Ludwig Mies van der Rohe kam 1886 in Aachen zur Welt. Bereits in jungen Jahren konnte er seine Kreativität ausleben, indem er im Betrieb seines Vaters, der Steinmetz war, mitarbeitete. Seine eigene Karriere startete er als Gestalter von Gipsmodellen und 1904 wurde er, dank seines zeichnerischen Talents, vom Architekten Albert Schneiders eingestellt.
Seine ersten Erfahrungen als Möbeldesigner machte er bei dem Architekten Bruno Paul in Berlin, ein erster Durchbruch erfolgte 1907, als er die Möglichkeit erhielt, für den österreichischen Philosophen und Vertreter des Neukantianismus Alois Riehl und dessen Frau ein Haus im Stil der deutschen Reformarchitektur zu entwerfen. Angetrieben durch seinen konstanten Wunsch nach Veränderung, wechselte der junge Mies van der Rohe in das Büro des Avantgarde-Designers Peter Behrens, der eng mit dem berühmten Architekten und späteren Bauhaus-Gründer Walter Gropius zusammenarbeitete und einige Monate auch Le Corbusier zu seinen Mitarbeitern zählte. Während dieser Zeit wurde Mies van der Rohe stark von Ausstellungen und Besichtigungen der Schöpfungen von Meistern wie Karl Friedrich Schinkel und Frank Lloyd Wright beeinflusst.
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In dieser Zeit entwickelte sich sein neoklassizistischer Stil und er erhielt das Angebot, an dem Entwurf für das private Wohnhaus und Museum von Helene Kröller-Müller in den Niederlanden mitzuarbeiten. Aufgrund von Unstimmigkeiten zwischen Behrens und der Klientin wurde der Vertrag später zurückgezogen. Mies van der Rohe sollte jedoch weiterhin an dem Projekt arbeiten und ging daher 1912 nach Den Haag. Dort sollte er einen Entwurf für das Gebäude entwerfen, dessen Gestaltung letztendlich aber doch dem Architekten Hendrik Petrus Berlage übertragen wurde.
Ein idealer Bereich der Ruhe.
1913 kehrte Mies van der Rohe nach Berlin zurück, wo er seine Freundin Ada heiratete. Das Paar bekam drei Kinder, trennte sich jedoch bereits 1918. Während des Ersten Weltkriegs wurde er in die Armee eingezogen und arbeitete für Baufirmen in ganz Deutschland.
Die Zeit nach dem Krieg war so etwas wie ein Weckruf für viele junge Architekten, die es als ihre Mission betrachteten, die Normen der Architektur neu zu formulieren. Mies van der Rohes Interesse beschränkte sich jedoch nicht auf die Architektur, sondern schloss auch Philosophie und Wissenschaft mit ein. 1921 schloss er sich der Berliner Künstlergemeinschaft „Novembergruppe“ an.
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Er genoss die endlos langen Diskussionen über Kunst und die Welt und entwarf die architektonischen Beiträge der Gruppe für die Große Berliner Kunstausstellung. Seine Entwürfe eines Hochhauses aus Glas und eines Landhauses aus Backstein zogen die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich. Diese beiden und drei weitere seiner Entwürfe wurden auf Architekturausstellungen in ganz Europa gezeigt und als extrem innovativ betrachtet. Diese Arbeiten sollten Mies van der Rohe für den Rest seiner Karriere immer wieder inspirieren.
Zahlreiche Aufträge flatterten schon bald darauf auf seinen Schreibtisch und seine Karriere nahm endlich an Fahrt auf. Nach einer erfolgreichen Ausstellung in Stuttgart wurde er mit dem Entwurf des deutschen Pavillons für die Weltausstellung von 1929 in Barcelona betraut – ein Gebäude, das heute als sein Meisterwerk betrachtet wird.

Mit den Materialien, die er verwendete, darunter Onyx, Marmor und Travertin, schuf er die perfekte Verbindung von Minimalismus und Extravaganz. Gemeinsam mit der Designerin Lilly Reich reduzierte er die gesamte Ausstellung auf eine einzige Skulptur und einige Stühle, die er eigens für den Pavillon entwarf. Das Ziel Mies van der Rohes war es, die perfekte Balance zwischen Innen- und Außenbereich, zwischen Urbanität und Natur zu schaffen oder wie er es nannte, einen „idealen Bereich der Ruhe“. Das Gebäude wurde nach der Ausstellung abgerissen, jedoch später, 1983-86, von einigen katalanischen Architekten rekonstruiert.

Nachdem ihm die Leitung des Bauhauses in Dessau angetragen worden war, startete er 1930 seine zweite Karriere in der Lehre. Diese war jedoch nur von kurzer Dauer, da die aufstrebenden Nationalsozialisten 1932 die Schließung des Bauhaus durchsetzen konnten. Mies van der Rohe gründete daraufhin ein privates Bauhaus-Institut in Berlin, musste dieses Projekt jedoch bereits 1933 wieder aufgeben.
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Ludwig Mies van der Rohe verabscheute die Vorstellung, sich von der Politik in seine Arbeit als Architekt hineinreden lassen zu müssen und beschloss, Deutschland den Rücken zu kehren und in die Vereinigten Staaten auszuwandern. Dort gründete er 1939 ein neues Designstudio und trat eine Lehrstelle am Amour Institute in Chicago an. Aufgrund seiner innovativen Denkweise erhielt er den Auftrag zur Errichtung eines Campus für das neugegründete Illinois Institute of Technology.

1946 begann Mies van der Rohe mit dem Projektentwickler Herbert Greenwald zusammenzuarbeiten, mit dem er an verschiedenen Orten in den Vereinigten Staaten Hochhäuser errichtete. Die Stahlkonstruktion, die diesen Gebäuden zugrunde lag, sollte er für alle seine zukünftigen Entwürfe beibehalten. Allerdings entwarf er bis zum Ende seiner Karriere nur noch drei weitere Häuser, beteiligte sich jedoch an vielen weiteren Projekten.

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Das bekannteste seiner amerikanischen Häuser ist das Farnsworth House (1945-51), ein Gebäude mit nur einem Raum, das er ganz aus Stahl und Glas konzipierte. 2013 wurde es dem National Trust for Historic Preservation für 7,5 Millionen US-Dollar verkauft, nachdem sein Wert zunächst auf 6 Millionen US-Dolar geschätzt worden war. Das Gebäude wird heute als Museum genutzt, in dem auch Mies van der Rohes berühmtester Entwurf, der Barcelona Chair, ausgestellt wird.
Das ikonische Sitzmöbel erzielt auf dem Auktionsmarkt hohe Preise. So wechselte beispielsweise 1997 ein frühes Exemplar von 1929/30 bei Christie’s für 122.500 GBP (173.338 Euro) den Besitzer. Doch auch weitere seiner Entwürfe sind echte Sammlerstücke, so wie der Sofatisch, den er 1929/30 für die Villa Tugendhat bei Brno entworfen hatte. Als ein frühes Exemplar von diesem 2012 bei Phillips angeboten wurde, lag der Endpreis von 217.250 GBP (259.397 Euro) um 383% über der Schätzung.
Ludwig Mies van der Rohe starb im Alter von 83 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung in Chicago. Die revolutionären Schöpfungen seiner langen Karriere standen ganz unter dem Motto „weniger ist mehr“.



