Der Rauchsalon Les Palmiers gilt als eine der bedeutendsten Werke des französischen Designs des 20. Jahrhunderts. Der geometrische Wald aus Grau-, Silber- und Goldtönen erscheint heute wie eine Kapsel, in der der Besucher ihr Gefühl für Raum und Zeit verlieren können. Les Palmiers wurde zwischen 1930 und 1936 vom bedeutenden Künstler, Designer und Innenausstatter Jean Dunand für die Pariser Wohnung von Colette Aboucaya geschaffen.

Mit Les Palmiers erreichte Jean Dunand den Höhepunkt seiner Karriere.
Der Rauchsalon besteht aus Paneelen mit lackierten und gravierten Metallplatten, die eine solche Vielfalt an Texturen und Mustern repräsentieren, dass es auf den ersten Blick fast unmöglich ist, die Komplexität der Komposition voll zu erfassen. Die Oberflächeneffekte und grafischen Linien verleihen dem Dekor das Aussehen eines Palmenwaldes und zeugen von alten Lacktechniken, die Dunand meisterhaft beherrschte.

Nachdem das Werk zunächst als nationales Kulturgut eingestuft wurde, durfte es Frankreich vor kurzem doch verlassen, um bei Phillips in London versteigert zu werden. "Phillips wird zum ersten Mal ein französisches Art-déco-Interieur anbieten, ein konkurrenzloses Meisterwerk von historischer Bedeutung, das den für jene Zeit charakteristischen Begriff von Luxus und Handwerkskunst verkörpert", sagt Domenico Raimondo, Leiter der Abteilung für europäisches Design bei Phillips.
Begleitet wird das auf 1,75-2,3 Millionen Euro geschätzte Interieur von einer gepolsterten Sitzbank, die der japanische Künstler Katsu Hamanaka spezielle für den Raum entworfen hatte. Ende der 1990er Jahre wurde die Bank von Modedesigner Kenzo erworben, bevor sie Teil jener Sammlung wurde, in der sie sich auch heute noch befindet. Beide Arbeiten, die das Ergebnis einer historischen Zusammenarbeit darstellen, wurden zuletzt im Jahr 1997 auf dem Markt angeboten.

Die Verwendung von lackierten Paneelen für die Gestaltung eines ganzen Raumes, war von Dunand erstmals 1925 auf der Exposition internationale des Arts Décoratifs et industriels modernes in Paris präsentiert worden. Anlässlich dieses Ereignisses war er mit der Gestaltung eines Rauchsalons für den Pavillon der französischen Botschaft beauftragt worden. Die von den Kritikern sehr gut aufgenommene Arbeit wurde von Dunand gemeinsam mit mehreren Lackentwürfen für die Innenausstattung der Automobile des Karosseriebauers Henri Binder präsentiert.
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Auch eine Besucherin der Weltausstellung war von Dunands Entwürfen hellauf begeistert: Colette Aboucaya, die den Designer engagierte, die Vertäfelungen des Rauchsalons in ihrer Wohnung in der Rue de Monceau zu gestalten. In Zusammenarbeit mit Gérard Mille, dem Dekorateur von Madame Aboucaya, stellte Dunand schließlich ein ausgefeiltes Ensemble vor, das von einem extravaganten Lebensstil zeugte. Tatsächlich war das Rauchen in den 1930er Jahren noch eine Kunst für sich, die mit Autos, Modernität und Wochenendausflügen verbunden wurde. Rauchen war eine soziale Aktivität, die einen Raum für sich verdiente.

Kombiniert wurden die Lackpaneele des Rauchsalons Les Palmiers mit einem Teppich von Ivan da Silva Bruhns in den gleichen Farben, Lack- und Fischledermöbeln von Katsu Hamanaka sowie Seidenvorhängen und Polstersesseln von Hélène Henry. Auch der große Salon neben dem Rauchsalon erhielt ein Dekor von Jean Dunand: das prächtige Tafelbild La conquête du cheval.

"Mit Les Palmiers erreichte Jean Dunand den Höhepunkt seiner Karriere, indem er mehrere Lackschichten auf Oberflächen aus unterschiedlichen Materialien auftrug. Das Ergebnis ist ein Raum, der ganz anders ist, als alles, das er zuvor gegeben hatte, und dennoch passt er in seiner Zeitlosigkeit und Abstraktion perfekt und übertrifft alles andere", fügt Domenico Raimondo hinzu.
Das exotische Dekor von Les Palmiers ist ein Flaggschiff der französischen Handwerkskunst und ein Symbol der Kunst des Art déco und des Lebensstils in den 1930er Jahren. Am 4. Mai wird es bei Phillips in London versteigert.
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