Die fünfzehn Jahre währenden Gespräche und Verhandlungen zwischen der nordrhein-westfälischen Stadt Hagen und den Erben des jüdischen Bankiers Jakob Goldschmidt (1882-1955) sind nun zu einem für beide Seiten zufriedenstellenden Ende gekommen: Pierre-Auguste Renoirs Blick von Haute-Cagnes aufs Meer von 1910 wird weiterhin im Osthaus Museum in Hagen zu sehen sein. Die Stadt hatte das Gemälde an die Erben Goldschmidts restituiert, konnte es von diesen jedoch wieder zurückkaufen. Ermöglicht wurde dies durch die finanzielle Unterstützung der Kulturstiftung der Länder, des Landes Nordrhein-Westfalen sowie der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.
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„Die Erben Jakob Goldschmidts sind froh, dass diese Angelegenheit nach mehr als 15 Jahren intensiven Austausches nunmehr zu einem beide Seiten zufriedenstellenden Abschluss gebracht werden konnte“, erklärt Dr. Sabine Rudolph, die Anwältin der Erben Jakob Goldschmidts in einer Pressemitteilung der Stadt Hagen. „Die mit der Restitution des Gemäldes verbundene Anerkennung der Tatsache, dass ihr Großvater während des NS-Regimes erhebliches Unrecht auch in Gestalt massiver Vermögensverluste erlitten hat, und die Bereitschaft der Stadt Hagen, dieses Unrecht im Rahmen ihrer Möglichkeiten wiedergutzumachen, obwohl sie selbst nicht unmittelbar davon profitierte, bedeutet ihnen viel.“
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Das 1910 ausgeführte Gemälde wurde von der Pariser Kunsthandlung Bernheim-Jeune vermutlich aus dem Nachlass des 1919 verstorbenen Renoir erworben. Über die Galerie Matthiesen in Berlin wurde es vor 1930 an Jakob Goldschmidt vermittelt. Goldschmidt, einer der bedeutendsten Bankiers der Weimarer Republik, sah sich aufgrund seines jüdischen Glaubens 1933 gezwungen, aus Deutschland zu fliehen. Über die Schweiz gelangte er in die Vereinigten Staaten. Seine Kunstsammlung blieb in Berlin zurück und wurde 1941, als Goldschmidt seine deutsche Staatsbürgerschaft entzogen wurde, konfisziert und anschließend versteigert. Weitere Stationen waren die Galerie Nathan in Zürich und die Sammlung von Fritz Berg, erster Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, bevor es 1989, zusammen mit der gesamten Sammlung Berg, als Schenkung in den Besitz des Osthaus Museums in Hagen überging.
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Das Osthaus Museum in Hagen war 1902 unter dem Namen Folkwang-Museum vom bedeutenden Kunstsammler und -mäzen Karl Ernst Osthaus (1874-1921) gegründet worden, dessen Sammlung neben Vertretern der Moderne auch viele französische Impressionisten umfasste. Nach Osthaus’ Tod gingen seine Sammlung und das Folkwang-Konzept mit den Namensrechten 1922 an die Stadt Essen über, wo das Museum Folkwang in seinem Jubiläumsjahr 2022 442.000 Besucher anlocken konnte. Im Museumsbau in Hagen wurde 1930 das Christian-Rohlfs-Museum gegründet, dessen Sammlung jedoch 1937 als „Entartete Kunst“ eingestuft und eingezogen wurde und später Bombardierungen und Plünderungen zum Opfer fiel. Das heutige Osthaus Museum Hagen wurde 1945 eröffnet und konnte Dank vieler Schenkungen an sein ursprüngliches Konzept anschließen.
Blick von Haute-Cagnes aufs Meer wird zukünftig mit einer entsprechenden Vermerk zu seiner besonderen Provenienzgeschichte ausgestellt werden.
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