Mache es immer besser als nötig.
„Mach es immer besser als nötig“, lautete das Motto von Georges-Édouard Piaget, der 1874 im Alter von nur 19 Jahren auf dem Bergbauernhof seiner Eltern in der Gemeinde La Côte-aux-Fées in der Schweiz seine erste Werkstatt gründete, in der er Uhrwerke und -teile für Marken wie Rolex, Breguet, Longines, Omega und Cartier herstellte – jedoch sehr diskret: niemals signierte er seine Arbeit. Dabei war Qualität für ihn von oberster Bedeutung und sein eigener Anspruch wurde mit seinem Motto mehr als deutlich. Die Uhrwerke von Piaget waren in der Industrie äußerst begehrt, zeichneten sie sich doch durch ihre enorme Flachheit aus, was bis heute ein Markenzeichen des Hauses ist.

1911 übernahm Georges-Édouards Sohn Timothée die Leitung des Familienunternehmens, dem er neue Impulse gab, allen voran ab 1926 den Verkauf von luxuriösen Taschen- und später auch Armbanduhren unter eigenem Namen. Bis zum Eintrag als Handelsmarke sollte es dann aber noch eine Generation dauern: 1943 fand das Ereignis schließlich statt, mit Gérard und Valentin Piaget an der Unternehmensspitze. Die Expansion war nun in vollem Gange: 1945 war das neue, größere Manufakurgebäude in La Côte-aux-Fées fertiggestellt und ein Jahr später war Piaget erstmals auf der Schweizer Uhrenmesse (die spätere Baselworld) vertreten, um den internationalen Markt zu erobern.
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Extreme waren schon immer dazu geeignet, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen. Im Fall Piaget bedeutete dies die Herstellung der flachsten Uhrwerke, was 1957 mit dem nur 2 mm hohen Calibre 9P eindrucksvoll gelang. Nur drei Jahre später kam es zu einem weiteren Rekord, als Piaget das flachste Automatikwerk vorstellte: die nur 2,3 mm messende Höhe des Calibre 12P war Guiness dann auch einen Eintrag in sein Buch der Rekorde wert. Wie flach diese Uhrwerke tatsächlich waren, stellte Piaget nicht zuletzt damit unter Beweis, dass es Münzuhren auf den Markt brachte, bei denen die Uhr vollständig in eine Goldmünze passte.

Seine ultra-flachen Uhrwerke boten Piaget ganz neue Entfaltungsmöglichkeiten im Bereich des Uhrendesigns. Die verbreiterte Oberfläche war wie eine leere Leinwand, die gestaltet werden wollte. 1963 bewies das Unternehmen, dass es nicht nur technische Innovationen liefern konnte, sondern auch künstlerische, indem es die Zifferblätter seiner Zeitanzeiger mit hauchdünn geschnittenen und polierten Plättchen aus Halbedelsteinen gestaltete. Jade, Koralle, Tigerauge, Lapislazuli, Malachit, Türkis, Onyx und andere machten die eleganten Uhren zu Hinguckern, wie es sie bis dahin noch nicht gegeben hatte. Zudem machte die Verwendung der natürlichen Steine jede Uhr zu einem Unikat – und zum absoluten Markenzeichen von Piaget.
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Seine enorme Kreativität bewies Piaget ein weiteres Mal im Jahr 1969, als es seine glamouröse „21st Century Collection“ und damit neue Möglichkeiten präsentierte, wie man eine Uhr tragen konnte. So gab es Sautoire-Modelle, die Zeitanzeiger und Halsschmuck zugleich waren und breite Manschettenarmbänder, die unendlich viele Gestaltungsmöglichkeiten boten.

Natürlich zog soviel Glamour die Aufmerksamkeit berühmter Kunden auf sich, darunter Miles Davis, Björn Borg und Alain Delon. 1967 konnte die ehemalige First Lady Jackie Kennedy einer luxuriösen Schmuckuhr mit einem von Diamanten und Smaragden umrandeten Jade-Zifferblatt nicht widerstehen. Die bekanntermaßen schmuckbegeisterte Elizabeth Taylor besaß mehrere Zeitanzeiger von Piaget, darunter ein auffälliges Modell mit grünem Zifferblatt und einem aus ovalen Ringen gestalteten breiten Armband aus Gelbgold. Die Uhr kam 2011 im Zuge der Versteigerung von Taylors atemberaubender Schmucksammlung unter den Hammer und erzielte 80.500 US-Dollar (der Schätzpreis hatte bei 2.000-3.000 US-Dollar gelegen).
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Auch Künstler fühlten sich von der Kreativität Piagets angezogen. Andy Warhol trug eine Uhr des Hauses am Handgelenk und mit Salvador Dalí kam es 1967 sogar zu einer Zusammenarbeit. Dieser lagen die von Dalí entworfenen Münzen mit seinem eigenen Konterfei und dem seiner Gattin Gala zugrunde. Piaget fragte an, ob man diese Münzen für Uhren- und Schmuckkreationen verwenden dürfe und der exzentrische Künstler sagte ja, jedoch unter der Bedingung, dass seine Schöpfung nicht beschädigt werden dürfe. Das Ergebnis war eine außergewöhnliche, limitierte Kollektion mit Uhren, Anhängern, Ringen, Manschettenknöpfen und weiteren Objekten.
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Apropos Schmuck: Piaget hatte sein Œuvre dahingehend im Jahr 1959 erweitert, als auch die erste Boutique in Genf eröffnet wurde. Genau wie bei den Uhren setzte Piaget auch hier auf höchste Qualität, man schuf nicht einfach nur Schmuck, sondern bewegte sich im Bereich der „Haute Joaillerie“. Tatsächlich stand der schmückende Aspekt, den eine Uhr haben kann, bei Piaget schon immer genauso sehr im Fokus wie der funktionale und man setzte ausschließlich auf Uhren aus Gold und Platin.
1979 landete Piaget den nächsten Coup, als es die Uhr Polo auf den Markt brachte. Das außergewöhnliche Design ließ das Uhrengehäuse und das Armband ineinander übergehen. Auffällig, aber absolut unaufdringlich, wurde die Uhr zum Must-have des Jetsets der folgenden Jahre.

Im Hause Piaget hatte mit Yves Piaget mittlerweile die vierte Generation das Zepter übernommen und man zeigte sich auch in Sachen Vermarktung von der innovativen Seite. Als erste Marke des Luxussektors setzte man auf glamouröse Events mit prominenten Gästen – ein Konzept, das mittlerweile von vielen anderen übernommen wurde und gewissermaßen zum Tagesgeschäft eines Luxuslabels gehört.
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Dennoch endete 1988 die Unabhängigkeit und Piaget wurde Teil der Vendôme Luxury Group (heute Richmond), die ihren Tochterunternehmen jedoch viel Freiraum lässt. So auch bei Piaget, wo man auch weiterhin zeigte, dass mit kreativen und innovativen Ideen zu rechnen ist. Um die Jahrtausendwende entstanden die von beweglichen Elementen geprägte Kollektion Possession oder auch die ultra-flache Uhr Altiplano, benannt nach der Hochebene in Südamerika. Bei der Überarbeitung des Modells Polo verwendete man erstmals Edelstahl und schuf damit eine moderne Sportuhr, die es mit ähnlichen Modellen anderer berühmter Marken aufnehmen kann. Und auch mit dem Thema flache Uhrwerke hatte Piaget noch lange nicht abgeschlossen, und präsentierte 2002 mit dem Calibre 600P das mit einer Höhe von nur 3,5 mm bis dato flachste Tourbillon-Werk der Welt.

Piaget ist mit seinen Boutiquen heute rund um den Globus präsent, fliegt im Vergleich zu anderen Marken des Luxussektors wie Rolex, Cartier oder Patek Philippe, aber meistens unterm Radar. Und das völlig zu Unrecht, denn was Innovation und Kreativität betrifft, war Piaget der Konkurrenz in vielerlei Hinsicht oftmals einen Schritt voraus. Und wer nach einer Vintage-Uhr sucht, die nicht jeder hat und die (noch) einigermaßen erschwinglich ist, sollte Piaget für die nächste Auktion definitiv im Hinterkopf behalten.








