Als sich die Töpferei der Martin Brothers in den 1890er-Jahren auf dem Höhepunkt ihrer Beliebtheit befand, wurden ihre Erzeugnisse vor allem von den intellektuellen Kreisen Londons verehrt. Die anthropomorphen Kreationen karikierten in satirischer Kasperle-Manier Politiker und Geschäftsleute und wurden von Aristokraten wie Lord Faringdon und Sir William Drake in Auftrag gegeben.

Alles begann in den 1870er Jahren, als Robert Wallace Martin als Lehrling bei der Neugestaltung des Palace of Westminster mitarbeitete. Ausgebildet als Bildhauer, wurde Robert schnell für seine grotesken Modelle bekannt. 1873 gründete er die Martin Brothers Pottery in Fulham, wo das Unternehmen bis 1877 blieb, bevor es nach Havelock Road in Middlesex umzog.
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Gemeinsam mit seinen drei Brüdern Walter, Charles und Edwin, produzierte Robert Wallace einen markanten Stil der Steingutkeramik her, der heute als "Martinware" bekannt ist. Zu ihrer Zeit wurde Martinware als „Kunstkeramik“ beschrieben – eine Kategorie, die heute eher als „Studiokeramik“ bezeichnet wird. Die Martin Brothers gelten weithin als Pioniere auf diesem Gebiet betrachtet, die den Übergang von der dekorativen viktorianischen Keramik zur Studiokeramik des 20. Jahrhunderts vorangetrieben haben.

Innerhalb des Unternehmens war Walter spezialisiert auf Farbglasuren und den Brennofen, während Edwin sich um die Ausformung und die Dekorationen kümmerte und Charles die Galerie in London, leitete. Als Gründer der Töpferei war Robert Wallace das selbsternannte Aushängeschild und Hauptformgeber.
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Die Martinware ist vor allem bekannt für ihre gotisch-inspirierten illustrativen und skulpturalen Arbeiten. Die "Grotesken" aus Steinzeug, entworfen von Robert Wallace, die es in unterschiedlichen Formen gab, darunter Vasen, Krüge, Wasserkannen, Schalen und kleine Skulpturen und die meist neuinterpretationen mythischer Kreaturen wie Kobolde, Drachen, Kröten, Fische, Igel, Salamander und Wasserspeier waren.

Die Wally Birds, Tabakgefäße in der Form charaktervoller Vögel, sind berühmtesten unter den Martin-Kreationen. Die Vögel haben markante Schnäbel, überproportionale Füße, eine aufrechte Position, gebogene Augenbrauen und ein schelmisches Grinsen, was ihnen einen anthropomorphen Touch verleiht, der sie zu verspielten Karikaturen ihrer menschlichen Betrachter macht.

In den 1890er Jahren, als die Martinware immer beliebter wurde, wurden besondere Werke in ihrer Galerie in Holborn vor der Öffentlichkeit verborgen und für die exklusivere Kundschaft aufbewahrt. In Bedrängnis geriet das Unternehmen jedoch 1903, als die Galerie wegen eines Brandes schließen musste. Elf weitere Jahre folgten noch, doch 1914 schloss die Töpferei ihre Pforten für immer. In ihrer späteren Phase waren die Entwürfe etwas vereinfacht worden, wahrscheinlich aufgrund des Einflusses des Jugendstils.
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In den 1970er Jahren trug die Verkaufsausstellung von Richard Dennis mit einer hervorragenden Sammlung von Werken der Martin Brothers dazu bei, das Interesse wiederzubeleben. Das ästhetische und kommerzielle Interesse an der Töpferei war geweckt und es folgten mehrere weitere wichtige internationale Ausstellungen. In dieser Zeit verlagerte sich die Anziehungskraft der Grotesken über den heimischen Markt hinaus und ein großer Prozentsatz der Wally Birds wurde in ausländischen Sammlungen verkauft.

In den letzten 15 Jahren konnten Wally Birds teilweise sechsstellige Preise erzielten, was einer Verdreifachung vorheriger Preise entspricht. 2015 wurde bei Phillips in New York ein Rekord aufgestellt, als ein Wally Bird von 1889, bei dem es sich um eine Karikatur des britischen Premierministers Benjamin Disraeli handeln soll, 233.000 US-Dollar erzielte. Ein weiteres dieser Vogelgefäße von 1898 wurde 2014 bei Woolley & Wallis für 75.000 GBP verkauft. Der Rekord für jede Kreation der Martin Brothers geht jedoch an eine grinsende Krabbe, die 2018 bei Phillips in New York für 275.000 US-Dollar verkauft wurde. Für weniger seltene Vogelgefäße und -vasen muss man mit Preisen zwischen 11.000 und 25.000 Euro rechnen.
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Heutzutage spielt das zunehmende Interesse an der Arts-and-Crafts-Bewegung eine bedeutende Rolle für die britische Keramik, die historisch gesehen im Vergleich zu anderen Objekten wie Arbeiten auf Papier und Bronzen unterbewertet wurde. Jeder Wally Bird ist ein absolutes Unikat und wurde von Hand von einem der Gründerväter der britischen Studiokeramik-Bewegung angefertigt. Die Geschichte der Martinware ist ein wichtiger Teil der britischen Kunstgeschichte aus Ton.



