Der britische Maler Laurence Stephen Lowry ist am bekanntesten für seine markanten Industrielandschaften und Darstellungen des Lebens der Arbeiterklasse, die zu seinem Vermächtnis als einer der gefeiertsten Künstler des 20. Jahrhunderts beitragen. Entdecken Sie nun sechs Fakten über den Künstler hinter den berühmten "Streichholzmännchen" und den urbanen Szenen aus der Jahrhundertmitte.
1. Er war Teilzeitmaler
Geboren als Sohn eines Immobilienmaklers und einer angehenden Pianistin, entstammte Lowry einer Familie der Mittelklasse, die sein erstes Zuhause in Manchester aufgrund finanzieller Probleme verlassen musste, um in die von der Industrie geprägte Gegend von Pendlebury zu ziehen. Um etwas beisteuern zu können, verließ Lowry mit 16 die Schule, um für eine Wirtschaftsprüfungsgesellschaft zu arbeiten. Von da an arbeitete er den größten Teil seines Lebens als Mieteintreiber in den Industriegebieten rund um Manchester.
Lesen Sie auch: Die Top 10 der britischen Studiokeramik

Bis zu seiner Pensionierung in seinen Sechzigern malte Lowry an den meisten Tagen nach der Arbeit bis spät in die Nacht, wobei er die ihm von einigen seiner Kritikern gegebene Bezeichnung „Sonntagsmaler“ stets strikt ablehnte und antwortete: „Ich bin ein Sonntagsmaler, der jeden Tag der Woche! malt"
2. Ein französischer Impressionist war sein Lehrer
Da er ein Teilzeitmaler und sein Stil eher naiv war, wird oft angenommen, dass Lowry sich alles selbst beigebracht hatte.
Doch tatsächlich studierte Lowry Malerei und Zeichnen an verschiedenen Kunstschulen in Manchester und Salford. Von 1905 bis 1915 war der bedeutende französische Impressionist Adolphe Valette, der am Municipal College of Art in Manchester unterrichtete, sein Lehrer.
Lesen Sie auch: Trendwende im 19. Jahrhundert: Die Freilichtmalerei

Wie Lowry betonte, hatte Valette einen enormen Einfluss auf seine Kunst. Obwohl er den impressionistischen Stil oder dessen Farbpalette nicht völlig übernahm (und eine begrenzte Auswahl von nur fünf Farben bevorzugte), teilte Lowry mit der Bewegung die Liebe zur Darstellung des modernen städtischen Lebens.
3. Der Anblick der Acme Mill veränderte sein Leben
1916 verpasste Lowry einen Zug von Pendlebury nach Manchester. „Es muss ungefähr vier Uhr gewesen sein und vielleicht war die Atmosphäre irgendwie besonders oder so. Aber als ich oben an der Treppe ankam, sah ich die Acme Mill; ein großer quadratischer roter Block, an den die Hütten in Reihen angrenzen – und plötzlich wusste ich, was ich malen musste.“

Für den Rest seines Lebens sprach Lowry von diesem Moment wie von einer Art Offenbarung. Die Industrielandschaften der East Midlands mit ihren belebten Straßen, Fabriken und Werken wurden zu seinen bevorzugten Motiven. Seine Gemälde zeigen oft Szenen des urbanen Lebens mit akribischen Details und widerspiegeln den Rhythmus und die Energie der Gemeinschaften der Arbeiterklasse, die er beobachtete. Lowrys markante Figuren, die oft "Streichholzmännchen" ähnelten, wurden zu ikonischen Merkmalen seiner Werke. Die schlichten aber dennoch gefühlsgeladenen Figuren fingen die Essenz des Lebens der Arbeiterklasse in den modernen Industriestädten ein.

„Mein Ziel war es, die Industrieszene bekannt zu machen, denn niemand hatte es getan – niemand hatte es ernsthaft getan“, wird Lowry in Michael Howards Monographie aus dem Jahr 2000 zitiert.
4. Er liebte Fußball
Lowry war ein eifriger Unterstützer des Fußballvereins Manchester City und ging oft zu dessen Spielen. Seine Liebe zum Fußball hielt auch Einzug in seine Kunst. Mehrere Gemälde zeigen Fans auf dem Weg ins Stadion oder beim Zuschauen, wobei er die Aufregung und Energie der Spieltage mit charakteristischen Details einfing.
Lesen Sie auch: Lowry-Gemälde erzielt Rekordpreis und bleibt der Öffentlichkeit erhalten

Ebenso faszinierte ihn das Meer. In seiner späteren Karriere malte er mehrere Seestücke von der englischen Nordostküste. Diese Leinwände zeigen oft eine beinahe abstrakte Ausdehnung von Wasser und Himmel mit einer dünnen Horizontlinie dazwischen. Frei von Menschen und Gebäuden, unterscheiden sie sich stark von seinen bekannten Stadtansichten.
5. Seine erste Einzelausstellung hatte er mit 51
Trotz der späteren Anerkennung wurde Lowry zu Beginn seiner Karriere von Kunstkritikern kritisiert, die seine Kunst für sich wiederholend und glanzlos hielten. Seine Streichholzmännchen und Industrieszenen wurden als eintönig und langweilig betrachtet. Dieses Gefühl der Monotonie in seinen Gemälden, könnte jedoch genau das sein, was sie ausmacht. Die limitierte Farbpalette, die flachen Perspektiven und der Mangel an Individualität seiner Figuren fangen vielleicht am besten die Wiederholung und das entmenschlichende Wesen der Industrialisierung und des Lebens der Arbeiterklasse im 20. Jahrhundert ein.
Lesen Sie auch: 7 Gemälde von London, die man kennen sollte

Die erste öffentliche Anerkennung erlangte Lowry 1939, als er seine erste Einzelausstellung in der Lefevre Gallery in London hatte. 1962 wurde er zum Mitglied der Royal Academy ernannt. Außerdem wurde er Gastdozent an der Slade School of Fine Art, einer der renommiertesten Kunstschulen Englands.
6. Er lehnte die Adelswürde ab
1968 wurde Lowry der Ritterschlag angeboten, was er jedoch ablehnte. „Mein ganzes Leben lang habe ich mich am entschiedensten gegen soziale Unterscheidung jeglicher Art gewehrt“, ließ er Premierminister Harold Wilson wissen. Lowry hält den Rekord für die Ablehnung britischer Ehren – fünf an der Zahl, einschließlich der Ritterwürde.
Möchten Sie Artikel wie diesen direkt in Ihrem Posteingang entdecken? Dann melden Sie sich noch heute für unseren kostenlosen Newsletter an!

Lowry starb 1976 im Alter von 88 Jahren. Kurz nach seinem Tod zeigte die Royal Academy eine Retrospektive seines Werks, welche zur meistbesuchten Ausstellung des Museums für einen Künstler des 20. Jahrhunderts wurde. Eine weitere wichtige Retrospektive fand 2014 unter dem Titel "Lowry and the Painting of Modern Life" in der Tate Britain statt. The Lowry, eine eigens dafür errichtete Galerie an den Salford Quays in Manchester, umfasst etwa 400 Stücke aus allen Phasen von Lowrys Karriere.










