Die Farbe Rot wirkt sich auf unsere Psyche aus wie kaum eine andere. Vielleicht wird sie daher mit so vielen unterschiedlichen Bedeutungen assoziiert. Rot zieht alle Blicke auf sich, weshalb sie als Symbol der Gefahr oder der Macht geradezu ideal ist. Auch wirken rot gewandete Frauen und Männer allgemein attraktiver auf potenzielle Partnerinnen und Partner.
In der Antike wurde der Mars, unser roter Nachbar, mit dem Gott des Krieges assoziiert, dementsprechend war Rot eine Farbe, die eher von Männern getragen wurde (und Rosa entsprechend von Jungen). Dies änderte sich er zu Beginn des 20. Jahrhunderts, als die Farbe Blau, aufgrund ihres häufigen Vorkommens bei Militär- und Arbeiterkleidung, die dominante Rolle in der männlichen Garderobe übernahm.
Wir haben aber einmal fünf Porträts der vergangenen 550 Jahre herausgesucht, auf denen Frauen in Rot glänzen.
Sandro Botticelli, Porträt einer Dame, bekannt als Smeralda Brandini/Frau am Fenster, ca. 1471

Mit dem Porträt einer Dame, bekannt als Smeralda Brandini betrat Sandro Botticelli Anfang der 1470er Jahren Neuland, brach er damit doch mit der bis dahin in Florenz vorherrschenden Tradition, Personen im Profil zu porträtieren. Die dargestellte Dame ist nun in Dreiviertelansicht zu sehen.
Immer wieder wurden in der Vergangenheit Stimmen laut, die meinten, nicht Botticelli selbst, sondern einer seiner Schüler oder Mitarbeiter habe das Bild gemalt. Dagegen spricht die innovative Darstellung der Porträtierten sowie der leichte Trompe-l’œil-Effekt, der den Betrachter glauben lässt, einer Frau am Fenster gegenüberzustehen – eine Gesamtkomposition, deren Erfinder eindeutig der Meister selbst war.
Durch die vermutlich erst später hinzugefügte Inschrift auf der Fensterbank wird die Dargestellte als Smeralda Brandini identifiziert. Smeralda Brandinis Sohn Michelangelo war ein angesehener Goldschmied in Florenz, dessen Sohn Bartolomeo unter dem Namen Baccio Bandinelli als Bildhauer arbeitete.
Der englische Präraffaelit (und Fan rothaariger Frauen) Dante Gabriel Rossetti, der das Porträt im 19. Jahrhundert erwarb, glaubte, dass die Abgebildete auch für die zentrale Figur in Botticellis Primavera Modell gestanden hatte – eine Vermutung, die doch eher unwahrscheinlich erscheint, war Smeralda Brandini 1482, als Primavera entstand, vermutlich um die 40 Jahre alt und damit, nach damaliger Auffassung, eine alte Matrone, die gewiss nicht als Personifikation des jungen Frühlings ausgewählt worden wäre.
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Leonardo da Vinci, La Belle Ferronnière, 1495-99

Bei unserer nächsten Dame in Rot tappt die Kunstwelt so ziemlich im Dunkeln. Das fängt bereits damit an, dass sich Leonardo da Vincis Urheberschaft nicht eindeutig belegen lässt. Denn weder trägt das auf Holz gemalte Porträt die Signatur Leonardos, noch findet sich irgendein Hinweis darauf in seinen umfangreichen Notizen. Und so ziehen Fachleute auch in diesem Fall die Möglichkeit in Betracht, dass das Werk von einem Mitarbeiter des Meisters, Giovanni Antonio Boltraffio, oder von Bernardino de Conti, einem im späten 15. Jahrhundert ebenfalls in Mailand tätigen Maler.
Das Gemälde, das heute im Louvre ausgestellt wird, war vor der Französischen Revolution Teil der königlichen Sammlung, dort aufgeführt unter dem Titel La Belle Ferronnière, also jener Name, unter dem das Werk noch immer bekannt ist, der allerdings auch einige Rätsel aufgibt.
Zum Zeitpunkt des Entstehens des Gemäldes hielt sich Leonardo in Mailand am Hofe Ludovico Sforzas auf. Daher werden sowohl dessen Gemahlin Beatrice d’Este, als auch dessen Mätresse Cecilia Gallerani als mögliche Modelle gehandelt. Aufgrund der Verbindung mit Frankreich wurde auch zwei Mätressen König Franz’ I. ins Spiel gebracht: eine Madame Féron sowie die Frau oder Tochter einer Eisenhändlers (frz. „ferronnier“). Beide erblickten jedoch erst um 1500 das Licht der Welt.
Der heute noch gebräuchliche Titel kam vermutlich durch eine Verwechslung mit einem anderen Gemälde der königlichen Sammlung im frühen 18. Jahrhundert zustande. Grund dafür war der Kopfschmuck, ferronière genannt, der nach Franz’ Mätresse, die diese Stirnbänder getragen haben soll, getauft worden war.
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Guillem (William) Scrotes (?), Porträt Elisabeths I. als Prinzessin, um 1546

Bei unserem nächsten Porträt steht zwar wieder einmal die Urheberschaft in Frage, aber dafür gibt es, was die dargestellte Person betrifft, keinerlei Zweifel: es ist die spätere englische Königin Elisabeth I. im Alter von etwa 13 Jahren.
Es ist das erste bekannte Porträt Elisabeths, die bereits auf ein bewegtes Leben zurückblicken konnte. 1533 war sie als Tochter König Heinrichs VIII. und dessen zweiter Ehefrau Anne Boleyn auf die Welt gekommen. Um seine erste Ehe, aus der nur die Tochter Maria hervorgegangen war, mit der spanischen Prinzessin Katharina von Aragon annullieren lassen zu können, hatte Heinrich der katholischen Kirche den Rücken gekehrt und sich selbst zum Oberhaupt einer anglikanischen Staatskirche gemacht. Doch auch Anne Boleyn schenkte ihm nur eine Tochter. Als diese zweieinhalb Jahre alt war, entledigte sich Heinrich VIII. seiner zweiten Ehefrau, indem er sie wegen Ehebruchs enthaupten ließ.
Als 1537 Heinrichs dritte Ehefrau Jane Seymour endlich den ersehnten Thronfolger zur Welt brachte, ließ der König seine beiden Töchter für illegitim erklären. 1544 wurde dies auf Parlamentsbeschluss wieder aufgehoben, sodass Elisabeth auf diesem Porträt als „echte“ Prinzessin dargestellt ist, die von ihren Zeitgenossen als hübsch, lebhaft und sehr gebildet beschrieben wird. Nach dem Tod Heinrichs VIII. 1547 dauerte es noch elf, nicht weniger bewegte, Jahre, bis Elisabeth den englischen Thron bestieg.
Das Porträt der jungen Elisabeth war lange dem flämischen Maler Guillem (William) Scrotes zugeschrieben worden, den Heinrich VIII. 1546 zu seinem Hofmaler ernannt hatte. Diese Zuschreibung wird mittlerweile jedoch (ersatzlos) angezweifelt.
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Claude Monet, Camille im japanischen Kostüm, 1875

Von den mindestens 58 Gemälden, Porträts, Interieurs, Landschafts- und Gruppenbilder, für die Camille Doncieux Claude Monet zwischen 1865 und 1879 Modell saß, konnte der Impressionist Camille im japanischen Kostüm am wenigsten halten, nannte es sogar „Schund“.
Tatsächlich erscheint es ein wenig wie ein Fremdkörper in Monets Œuvre und gleicht keinem anderen seiner Gemälde. Die Ablehnung stand vermutlich damit in Zusammenhang, dass Monet das Bild ausschließlich aus finanziellen Gründen gemalt hatte. Um die wahrscheinlich eines Verkaufs zu steigern, hatte er voll auf den damals populären Japonismus gesetzt und diesen mit ein wenig Patriotismus gewürzt: der Fächer in Camilles Hand weist die Farbe der Tricolore auf. Egal, ob Schund oder nicht, bei einer Ausstellung im Jahr 1876 konnte Monet sein Werk für mehr als 2.000 Franc verkaufen.
Möglicherweise war es Monets Freund und Förderer Ernest Hoschedé gewesen, der diese hohe Summe zahlte, um dem beschämten Maler einen gefallen zu tun, denn nach dem Verkauf konnte das Aufsehen erregende Gemälde aus der Ausstellung entfernt werden. Um diesen „Coup“ perfekt zu machen, zahlte Monet Hoschedé die Summe zurück und nahm das Werk, das im Jahr darauf dann tatsächlich verkauft wurde, wieder an sich.
Ob Monet bei der Arbeit an dem Gemälde bereits ahnte, welche Kontroversen es auslösen würde? Jedenfalls setzte er seiner Modell stehenden Frau Camille eine blonde Perücke auf, um ihre Identität zu verschleiern. Camilles kokettes Lächeln, der sein Schwert ziehende Samurai auf dem Kimono und vielleicht auch die erotische Farbe des exotischen Gewandes, wurden als anzüglich wahrgenommen.
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Aaron Shikler, First Lady Nancy Reagans offizielles Porträt für das Weiße Haus, 1987

„Ich mag Rot, es ist ein Aufmunterer“, bekannte First Lady Nancy Reagan einmal. Tatsächlich wurde sie immer wieder in einem leuchtenden roten Farbton gesichtet, so auch bei der Vereidigung ihres Mannes, des ehemaligen Schauspielers Ronald Reagan zum 40. Präsidenten der Vereinigten Staaten im Jahr 1981. Das leuchtende Rot ihres mit einem Pillbox-Hut komplettierten Kostüms wurde schon bald „Reagan Red“ genannt.
Nancy Reagan wurde oft als erste First Lady mit Stil und Glamour seit Jackie Kennedy gefeiert. Allerdings musste sie auch Kritik einstecken, als ans Licht kam, dass sie Kleider und Kostüme von Designern angenommen hatte, ohne dass diese Spenden irgendwo verzeichnet worden waren. Die Ausstattung der First Lady wurde von den Modeschöpfern als eine praktische Art der Werbung für ihre Entwürfe betrachtet – ähnlich wie es auch auf den Roten Teppichen in Hollywood der Fall ist.
Natürlich wählte Nancy das leuchtende Reagan Red 1987 auch für ihr offizielles Porträt, das zusammen mit den Porträts der anderen First Ladies im Vermeil Room im Weißen Haus zu sehen ist. Ausgeführt wurde es von dem New Yorker Künstler Aaron Shikler, der zuvor bereits das offizielle Porträt von Jackie Kennedy gemalt hatte. Jackie hatte Shikler zudem 1970 den Auftrag für jenes posthume Porträt ihres 1963 ermordeten Mannes erteilt, das Präsident John F. Kennedy in nachdenklicher Pose zeigt.
1987 entstand nicht nur Nancy Reagans offizielles Porträt, das Jahr beinhaltete auch einen „schrecklichen Oktober“, in dem nicht nur Nancys Mutter starb, sondern bei der First Lady auch Brustkrebs diagnostiziert wurde. Nancy Reagan ging offen mit ihrer Erkrankung um, wodurch mehr Frauen in den USA zur Brustkrebsvorsorge gingen.
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