie Heinemann, erworben hatte. Weitere Ausstellungen folgten 1909 in Chicago und Boston sowie 1919 in Dallas. Bei dieser Ausstellung wurde bereits der Gastronom Edward A. Faust aus St. Louis, Missouri, als Eigentümer aufgeführt.
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In dessen Besitz war es vermutlich über Adolphus Busch, Mitbegründer der Anheuser-Busch-Brauerei in St. Louis gelang, dessen Tochter Reisinger 1890 geheiratet hatte. Nach der Ausstellung von 1919 verlor sich die Spur des Gemäldes für die nächsten 100 Jahre.
Wie Lauschende Faune in den Privathaushalt in Kansas City gelangte, wo es 2021 wiederentdeckt wurde, ist nicht bekannt. Es soll sich dort jedoch bereits in den 1960er Jahren befunden haben. Kommenden Freitag kommt es nun bei Soülis Auctions in der Nähe von Kansas City unter den Hammer. Der Schätzpreis beträgt 75.000-125.000 USD.
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