Hört man das Wort "Cocktail", denkt man automatisch an ein mitunter buntes Getränk, das für Geselligkeit und Eleganz steht. Der Definition nach handelt es sich bei einem Cocktail um ein Getränk, für das eine oder mehrere Spirituosen mit Zutaten wie Zucker, Wasser, Saft, Bitternoten, Likören und Limonade in variierenden Mengen zusammengemixt werden. Woher das Wort "Cocktail" genau stammt, ist nicht genau bekannt, sodass sich viele Hypothesen und Mythen darum ranken.

Einige glauben, dass es sich um eine Verzerrung des lateinischen Begriffs (aqua) decota, destilliertes Wasser, handelt. Andere meinen, es leite sich vom französischen Wort coquetier ab, also von Eierbechern, in denen man im 19. Jahrhundert Likör servierte. Dann gibt es noch die Theorie, dass es sich einfach um eine Zusammensetzung der englischen Wörter cock und tail handelt, was auf einen um 1400 in England beliebten bunten Drink zurückgeht, der von den farbenfrohen Schwanzfedern von Kampfhähnen inspiriert gewesen war. Hahnenkämpfe stehen auch im Mittelpunkt einer weiteren Theorie, die in die Zeit um 1600 zurückreicht: Der Besitzer des siegreichen Hahns erhielt neben Essen und Trinken auch eine Schwanzfeder des unterlegenen Hahns. Und dann gibt es noch die Legende um die Mexikanerin Xock, die amerikanischen Offizieren einen beinahe magischen Drink servierte, der Ambrosia und andere geheimnisvolle Zutaten enthielt.
Cocktails an sich sind schon viel älter, als man bisweilen annimmt. Bereits die Griechen und Römer genossen Drinks aus Wein gemischt mit Rosinen, Honig und diversen Gewürzen und kreierten damit sozusagen den Cocktail ante litteram.

Hinter jedem Cocktail steckt eine gehörige Portion Kreativität, gemischt mit dem richtigen Gefühl für die Balance der einzelnen Zutaten. Jeder Barkeeper muss sich streng an die Zubereitungsvorgaben halten, wofür ihm spezielle Hilfsmittel wie Shaker, Mixer, Rührer und Löffel sämtlicher Größen zur Verfügung stehen.
Doch auch das Glas ist von enormer Bedeutung, da jeder Cocktail einer bestimmten Form oder Größe bedarf: Vom Becher zum Martini-Glas, vom Reagenzglas zum Highball. Ist der Drink vorschriftsmäßig im Glas, kann der Barkeeper endlich kreativ werden und den Dank mit Orangen- oder Zitronenschale, Kirschen, Minzblättern oder Oliven verzieren. auf diese Weise wird ein Getränk zu einem kleinen "flüssigen Kunstwerk" für das der Barkeeper seine Kreativität in den Dienst von Farbe und Geschmack, Harmonie der Aromen und Fantasie stellt.

Es bedarf also einer gewissen Kreativität um Cocktails zu kreieren. Kein Wunder, dass sich die Welt der Kreativen so sehr von ihnen angezogen fühlt. Der französische Künstler Henri de Toulouse-Lautrec schuf sogar selbst den Cocktail Tremblement de Terre ("Erdbeben"), ein Mix aus Cognac und Absinth. Der Maler hatte eine große Leidenschaft für kulinarische Experimente – und für den Alkohol.
Doch war Henri de Toulouse-Lautrec bei weitem nicht der einzige Künstler, der einem guten Cocktail nicht abgeneigt war. Durch einige bekannte Literaten wurden die von ihnen bevorzugten Drinks gleichermaßen berühmt. Truman Capote liebte "my orange drink", wie er ihn liebevoll nannte, und meinte damit den Screwdriver, den Klassiker aus Wodka und Orangensaft. Charles Bukowski ließ alles für einen Boilermaker, Bier mit einem Schuss Whiskey, stehen und Tennessee Williams machte es sich gern mit einem Gin Fizz bequem. Der Autor von Der große Gatsby, F. Scott Fitzgerald, bevorzugte Drinks auf Gin-Basis, vor allem den Gin Rickey, da er meinte, diese würden sich weniger im Atem bemerkbar machen. Ein Mann wie Ernest Hemingway hatte natürlich mehr als nur einen Lieblingscocktail. Der Mojito und der Daiquiri gehörten dazu, genauso wie der Martini, den er stets "very dry" genoss. Seine Romanfigur Colonel Cantwell aus Über den Fluss und in die Wälder ließ er diesen Drink genauso trinken.
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Auch Hemingways Zeitgenosse Ian Fleming verknüpfte eine seiner Romanfiguren mit einem Cocktail: Den Vesper, ein ein Wodka Martini, trinkt James Bond stets "geschüttelt, nicht gerührt" – ein Ausdruck, der mittlerweile nicht nur Kult geworden ist, sondern auch die Theatralik und den Charme des Geheimagenten hervorhebt.
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Dei Beziehung zwischen Cocktails und Inspiration ist sehr eng. Tatsächlich haben vor allem das Schreiben und die Herstellung eines Cocktails so manches gemeinsam: Wie der Autor gewisse grammatikalische Regeln einhalten muss, muss der Barkeeper dem Rezept für die perfekte Dosierung der einzelnen Zutaten genau folgen. Doch das alles wäre nichts, wenn nicht noch die persönliche Note mit einfließen würde.

In der Geschichte des Cocktails darf eine Epoche nicht unerwähnt bleiben, die für die Entwicklung der bunten Drinks sehr bedeutsam war: Die Zeit der Prohibition in den Vereinigten Staaten, als das Trinken von Alkohol per Gesetz verboten wurde. Die Verbote führten zu Alkoholschmuggel und Schwarzbrennereien und zu den berühmten Flüsterkneipen, in denen es sich nach wie vor gut feiern ließ. Um dem daraus resultierenden Qualitätsverlust der Spirituosen entgegenzuwirken, entwickelte man Aromen und Methoden, um deren weniger guten Geschmack zu übertünchen.
Viele der heute noch bekannten Cocktails stammen aus jene Epoche. Von Amerika aus verbreiteten sie sich durch die Barkeeper, die in ihrer Heimat keine Arbeit mehr hatten und daher auswanderten(!), in alle Welt. Dadurch, dass nicht überall die gleichen Zutaten zur Verfügung standen und die Geschmäcker verschieden waren, entwickelte sich die Cocktail-Palette zu der breiten Auswahl, die uns heute zur Verfügung steht.




