Die Arbeitsmethoden, die ich in Indien entdeckte, lehrten mich nach so vielen Misserfolgen in Frankreich Selbstwertgefühl. Chandigarh war für uns beide eine Art Lichtung im menschlichen Dschungel.
Chandigarh, die Stadt der Zukunft – ein Projekt, dessen Umsetzung 1951 begann, als der berühmte Architekt Le Corbusier vom indischen Premierminister Nehru beauftragt wurde, die neuen Hauptstadt des Bundesstaates Punjab zu entwerfen. Indien war vier Jahre zuvor zu einem vom British Empire unabhängigen Staat geworden, wurde im Anschluss daran jedoch vom indopakistanischen Konflikt erschüttert. Der Krieg teilte den indischen Staat Punjab in einen indischen und einen pakistanischen Teil, bei dem die historische Hauptstadt Lahore auf pakistanischem Gebiet lag.
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In Folge dessen beschloss Jawaharlal Nehru, der aus Indien einen modernen Staat formen wollte, eine ganz neue Hauptstadt errichten zu lassen: Chandigarh. Den Auftrag für das Projekt erhielten ursprünglich der polnische Architekt Matthew Nowicki und der Stadtplaner Albert Mayer. Nachdem Nowicki 1950 tragischerweise bei einem Flugzeugabsturz ums Leben gekommen war, übertrug Nehru den Auftrag auf Le Corbusier, der seinen Cousin Pierre Jeanneret sowie die Architekten Maxwell Fry und Jane Drew mit ins Boot holte.
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Die Silberne Stadt nahm schnell Gestalt an – nämlich die eines menschlichen Körpers, mit Regierungs- und Verwaltungsgebäuden als Kopf, Geschäftsvierteln als Herz sowie Produktions- und Industriestrukturen als Eingeweide im Zentrum. Die Arme bildeten weitere Industriegebiete auf der einen und Bildungseinrichtungen auf der anderen Seite. Am Stadtrand entstanden von Grünanlagen durchzogene autonome Wohngebiete. Die neue Stadt war in 56 Sektoren unterteilt, die durch Straßen und Fußwege miteinander verbunden wurden. Als Symbol der Stadt und des Friedens wurde mit der 26 Meter hohen Skulptur The Open Hand Monument von Le Corbusier das Logo von Chandigarh errichtet.

Während sich Le Corbusier um die Stadtplanung und die Architektur kümmerte, gestaltete sein Cousin Pierre Jeanneret die Möblierung der Verwaltungsgebäude. Wichtig für Jeanneret waren hierbei die Einbeziehung lokaler Handwerker sowie die Verwendung einheimischer Hölzer, die dem örtlichen Klima länger standhalten würden.

Le Corbusier und Pierre Jeanneret teilten die Auffassung, dass Design den Alltag ergänzen sollte, und das galt natürlich auch für Chandigarh. Die Möbel wurden im Geiste der neuen Stadt entworfen: Jeanneret kombinierte minimalistisch Formen mit einfachen Materialien und schuf so eine Sammlung von Werken, die heute einen großen unverwechselbaren Teil der Moderne darstellen und den Weg, den das Design im 20. Jahrhundert nahm, entscheidend geprägt haben.
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Das Chandigarh-Projekt beeinflusste Pierre Jeanneret tiefgreifend und er blieb auch nach Abschluss der Arbeiten in Indien. Als er im Dezember 1967 starb, befand er sich zwar in Europa, seine Asche wurde jedoch drei Jahre später, gemäß seinem Wunsch, im Sukhna-See, einem künstlichen Becken, das 1958 während der Planung der Stadt angelegt worden war, verstreut.

Kurz vor seinem Tod erklärte Jeanneret, was Chandigarh für ihn bedeutet hatte: "Die Arbeitsmethoden, die ich in Indien entdeckte, lehrten mich nach so vielen Misserfolgen in Frankreich Selbstwertgefühl. Chandigarh war für uns beide eine Art Lichtung im menschlichen Dschungel."
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Ende der 1980er Jahre begann die Stadt Chandigarh allmählich zu verfallen: Das tropische Klima und der schlechte Zustand einiger verlassener Gebäude führten unweigerlich zur Zerstörung der Arbeiten von Jeanneret. Zu Beginn des neuen Jahrtausends waren nur noch wenige Exemplare vorhanden, die daraufhin ihren Weg nach Europa und Amerika fanden, um künftig in Sammlungen und Privathäusern aufbewahrt zu werden.
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Heute sind Jeannerets Designs für Chandigarh, wie der V-leg Chair aus Teak und Korbgeflecht oder der Committee Chair Teak und Leder wahre Möbelikonen, die auf dem Auktionsmarkt für fünf- und sogar sechsstellige Summen verkauft werden.
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Aktualisierte Version eines Artikels vom 10. Dezember 2019



