Die Fußschale war eines von 10 Werken der österreichisch-britischen Künstlerin, die am 30. Juli bei Phillips in New York angeboten wurden, als dort die Sammlung von Claire Frankel unter den Hammer kam. Geschätzt auf 20.000-30.000 Euro erzielte die Schale mit einem Durchmesser von 14 Zentimetern nicht weniger als 191.000 Euro (225.000 USD), inklusive Aufgeld, was einen neuen Rekord für Lucie Rie bedeutete.

Die Arbeit stammt aus dem Jahr 1978, einer fruchtbaren Schaffenszeit, in der Rie in ihrem Londoner Atelier in Albion Mews ihre bemerkenswerte Beherrschung von Form und Glasur perfektionierte. Die Fußschale weist eine ungewöhnlich matte Glasur auf sowie Bänder in Mangan und Türkis. Das weiße Porzellan wird am Fuß sowie durch feine senkrechte Linien sichtbar.
Lucie Rie (1902-1995), die 1938 aus Österreich nach London kam, wurde 1968 zum Officer of the Order of the British Empire und 1991 zum Dame Commander ernannt. Nachdem sie in den ersten Jahren in London Knöpfe für die Modeindustrie hergestellt hatte, wandte sie sich der Herstellung einfacher Geschirrteile zu, die schließlich die Aufmerksamkeit moderner Innenarchitekten erregten.
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Ihre auf perfekten Füßen stehenden Schalen, schlanken Vasen innovative Techniken (wie das Auftragen von Lack auf den noch ungebrannten Ton oder das Brennen in nur einem einzigen Vorgang) sowie ihre Dekorationen, die sich auf subtile Einschnitte und Spiralen beschränkten, haben sie zu einer bedeutenden Vertreterin ihrer Disziplin gemacht. Dame Lucie Rie wird vor allem dafür verehrt, dass sie ihre Keramik in einen Dialog mit dem Design und der Architektur der europäischen Moderne gebracht hat.
Oft wird die Arbeit von Lucie Rie mit der von Hans Coper, einem Deutschen, der 1939 ebenfalls nach England geflohen war, verglichen. Coper war nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst der Assistent von Lucie Rie gewesen, bevor er seinen eigenen Stil entwickelte und in den 1950er Jahren sein eigenes Studio eröffnete.

Die im Juli versteigerte Fußschale übertraf den alten Rekord von 2016, der ebenfalls bei Phillips aufgestellt worden war, um 12.500 USD. Bei dem damaligen Rekordobjekt handelte es sich ebenfalls um eine Fußschale aus den späten 1970er Jahren, die zudem an jene Schale erinnert, die auf dem Cover der 1994 veröffentlichten Lucie Rie-Biografie von Tony Birk abgebildet ist.
Die freiberufliche Autorin und Journalistin Claire Frankel (1930-2019), die mit William Frankel, dem Herausgeber des Jewish Chronicle verheiratet war, begann in Anfang der 1980er Jahre Arbeiten von von Lucie Rie zu sammeln. Sie widmete zudem der zeitgenössischen britischen Keramik mehrere Artikel und verfolgte das wachsende Interesse und die Entwicklung dieses Marktsegments.

Frankels Sammlung erzielte knapp 405.000 Euro und umfasste auch eine Arbeit von Hans Coper: eine ovale Vase mit Scheibenausguss aus dem Jahr 1965. Das 30 Zentimeter hohe Gefäß erzielte 138.515 Euro (162.500 USD), inklusive Gebühren.




