Denkt man an eine schillernde Persönlichkeit auf Frankreichs Thron, fällt einem zunächst bestimmt der "Sonnenkönig" Ludwig XIV. ein, vielleicht auch noch der genussfreudige Renaissancefürst Franz I. Dazwischen gab es jedoch mit Heinrich III. (1551-1589) aus dem Hause Valois noch einen weiteren französischen König, bei dem Glamour an der Tagesordnung war. Und genau dieser König steht nun im Mittelpunkt einer Neuidentifizierung eines 5,7 cm hohen Miniatur-Porträts.

Im vergangenen Jahr war eben diese Miniatur als Bildnis von Sir Walter Raleigh in einem englischen Auktionshaus verkauft worden. Käufer war der Londoner Kunsthändler Philip Mould, dem schnell klar war, welchen in Rüschen gewandelten Herrn er da wirklich vor sich hatte: Nicht den vielseitig einsetzbaren Günstling von Königin Elizabeth I. von England, sondern deren "Kollegen" und Beinahe-Verlobten, König Heinrich III. von Frankreich.

Bekräftigt wurde diese spannende Entdeckung durch eine weitere, die nach dem Entfernen des Rahmens zutage kam: Die Signatur des französischen Hofmalers Jean Decourt, die gemeinsam mit der Jahreszahl 1578 auf die Rückseite des Porträts geschrieben wurde. Dies ist auch deshalb eine Sensation, da es das einzig bekannte Porträt des Malers ist, das dessen Unterschrift trägt.
Jean Decourt war 1572 nach dem Tod François Clouets (1510-1572) in dessen Fußstapfen als Hofmaler des französischen Königs Karl IX. (1550-1574) getreten. Doch auch Karls und Heinrichs Schwägerin Maria Stuart (1542-1587), die in erster Ehe mit deren ältestem Bruder Franz II. (1544-1560) verheiratet gewesen war, wusste das Talent Decourts zu schätzen.
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Die Wahrscheinlichkeit, dass Heinrich, der 1551 als sechstes der zehn Kinder von Heinrich II. und Caterina de' Medici das Licht der Welt erblickte, mit zwei älteren Brüdern jemals den französischen Thron besteigen würde, erschien äußerst gering, sodass er sich zusammen mit seinen "Mignons" seinen großen Leidenschaften widmen konnte: Tanzen, Literatur, Schmuck und das Tragen von Frauenkleidern.

Heinrich war Caterinas Lieblingssohn, für den sie nur das Beste wollte. Aus der Ehe mit der um einige Jahre älteren Elizabeth I. wurde zwar nicht, dafür schaffte es die geschickte Taktikerin Caterina ihrem Liebling den vakanten polnischen Thron zuzuschustern.
Heinrich zog gen Osten, zeigte dort jedoch wenig Interesse am Regieren. Doch zu seinem Glück segnete sein zweitältester Bruder Karl IX. 1574 unerwartet das Zeitliche und Heinrich konnte nach weniger als einem Jahr in seine Heimat zurückkehren und dort auf dem Thron Platz nehmen. Während seiner Rückreise machte er einen Schlenker über Venedig, wo er begeistert in den Trubel des Karnevals eintauchte.
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Heinrich war jedoch nicht der König, den das von Religionskriegen erschütterte Frankreich gebraucht hätte und so wurde er letztendlich eines der vielen Opfer, die der Konflikt nach wie vor forderte: 1589 wurde Heinrich ermordet. Mit ihm, der zwar verheiratet, aber – mehr oder weniger überraschend – kinderlos starb, erlosch die Dynastie der Valois. Sein Nachfolger wurde Heinrich IV. aus dem Hause Bourbon.

Das Andenken Heinrichs III. wurde nach seinem Tod arg in Mitleidenschaft gezogen, vor allem während der Französischen Revolution. Vermutlich gelangte die nun wiederentdeckte Miniatur des schillernden Königs, die eine wichtige Ergänzung für die Erforschung der französischen Porträt- und Miniaturmalerei im späten 16. Jahrhundert darstellt, damals nach England.
"Dieses Werk ist ein französischer Nationalschatz – ein äußerst bedeutendes unveröffentlichtes Bild eines missverstandenen Königs und eine Bestätigung von Jean Decourts Talent. Es wäre wunderbar, wenn es nach Paris 'nach Hause zurückkehren' könnte, da ich glaube, dass es dort wirklich hingehört. Wir haben dem Louvre daher das Vorkaufsrecht eingeräumt", sagt Philip Mould.
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