Wir haben uns in den hundert Jahren des 20. Jahrhunderts einmal nach den genialsten Sitzmöbeldesigns umgeschaut und 10 herausgepickt, die definitiv ein Geniestreich waren.
Kubus

Mit seinem 1910 geschaffenen Sessel Kubus griff der Wiener Architekt und Designer Josef Hoffmann den Kunststil des damals in seiner Blüte stehenden Kubismus für das Gestalten von Möbeln auf. Hoffmann Publikum war von diesem revolutionär-schnörkellosen Designs zunächst allerdings gar nicht angetan.
Loom Chair

Der amerikanische Unternehmer Marshall Burns Lloyd ließ 1917 ein Verfahren patentieren, das grundlegend für seine Möbelkreationen war. In Anlehnung an Korbmöbel hatte er etwas neues geschaffen: Einen mit Papier umwickelten Draht, der wesentlich widerstandsfähiger als die bisher verwendeten Materialien waren. Mit der Form seiner Loom Chairs orientierte sich Lloyd an bereits bekannten Salonstühlen.
Lesen Sie auch: Michael Thonet und die Erfindung des modernen Möbels
Freischwinger

Das folgende Modell entstammt dem Weimarer Bauhaus, genauer gesagt von dem niederländischen Designer Mart Stam, der 1926 einen freischwingenden Stuhl für seine schwangere Frau entwarf. Andere Bauhauskünstler griffen Stams Idee begeistert auf, Marcel Breuer gab sogar an, er hätte die Idee zu diesem Sitzmöbel gehabt. Wie dem auch sei, der Freischwinger war eine der maßgeblichsten Stuhl-Erfindungen des 20. Jahrhunderts.
LC4

Mit seinem Liegesessel LC4 hatten Le Corbusier und seine Partner 1928 eine "machine à repos" (Ruhemaschine) geschaffen, an deren Perfektion er jahrelang getüftelt hatte. Das Ergebnis war eine geknickte Liegefläche auf einem halbrunden Stahlrahmen, der so lange stufenlos verstellbar war, bis der Ruhesuchende seine optimale Position gefunden hatte.
Lesen Sie auch: Charlotte Perriand: Erinnerungen an ein kreatives Leben
Barcelona Chair

Seinen bis heute produzierten Barcelona Chair designte Ludwig Mies van der Rohe 1929 für den deutschen Pavillon bei der Weltausstellung in Barcelona. Er sollte als Sitzmöbel für das spanische Königspaar dienen. Ergänzt wurden die Sessel durch passende Hocker und einen Glastisch. Wie für viele andere Designs hat auch hier die amerikanische Firma Knoll die Herstellungsrechte erworben. Vom Barcelona Chair hat Knoll mittlerweile weltweit mehr als 20.000 Exemplare verkauft.
Lesen Sie auch: Ludwig Mies van der Rohe: Von der Tradition zur Moderne
Paimio

Als der finnische Architekt Alvar Aalto 1931 seinen Sessel Paimio entwarf, hatte er die Designs des Weimarer Bauhauses im Hinterkopf. Er vertauschte jedoch das in Weimar übliche Chrom mit hellem Holz, um einen freundlicheren Eindruck zu vermitteln. Die Stühle waren nämlich für eine Sanatorium für Tuberkulose-Kranke gedacht, deren Gebäude Aalto ebenfalls entworfen hatte. Die Klinik befindet sich in der Nähe des südfinnischen Ortes Paimio.
Lesen Sie auch: Alvar Aalto: Der finnische König des Designs
Organic Design Chair

Für diesen Stuhl arbeitete der Amerikaner Charles Eames mit den finnischen Architekten Eero Saarinen zusammen. Der Stuhl sollte im New Yorker MoMA bei einem Wettbewerb für organisches Möbeldesign an den Start gehen. Als Material für die Sitzschale diente dünnes, in Form gepresstes Sperrholz. Diese Technik sollte Charles und seine Frau und Partnerin Ray später berühmt machen.
Lesen Sie auch: 6 Giganten des Mid-century modern
LCW

Das Verfahren wurde vom Ehepaar Charles und Ray Eames für ihr Modell LCW verwendet. Dieser war ein Meilenstein, der deutlich machte, welche vielfältigen Möglichkeiten diese Technik für das Möbeldesign bot. LCW bedeutet übrigens schlicht "Lounge Chair Wood" - was für ein schlichter Name für solch eine wegweisende Kreation.
Lesen Sie auch: Das demokratische Design von Charles und Ray Eames
Diamond Chair

Ebenso wie der Barcelona Chair Mies van der Rohes wird auch der Diamond Chair des italienischen Designers Harry Bertoia von Knoll hergestellt. Bertoia hatte seine berühmteste Kreation 1952 für die Möbelfirma entworfen. Namengebend war das Gitterwerk, das wie die Facetten eines Diamanten wirken. Bertoia selbst sagte über den Stuhl, dass er hauptsächlich aus Luft gemacht sei.
Lounge Chair

Kehren wir zum Schluss noch einmal zu Charles und Ray Eames zurück, die für die Grundstruktur ihres Lounge Chairs wieder auf das in Form gepresste Schichtholz zurückgriffen. Der Lounge Chair ist auch heute noch der Inbegriff für ein bequemes Ruhemöbel, das Zugleich klassischen Luxus als auch moderne Techniken in sich vereint. Seit 1956 blieb das Aussehen des Sessels unverändert, nur seine Maße wurden mittlerweile an seine immer größer werdenden Käufer angepasst.
Möchten Sie Artikel wie diesen direkt in Ihrem Posteingang entdecken? Dann melden Sie sich noch heute für unseren kostenlosen Newsletter an!









