Rund fünfzig Lose waren am 26. Mai im zweiten Teil der „Master Paintings“-Auktion von Sotheby’s New York bereits zum Aufruf gekommen, als mit der Losnummer 353 das nur 24,4 x 31,4 cm messende Porträt eines Hündchens mit – gelinde gesagt – unvorteilhaftem Haarschnitt die Bühne betrat. Am Rand der Tischplatte, auf der der Hund neben einem Tintenfass mit Feder und einem mit Buchstaben beschrifteten, gefalteten Blatt Papier platziert worden war, ist die Signatur „De Lamarre“ zu erkennen, was auf den französischen Tiermaler Jacques Barthélémy Delamarre hindeutet, der im späten 18. und frühen 19. Jahrhundert aktiv war. Außer einigen weiteren Werken von seiner Hand ist nicht viel über Delamarre bekannt, nur, dass er 1777 in die Académie Saint-Luc in Paris aufgenommen wurde.
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Viel erwartet hatte man sich für das Ölgemälde, das mit einem Schätzpreis von 3.000-5.000 US-Dollar aufgerufen wurde, nicht und es wurde auch nicht einmal ein Mindestpreis verlangt. Dass es dennoch zu einem emsigen Bieten kam, war zweifellos der Tatsache geschuldet, dass das Werk einen Hund Königin Marie Antoinettes darstellen soll: Pompon, ein Pudel oder vielleicht auch Cavalier King Charles Spaniel. Verkauft wurde das Bild schließlich für 279.400 US-Dollar, was beinahe dem Hundertfachen des unteren Schätzpreises entspricht.
Hunde waren an den Höfen Europas von jeher gern gesehen. Auch Marie Antoinette besaß im Laufe ihres Lebens mehrere dieser Vierbeiner, wobei die Informationen über sie dürftig und teilweise widersprüchlich sind. Nachdem sie im Alter von vierzehn Jahren den französischen Thronfolger geheiratet hatte, soll sie zwei Hunde gehabt haben, die ihr in Versailles Gesellschaft leisteten, jedoch als „unsauber“ beschrieben wurden. Nichtsdestotrotz wollte Marie Antoinette ihr kleines Rudel gerne noch vergrößern und bat den österreichischen Botschafter Graf de Mercy-Argenteau, ihr aus ihrer Heimatstadt Wien einen Mops zu besorgen, was auch geschah. In Sofia Coppolas Film Marie Antoinette (2006) wird es so dargestellt, dass dieser Mops die damalige Erzherzogin Maria Antonia auf deren Reise nach Frankreich begleitete, ihr jedoch bei der Übergabe an den neuen Hofstaat weggenommen wurde. Später wurden sie in Versailles wiedervereint. Doch lässt es sich nicht belegen, dass es sich bei dem Mops, den Marie Antoinette bei Mercy-Argenteau „bestellte“, tatsächlich um ihr ehemaliges Haustier handelte.
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Nicht wirklich gesichert ist auch jene Episode, nach der Marie Antoinette stolze Besitzerin eines Leonbergers, also eines zur Abwechslung großen Hundes, wurde. Dieser Hund, der nach dem nordischen Hauptgott Odin benannt worden war, soll ein Geschenk des schwedischen Grafen Hans Axel von Fersen gewesen sein. Von Fersen war Marie Antoinettes „besonderer Freund“ und wie ließe sich eine Liebe wohl besser symbolisieren, als durch das Geschenk eines Tieres, das für seine Treue bekannt ist (auch wenn der Graf in Wirklichkeit nie treu war)?
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Der letzte Hund in Marie Antoinettes Leben war ein Geschenk ihrer lieben Freundin Prinzessin Marie-Thérèse de Lamballe, die wie ihre Königin die Revolution nicht überleben sollte. Hier gehen die Informationen wirklich weit auseinander, sowohl, was die Rasse und den Namen, als auch den späteren Lebensweg betrifft. Möglicherweise handelte es sich um einen Zwergspaniel, einen sogenannten „Papillon“ – eine Bezeichnung, die auf die an Schmetterlingsflügel erinnernden Ohren zurückzuführen ist. Zunächst soll das Tierchen auf den Namen Thisbe gehört haben, dann aber in Coco oder Mignon umbenannt worden sein. Coco/Mignon begleitete seine Herrin in die Gefangenschaft und nach einigen Quellen bis ans Schafott, wo er nach der Enthauptung Marie Antoinette so sehr gejault haben soll, dass eine der Wachen ihn aufgrund seines „pro-aristokratischen“ Verhaltens erstach. Eine andere Version besagt, dass Madame de Tourzel, die letzte Gouvernante der königlichen Kinder, Coco/Mignon zu sich nahm, wodurch der Hund das stolze Alter von 22 Jahren erreicht haben soll.
Von dem vorliegenden Gemälde, das Marie Antoinettes Hund Pompon zeigen soll, malte Jacques Barthélémy Delamarre mehrere Versionen, die sich in der Größe des Hundes, dessen Frisur und den beigegebenen Objekten unterscheiden.
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