Der Arts-and-Crafts-Schmuck war eine Verkörperung der Romantik der Bewegung und übernahm deren Traditionen bezüglich der Liebe zum Detail, der Handwerkskunst und der Bedeutung, die gleichermaßen auf das Design und den Gebrauch gelegt wurde. Der britische Designer und Architekt Charles Robert Ashbee (1863-1942), ein Wegbegleiter von John Ruskin und William Morris, den beiden Gründern des Arts and Crafts Movements, war eine zentrale Figur dieser neuen Art von Schmuck, der eine ganze Generation beeinflusste und die Prinzipien festlegte, die weit über sein Leben hinaus Bestand haben sollten.
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Ashbee rebellierte gegen das, was er als „vulgären und kitschigen, auffälligen oder ordinären“ Schmuck bezeichnete, der von seinen Zeitgenossen getragen wurde. Er versuchte, Stücke zu entwerfen, die über den kommerziellen Aspekt hinausgingen und eigenständige Kunstwerke waren. Über die Methoden des späten 19. Jahrhunderts schrieb er: „Wir haben heute jegliches Verständnis für die Farbe von Schmuck verloren. Wir verwenden bestimmte konventionelle Steine, Diamanten, Rubine, Saphire, weiße Perlen, jene Steine, die auf dem Markt sind, und fassen sie einheitlich in Gold, das teuerste unter den Materialien; der Rest sind „ausgefallene Steine“, die uns nicht interessieren. Beim Schmuck des Cinquecento war kein Stein ein ausgefallener Stein…“

Um 1900 hatte Ashbee eine neue Form eines frischen und informellen Schmucks geschaffen, der in Magazinen wie The Studio, Art Journal und Dekorative Kunst abgebildet wurde. Die Gestaltung war einfach und natürlich, anpassungsfähig und relativ günstig im Vergleich zu früher und Ashbee liebte es, bunte Steine in allen möglichen Formen zu verwenden. Die Prinzipien und der Geschmack, den er etablierte, wurde zu einem wichtigen Maßstab für alle anderen Arts-and-Crafts-Juweliere, die seine Werte übernahmen, um eine ganze Reihe von Arts-and-Crafts-Stilen zu kreieren. Ashbees Entwürfe beruhten auf fünf Hauptprinzipien:
1. Die Bedeutung der Metallbearbeitung

Silber wurde zum Metall der Wahl für die meisten Arts-and-Crafts-Schmuckstücke, da es bei weitem nicht so teuer war wie Gold, das eher bei der Verzierung zum Einsatz kam. Silber war zudem weicher, genauso wie andere Metalle wie Kupfer, Messing und Aluminium, die ebenfalls von den Designern der Bewegung bevorzugt wurden. Sie waren einfacher zu verarbeiten und in komplexe Formen zu bringen. Außerdem war es auch nicht so teuer, wenn mal etwas schief ging!
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2. Die Wahl der Steine

Edelsteine wurden eher nach ihrer Ästhetik als nach ihrem Geldwert ausgewählt, ihre Farbe spielte die entscheidende Rolle. Allgemein wurden die Steine en cabochon (also unfacettiert) mit einfachen Fassungen belassen. Auf ähnliche Weise wurden Perlen ausgewählt, die nicht rund geformt und von der üblichen Farbe waren. Dies ermöglichte es, den Schmuck erschwinglicher zu machen und den Handwerkern mehr Freiheit zu lassen, Vordach es möglich wurde, dem Design eine höhere Bedeutung zuzumessen, anstatt den Edelsteinen den Platz im Rampenlicht zu überlassen.
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3. Die Kunst des Emaillierens

Das Emaillieren stand in der Epoche der Renaissance hoch im Kurs und kam im Arts and Crafts Movement wieder in Mode. Tatsächlich wurde diese Technik eines der zentralen und wichtigsten Merkmale des Schmucks dieser Zeit. Es gab unterschiedliche Varianten: Champlevé, Cloisonné, Limoges und etwas seltener Plique à Jour, mit denen lebendige Farben erzeugt werden konnten, die die Schöpfer kombinierten.
4. Die Betrachtung der Kosten

Anstatt nur die Oberen Zehntausend der Gesellschaft anzusprechen, ermöglichte der Arts-and-Crafts-Schmuck auch Leuten mit bescheideneren Mitteln, Stücke zu kaufen. Der Schmuck war eng mit der Frauenwahlrechtsbewegung verbunden und es war bekannt, dass Emmeline Pankhurst, die Anführerin der Suffragetten, Arts-and-Crafts-Schmuck unterstützte.
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5. Der Schmuck als Kunst

Charles Robert Ashbee schätzte das reine Designelement jedes Stücks – die Kunst war von großer Bedeutung und die Sichtbarkeit der Hand des Handwerkers entscheidend. Der Pfau und die Galeone gehörten zu den Lieblingsmotiven Ashbees, die auf das Mittelalter und die Renaissance zurückgingen. Sie gehörten zu den Themen, die wiederholt in den Metallarbeiten und Schmuckstücken von Arts and Crafts auftauchten und die Wiederbelebung einer reinen Kunstform verkörperten.
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Nicht zuletzt war der Schmuck des Arts and Crafts Movements ein Schmuck, der zu einem neuen, fließenden Kleidungsstil getragen werden sollte: Broschen, Anhänger, Schließen, Armbänder und Schnallen, die voller (romantischer) Symbolik waren. Ashbees Prinzipien warn sowohl auf nationaler wie auch internationaler Ebene einflussreich: das amerikanische Arts and Crafts Movement, das skandinavische Design und auch die Wiener Secession und die Wiener Werkstätte ließen sich davon inspirieren. Es war die Grundsteinlegung für die moderne Handwerkskunst.

Heute werden die Entwürfe von Ashbee und seinen Kollegen zu nicht ganz so bescheidenen Preisen gehandelt. So wurde eine bedeutende Vogelbrosche Ashbees mit Plique-à-Jour-Emaille und Edelsteinen 2007 für 121.146 Euro versteigert. Die meisten Arts-and-Crafts-Schmuckstücke sind dank der Verwendung von weniger wertvollen Steinen und Materialen, trotz des für das bei ihrer Herstellung zum Einsatz gekommene Höchstmaß an Handwerkskunst und Kreativität, jedoch relativ erschwinglich.
