Er hat die Art und Weise, wie Porträts wahrgenommen werden, komplett verändert und erneuert.
...sagt Mariane Ibrahim, Inhaberin der gleichnamigen Galerie in New York, wo vom 10. September bis 24. Oktober 2020 die Ausstellung "I Stand by Me" von Amoako Boafo, dem neuen aufstrebenden Stern der zeitgenössischen Kunstszene, gezeigt wurde.
Zweifellos war Boafo einer der am meisten diskutierte Künstler des Jahres 2020. Sein Aufstieg erfolgte in dem Jahr, in dem Rassismus und die Black Lives Matter-Bewegung in den Fokus rückten und das Interesse an Künstlern of Color merklich stieg. Während die einen ihn als herausragenden Künstler erkannten, der die Szene ergänzt und erneuert, nehmen ihn andere bereits als perfekte Quelle für schnelle Gewinne wahr.

Nun ist es nicht so, als wäre Boafo mit diesem Erfolg wirklich zufrieden, wie er in einem Statement gegenüber Artnet erkennen ließ: "Ich weiß nicht, wie ich es verhindern kann, dass meine Werke auf Auktionen verkauft werden". Einen Versuch hat er dann aber doch unternommen, als er am 13. Februar 2020 sein Gemälde The Lemon Bathing Suit, das bei Phillips angeboten wurde, durch eine dritte Person selbst erwarb. Doch das ist bereits (fast) das Ende der Geschichte, die wir hier erzählen möchten. Gehen wir also ein paar Schritte zurück und begleiten Amoako Boafo auf seinem Weg an die Spitze.
Von Ghana nach Wien
Boafo wurde 1984 in Ghana geboren. Nachdem er in jungen Jahren seinen Vater verloren hatte, wuchs er bei seiner Mutter auf, die als Köchin arbeitete. In seiner Freizeit brachte er sich selbst das Malen bei und behauptete sich als semiprofessioneller Tennisspieler. Dann kam der Wendepunkt: Der Arbeitgeber seiner Mutter bot an, für ihn die Gebühren für ein Universitätsstudium zu zahlen. 2008 schloss Boafo sein Studium am Ghanatta College of Art and Design in Accra ab und gewann die Auszeichnung als bester Maler des Jahres.

2014 zog er zusammen mit seiner jetzigen Ehefrau Susanda Mesquita (eine österreichische Künstlerin, die WE DEY, einen Ausstellungsraum für LGBTQ- und anderen Minderheiten angehörende Künstler, gegründet hat) nach Wien und schrieb sich an der dortigen Akademie der bildenden Künste ein. Während er versuchte, in seiner neuen Heimat heimisch zu werden, begann er Porträts von anderen People of Color, die er in der Stadt traf, zu malen, inspiriert vom Stil der Wiener Expressionisten und Sezessionisten, insbesondere Egon Schiele. Der Wendepunkt kam, als ihm klar wurde, dass seine Werke mehr Ausdruckskraft besaßen, wenn er statt mit dem Pinsel direkt mit seinen Fingern auf der Leinwand malte. 2017 wird er mit dem Walter-Koschatzky-Kunstpreis für einen Künstler unter 35 Jahren ausgezeichnet.
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Der Wendepunkt
Im Jahr 2018 war Amoako Boafo noch kaum jemandem bekannt und befand sich noch weit außerhalb der Dynamik des Marktes, während Künstler Kehinde Wiley mit seinen Porträts von Barack und Michelle Obama allen die Show stahl. Auf dem Höhepunkt seines Erfolgs entdeckte Wiley jedoch den aufstrebenden afrikanischen Künstler Boafo auf Instagram und kontaktierte ihn, um ein Werk von ihm zu kaufen.
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Wiley machte auch seine Galeristen (Friedman in London, Templon in Paris, Robert Projects in Los Angeles und Sean Kelly in New York) auf Boafo aufmerksam: "Er ist ein Künstler, von dem ich selbst Arbeiten gekauft habe. Ich deke er ist einer der neuen großen figurativen Künstler, die man im Auge behalten sollte." Einige Wochen später war "I SEE ME", Boafos erste Ausstellung in den USA, die von Robert Projects in L.A. organisiert worden war, bereits am zweiten Tag ausverkauft.

Erfolg auf dem Markt
Mit einem viel größeren Publikum kam der Stress - und ich wusste nicht, was es war, bis meine Werke auf Auktionen angeboten wurden.
Anfang 2019 zog Boafo auf der Frieze Los Angeles die Aufmerksamkeit einiger wichtiger Sammler aufstrebender Schwarzer Künstler auf sich. Die Nachfrage nach Künstlern of Color, insbesondere figurativen, war in den vorangegangenen drei Jahren stark gestiegen und Boafo stand nun im Zentrum dieses Zyklons. Im Sommer desselben Jahres besuchte Amir Shariat, ehemaliger Kunsthändler für die Sammlung der Deutschen Bank, Boafo in dessen Atelier in Wien – und war begeistert. Via FaceTime rief er zwei Sammlerfreunde an, Don und Mera Rubell, die vorher bereits einige Werke von Boafo erworben hatten. Shariat schlug Boafo als Artist-in-residence in der Rubell Family Collection vor, eine der wichtigsten Privatsammlungen für zeitgenössische Kunst der Welt, die 1964 gegründet worden war. Eine wichtige Gelegenheit, die schon früher bedeutenden Künstlern, darunter Oscar Murillo und Sterling Ruby, zu Ruhm verholfen hatte.
Damit erreichen wir den Dezember 2019, als noch niemand ahnte, dass eine Pandemie das kommende Jahr weltweit beherrschen würde, und dass zwei Künstler die Stars der Art Basel Miami Beach sein würden: Cattelan mit seiner Banane und Amoako Boafo.
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Die Auktion bei Phillips
13. Februar 2020, Tag des "20th Century & Contemporary Art Evening Sale bei Phillips. Der Katalog beinhaltet auch The Lemon Bathing Suit, ein Ölgemälde von Amoako Boafo aus dem Jahr 2019. Stefan Simchowitz, ein Sammler aus Los Angeles, hatte es zuvor persönlich für 22.500 USD von Jeffry Deitch gekauft, inklusive des Verbrechens, es in seiner Sammlung zu behalten. Kurz darauf bot er es dann aber doch bei der Auktion von Phillips an, wo das Werk auf 40.000-65.000 USD geschätzt wurde. Verkauft wird es schließlich für 880.971 USD und geht an den jungen Londoner Sammler Ari Rothstein, der jedoch nur als Strohmann in Erscheinung trat. Der tatsächliche Käufer war Amoako Boafo. Und damit sind wir wieder am Beginn der Geschichte.

Boafo, der erkannte, wie der Wert seiner Werke auf dem Markt dramatisch stieg, versuchte sofort, die Kontrolle über die Preise zu übernehmen. Er tat dies mit Rückendeckung von Ari Rothstein und seinem Geschäftspartner Raphael Held. Da er die Gesamtsumme für The Lemon Bathing Suit nicht selbst aufbringen konnte (er hatte mit einem Verkaufspreis von 300.000 USD gerechnet), versprach er den beiden Händlern, als Gegenleistung für die Summe, Kunstwerke im Wert von 480.000 USD zu schaffen, ein großes und zwei mittelgroße: Self Portrait (2019) und Untitled (2019), die zwischen Mai und Juni 2020 bei Sotheby's verkauft wurden, sowie Untitled (2019), dass im Juli bei Phillips den Besitzer wechselte. Die Gesamtsumme betrug 664.000 USD.

In der Zwischenzeit hatten Rothstein und Held ohne schriftliche Vereinbarung mit Boafo The Lemon Bathing Suit für 300.000 USD für einen Privatverkauf angeboten. Verkauft wurde es anscheinend zu einem höheren Preis. Auch Angesichts der 664.000 USD, die die drei Werke Boafos eingebracht haben, kann man sagen, dass Rothstein und Held ganz easy eine halbe Million Dollar verdient haben.
Wie sieht es heute aus?
Wenn die Aufregung endet, wenn sich die Dinge beruhigen, werde ich all die Leute treffen, die glauben, sie könnten mich ficken. Sie können mir nicht sagen, dass Sie ein Werk für sich selbst wollen und es dann weiterverkaufen. Kaufen Sie eines meiner Werke, um es dann in eine Auktion zu geben, denken sie, dass das alles ist in Ordnung, nur weil das das Spiel ist.
Boafo, der während des Lockdowns nach Ghana zurückgekehrt ist, um dort zu arbeiten, sagt, er wolle in Zukunft vorsichtiger sein, bezüglich der Menschen, mit denen er zusammenarbeitet, und denen er seine Werke verkauft. Einige Quellen behaupten, er habe angefangen, Ferraris zu kaufen, was Boafo korrigierend kommentierte: "Nur einen und der ist gebraucht."
Der Sekundärmarkt ist kaum zu regulieren. 2020 wurden mehr als 23 Arbeiten von Boafo versteigert, 13 davon für über 80.000 USD, 6 für mehr als 200.000 USD. Bis Anfang 2019 war Amoako Boafo den meisten praktisch unbekannt. Jetzt ist er der Star der zeitgenössischen Kunst.
Auch in bedeutenden Museen werden mittlerweile Werke von Boafo ausgestellt, darunter das Guggenheim in New York, das Hessel Museum of Art des Bard College, die Albertina in Wien und das Rubell Museum in Miami. Für die Frühjahr/Sommer-Kollektion 2021 kam es zu einer Kollaboration mit Dior, in der Galerie Mariane Ibrahim in Chicago fand mit "I Stand by Me" vom 10. September bis 24. Oktober 2020 eine wichtige Ausstellung seiner Arbeiten statt. Man darf also gespannt sein, was die Zukunft für den ghanaischen Künstler bereit hält.
Warum wir den Stil von Amoako Boafo lieben
Die Hauptidee meiner Arbeitsweise ist es, neue Wege der Annäherung an das Konzept Schwarz zu gehen, zu dokumentieren, zu feiern und aufzuzeigen.
Amoako Boafo ist stark. Seine Porträts von People of Color erzählen von ihm selbst, von seiner Vergangenheit und seiner Gegenwart. Sie erzählen von Menschen und lassen uns darüber nachdenken, wie wir uns heute "der Farbe" nähern. Seine Black Diaspora-Serie, die 2018 begann, ist eine Feier des Lebens mit kräftigen Farben und Figuren. Boafos Ziel ist es, Vorstellungen bezüglich Vorurteilen herauszufordern, die den Begriff Schwarz mit etwas Objektivierendem und Unmenschlichem verbinden, mit einer negativen Bedeutung. Durch die Darstellung der Personen der Diaspora und des afrikanischen Kontinents hebt Boafo echte Selbstwahrnehmung und Schönheit hervor und lädt zum Nachdenken über Vielfalt und Komplexität ein.
Ein Großteil seiner Arbeit ist von seiner Ausbildung inspiriert: Er fordert den Machismo heraus, mit dem er aufgewachsen ist, die Idee, dass der Mensch aggressiv und machtvoll sein muss. Seine Botschaft ist intensiv, gleichzeitig wirken seine Werke jedoch zart, die Motive gelassen und leuchtend. Boafo über seinen Stil: "Ich persönlich mag Mimik. Ich mag das Aussehen der Arbeit und ihre Botschaft und die Fragen, die auf den Gesichtern stehen. Damit das geschieht, muss ich einen sehr einfachen und formlosen Hintergrund wählen, der nicht mit dem Thema interagiert. Dann erst vervollständigen die Kleider das Ganze."

Ich benutze Malerei als Werkzeug, sowohl im wörtlichen Sinne als auch um die menschliche Erfahrung zu steuern. Die Hände und Gesichter der Figuren in meinen Arbeiten sind mit den Fingern bemalt, wodurch ich frei einen ausdrucksstarken Hautton mit Blau-, Rot- und Brauntönen erzeugen und erzielen kann.
In seinen lebendigen Porträts sind die Figuren die einzigen Elemente des Gemäldes, die formal analysiert werden müssen. Die Zuschauer müssen auf sie, ihre Körperhaltung, ihre Kleidung und die Merkmale ihrer Haut achten, um die Aussage von Boafo zu verstehen. Seine Motive werden oft in die Begrenzung der Leinwand eingefügt, so wie seine Unterschrift in einen kleinen "Karton", einem Rechteck, aufbewahrt wird: Ein Detail, das auch Egon Schiele benutzte. Die Umrahmung erinnert daran, dass diese Porträts etwas Komprimiertes sind und dass es neben dem, was der Künstler darstellt, noch viel mehr gibt.

Doch warum lieben wir die Arbeiten von Amoafo Boako denn nun tatsächlich? Weil sie uns genau das geben, was wir jetzt brauchen: Etwas Neues, Frisches, Besonderes, Tiefgründiges. Das gewisse Etwas, das uns das Gefühl gibt, ein aktiver Teil einer Veränderung zu sein, in der Kunst und auch im Leben.
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