Im Frühjahr war im Château de Valençay, gelegen im französischen Departement Indre, das Portrait eines schwarz gekleideten Herren entdeckt und keinem Geringeren als Leonardo da Vinci zugeschrieben worden. Dies Zuschreibung bedarf jedoch noch einigen Überprüfungen.
Das Gemälde wird in den Archiven des Château de Valençay, das sich einst im Besitz des berühmten Fürsten de Talleyrand befand, mehrfach erwähnt. Besonders hervorzuheben ist dabei die Notiz des Verwalters aus dem Jahr 1874: "Ich lasse es vom Concierge einpacken und in einer Schachtel zur Eisenbahn bringen (Machiavelli von Leonardo da Vinci)". Bei dem erwähnten Gemälde, das vor einigen Monaten anhand einer Beschreibung in der Sammlung des Schlosses identifiziert werden konnte, handelt es sich um ein unsigniertes Tafelgemälde von 55 x 42 cm, das einen bärtigen, kahlen Mann, dessen Alter und Identität unbekannt sind, in schwarzer Kleidung darstellt.

Bezüglich der Zuschreibung zum Œuvre des Renaissancemeisters bemerkte Anne Gérardot, Direktorin der Archive des Departement Indre, zögerlich, dass es nicht wahr sein müsse, nur weil es in den Archiven stünde.
Für die Direktorin des Schlosses, Sylvie Giroux, ist die Zuordnung des Werkes an Da Vinci "nicht unmöglich". Sie fügt hinzu: "Wir sind im Hause Talleyrands, der ein sehr wohlhabender Kunstsammler war und eine wundervolle Sammlung besaß." Das Gemälde wurde bereits restauriert und soll bald eingehender begutachtet werden.

Wie Anne Gérardot in einem im Mai im Cahiers de Valençay veröffentlichten Artikel betonte, würde das Portrait belegen, dass es eine physische Begegnung zwischen Da Vinci und Machiavelli gegeben haben müsse. Der Archivarin zufolge sind die Merkmale des hier abgebildeten Mannes jedoch denen des französischen Philosophen Michel de Montaigne viel ähnlicher als denen Machiavellis. Darüber hinaus scheint "die Holztafel, auf der das Werk abgebildet ist, zu gleichmäßig zu sein, um auf das 15. oder frühe 16. Jahrhundert datiert werden zu können."
Gerardot gibt dennoch zu bedenken, dass die in den 1890er Jahren in Berlin durchgeführte Restaurierung durchaus zu einer verfälschten Wahrnehmung geführt und den ursprünglichen Aspekt der Tafel verändert haben könnte. Die Zuschreibung an den Meister der Renaissance könnte leicht "das Ergebnis der allmählichen Umwandlung einer Annahme in eine Bestätigung sein", fügt sie hinzu.

Die größten Zweifel an der Zuschreibung des Gemäldes gehen jedoch auf die Tatsache zurück, dass es ausgerechnet im Leonardo da Vinci-Jubiläumsjahr mit der großen Retrospektive im Louvre entdeckt wurde. Jacques Franck, ein auf die Technik Leonardo da Vincis spezialisierter Kunsthistoriker, erklärte gegenüber Le Figaro: "[Das Gemälde ist], gelinde gesagt, ein eher mittelmäßiges Werk, das nichts mit dem unverwechselbaren Stil Leonardo zu tun hat, der mächtig, geheimnisvoll und subtil zugleich ist."
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