Vor über dreißig Jahren kaufte die in Rom lebende Kunsthistorikerin Flora Steel auf einem Antiquitätenmarkt in den englischen Midlands für 20 GBP eine silberne Brosche mit Korallen-, Lapislazuli- und Malachitbesatz. "Mit ihrem charakteristischem Design, der seltsamen Signatur und den ungewöhnlichen Steinen fiel mir die Brosche sofort auf", sagte Steel. Nachdem sie sie fünf Jahre am grünen Samtrevers ihres Lieblingsmantels getragen hatte, verstaute Steel die Brosche in einem Schrank, wo sie die nächsten Jahrzehnte verblieb.
Lesen Sie auch: Vorsicht, ansteckend!
Im vergangenen Jahr stieß Flora Steel auf YouTube auf einen BBC-Beitrag aus dem Jahr 2011, in dem um eine Brosche ging, die in der beliebten Antiquitätensendung Antiques Roadshow vorgestellt wurde. In dem Video präsentierte Schmuckexperte Geoffrey Munn drei Blätter mit Skizzen aus den Archiven des Victoria & Albert Museum, die drei Entwürfe für Broschen des bedeutenden viktorianischen Architekten William Burges zeigten. Burges war vor allem durch seine Bauten in Wales bekannt geworden, darunter Cardiff Castle und Castle Coch. Munn erklärte in der Sendung, dass er es sich zur Aufgabe gemacht habe, die drei Broschen aufzuspüren, die er als bedeutende Beispiele für das viktorianische Design des 19. Jahrhunderts betrachtete.
Lesen Sie auch: Arts-and-Crafts-Schmuck: Eine reine Form der Kunst

Während sie sich das YouTube-Video ansah, wurde Steel klar, dass es sich bei der Brosche, die sie 30 Jahre zuvor erworben hatte, um eine der drei Broschen aus den Skizzen handelte. Steel kontaktierte Gildings Auctioneers, wo man bestätigte, dass es sich bei ihrer Brosche, die keltische Einflüsse mit Burges' Gothic-Revival-Ästhetik kombinierte, tatsächlich um einen Entwurf des viktorianischen Architekten handelte und als Brautjungferngeschenk für die Hochzeit einer Großnichte von Lord Nelson gedacht gewesen war.
Lesen Sie auch: Von Neogotik und Ritterromantik: Mittelalterrevival im 19. Jahrhundert
Ende März 2024 wurde die sogenannte "Gibson Bridesmaid Brooch" bei Gildings versteigert. Die Gebotsabgabe startete bei 6.000 GBP. Der Hammer fiel schließlich bei 9.500 GBP (11.500 GBP inkl. Aufgeld) und die Brosche wechselte in den Besitz eines englischen Privatsammlers und Bewunderers der Arbeiten William Burges'.
Möchten Sie Artikel wie diesen direkt in Ihrem Posteingang entdecken? Dann melden Sie sich noch heute für unseren kostenlosen Newsletter an!
Es war nicht das erste Mal, das bei Gildings Auctioneers eine Burges-Brosche versteigert wurden. Tatsächlich kamen dort auch die beiden anderen Broschen von den Victoria & Albert-Skizzen zum Aufruf, nachdem deren Besitzer beim Anschauen von Antiques Roadshow bemerkt hatten, welch wertvolle Schätze sie besaßen. Eine der Broschen, genannt "Seddon Bridesmaid Brooch" erzielte bei Gildings 2011 31.000 GBP.

Geschichten wie diese sind gar nicht so selten in der Auktionswelt. Erst im vergangenen Jahr konnten wir ihnen von einer für nur 19 GBP erworbenen Dose der Ming-Dynastie berichten, die für 288.000 GBP versteigert wurde. Die vielen Beispiele seltener Objekte, die auf (Floh-)Märkten zu Schnäppchenpreisen gekauft werden, erinnern daran, dass selbst die unauffälligsten Funde ein Vermögen wert sein können.
Entdecken Sie weitere spannende Geschichten im Barnebys Magazin!

