An einem Morgen des Jahres 1964 ging Gunnar Haimi, Inhaber eines Möbelgeschäfts in Helsinki, in seinem Laden nervös auf und ab. Wie sollte er dem Innenarchitekten Yrjö Kukkapuro (*1933) nur schonend beibringen, dass er dessen Prototyp eines futuristischen Sessels ganz furchtbar fand? Im nächsten Moment betrat der erste Kunde des Tages, angeblich ein Zahnarzt, den Laden. Er sah sich im Laden um, nahm auf besagtem Stuhl Platz, nutzte ein paar Mal dessen Drehfunktion und sagte: "Den nehme ich".
Damit war Karuselli schließlich doch abgesegnet und die Welt um eines der besten jemals entworfenen Modelle reicher. Die New York Times bezeichnete den Sessel sogar als den schönsten der Welt und ein Exemplar steht im Victoria and Albert Museum als Bespiel für die größten Designklassiker unserer Zeit. Ebenso sollte man nicht unerwähnt lassen, dass sich sogar Marcel Breuer einmal auf einem Karuselli sitzend fotografieren ließ.

Woher Yrjö Kukkapuro die Idee zu Karuselli hatte, darüber gibt es eine Geschichte in zwei Varianten: Gemäß der einen Version bekam er die Idee, als er mit seiner Tochter Schneeengel machte, gemäß der anderen Version ereilte ihn die Idee, als er während eines wodkaseligen Ausflugs auf einem Schneehaufen zum Sitzen kam und spürte, wie sich der Schnee unter ihm seinem Körper anpasste. Egal wie es nun tatsächlich abgelaufen war, Kukkapuro begann mit der Entwicklung eines Prototyps, was vier Jahre in Anspruch nahm. Die Ehre, dem Kind einen Namen zu geben, hatte die damals 7-jährige Tochter des Designers, die mit Karuselli die Essenz des drehbaren Möbelstücks hervorragend einfing.
Yrjö Kukkapuro wurde 1933 im karelischen Wiborg geboren und feierte seinen Durchbruch als Designer im Jahr 1957, als von ihm entworfene Stühle für die Ausstellung Future Home ausgesucht wurden und er mit der Kollektion Moderno einen Erfolg verbuchen konnte. Nicht schlecht für einen Studenten im zweiten Jahr an der Hochschule für Kunst und Design. "Meine Vorbilder waren Alvar Aalto und Ilmari Tapiovaara - doch mein Sessel war etwas Neues, ich hatte bereits einen eigenen Stil gefunden", äußerste sich Kukkapuro im Buch Designer.
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Neben Karuselli sind die Serie Saturnus, die Leder- und Stahlstühle Skaala und Remi sowie die Holzmöbelserie Ateljee weitere wichtige Entwürfe von Kukkapuro. Oft beginnt der Designer mit dem größten Teil einer Serie, um dann die kleineren Stücke nach und nach hinzuzufügen. Und er ist auch mit über 90 noch immer aktiv und kreativ in dem Pop Art-Studio, das er und seine Frau (die Grafikerin Irmeli Kukkapuro) sich in den späten 1960er Jahren außerhalb von Helsinki hatten errichten lassen. Neben dem Vertrag mit Haimi, wurde Kukkapuro zum Hauptdesigner bei Avarte. Die bunten Farben und runden Formen jener Epoche passen noch immer zum schlichten finnischen Designerbe und werden sowohl für die private Einrichtung als auch für Möbel im öffentlichen Bereich verwendet.
Ich bin mittelgroß, habe kurze Beine und einen langen Rücken - ich teste die Stühle und empfinde ich sie als bequem, gilt das auch für fast jeden anderen Körper.
Für Yrjö Kukkapuro ist Ergonomie am wichtigsten - ein Vortrag über den schwedischen Åkerbloms-Stuhl und dessen perfekte Sitzkurve hatte ihm einst die Augen geöffnet. Doch sei laut Kukkapuro sein eigener Körper der eigentliche Grund für seinen Erfolg: "Ich bin mittelgroß, habe kurze Beine und einen langen Rücken - ich teste die Stühle und empfinde ich sie als bequem, gilt das auch für fast jeden anderen Körper."
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Um den "bequemsten Stuhl der Welt" zu schaffen, nahm Kukkapuro auf einem dünnen Metallnetz Platz, wo er die Abdrücke eiern Schultern, seines Rückens und seines Nackens hinterließ. Anschließend befestigte er das Netz an einem Stahlrohrrahmen und bedeckte es mit einem mit Gips angefeuchteten Sack. Außerdem hatte er Bilder von Saarinen- und Eames-Glasfaserstühlen gesehen und deren Formbarkeit war ihm im Gedächtnis geblieben. Nachdem er genügend Geld zusammengespart hatte, arbeitete auch er mit und an einer Glasfaserschale, der er eine Lederpolsterung zufügte. Den (unteren) Abschluss bildete ein drehbarer Fuß. Nun wurde die Essenz der Moderne offenbar: Funktion, Form und Material in vollkommener Harmonie.
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Nachdem der Sessel 1965 auf der Kölner Möbelmesse vorgestellt worden war, musste niemand mehr von der Bedeutung von Plastik für die Möbelindustrie überzeugt werden und Yrjö Kukkapuro widmete sich in den folgenden zehn Jahren dem Material. Karuselli wird heute vom finnischen Möbelhersteller Artek produziert, während die Vintage Exemplare auf dem Auktionsmarkt immer beliebter werden.
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