Als Eero Saarinen 1955 den Tulip Chair ("Tulpenstuhl") dem amerikanischen Möbelhersteller Knoll vorstellte, handelte es sich um einen völlig neuen Stuhltyp. Knoll, gegründet von Hans und Florence Knoll, hatte sich bereits als einer der führenden Hersteller moderner Möbel etabliert, dessen Sortiment Entwürfe von Ludwig Mies van der Rohe, Harry Bertoia und Isamu Noguchi umfasste. Saarinens Entwurf passte perfekt zum Profil des Unternehmens.
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Der Tulip Chair entstand als Teil der Pedestal Group, einer 1958 lancierten Kollektion von Stühlen, Tischen und Hockern. Drei Jahre zuvor hatte Saarinen zu Florence Knoll gesagt: „Es gibt Stühle mit vier Beinen, mit drei und sogar mit zwei, aber noch keinen mit nur einem Bein. Genau das werden wir tun.“ Er wollte das Chaos der Stuhl- und Tischbeine beseitigen und ein klareres, harmonischeres Gesamtbild unterhalb der Tischplatte schaffen.
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Der Stuhl brach mit den damaligen Standards, die in der Regel vier Beine, gerade Linien und traditionelle Materialien umfassten. Ziel war es nun, Sitzfläche und Gestell zu einer Einheit zu formen. Das Ergebnis war eine skulpturale Form mit einem einzigen säulenförmigen Sockel, futuristisch in ihrem Ausdruck und oft als frühes Beispiel für das Space-Design beschrieben.
Saarinens ursprüngliche Idee war, den gesamten Stuhl aus Fiberglas zu gießen, doch das Material erwies sich als nicht haltbar genug. Die Lösung bestand aus einer Sitzfläche aus geformtem Fiberglas und einem Gestell aus Aluminiumguss, das mit Rilsan oberflächenbehandelt wurde, um einen einheitlichen Eindruck zu erzielen.
Das Ergebnis kam als Stuhl, Sessel und Hocker auf den Markt. Alle Modelle verfügten über einen drehbaren Sitz, der das Hinsetzen am Tisch erleichterte. Das abnehmbare, mit Stoff oder Leder bezogene Kissen bot zusätzlichen Komfort, ohne die elegante Form zu beeinträchtigen.
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Der Tulip Chair erregte sofort Aufsehen und galt schon früh als Paradebeispiel für pefektes Industriedesign. 1960 erhielt Saarinen das Patent für den Stuhl, und im Laufe des folgenden Jahrzehnts wurde er für seine Kreation mit mehreren renommierten Preisen ausgezeichnet, darunter 1962 mit dem Design Career Stuttgart Award und 1969 in New York mit dem Museum of Modern Art Award.
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Exemplare aus den 1950er und 1960er Jahren sind heute besonders wertvoll, aber auch spätere von Knoll hergestellte Exemplare sind begehrt. Stühle und Tische dieser Serie werden regelmäßig versteigert, meist ab einigen Hundert Euro aufwärts, je nach Zustand und Herkunft.
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