1833 erschien in Neapel, der Hauptstadt des Königreichs beider Sizilien, erstmals die Zeitung L’Omnibus, eine von Intellektuellen veröffentlichte Publikation, die von der neapolitanischen Elite gelesen wurde. Abonnenten außerhalb der Stadt wurde L’Omnibus zwei- bis dreimal pro Woche per Post zugestellt. Einer dieser Abonnenten hieß Luigi Rocco, der einen Bauernhof nebst Weinberg im südöstlich von Neapel gelegenen Baronissi sein Eigen nannte. Dort wurden die zugesandten Ausgaben nach dem Lesen sorgsam aufbewahrt, was ihre kürzliche Wiederentdeckung möglich machte.
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Mehr als 120 Ausgaben aus den Jahren 1858, 1860 und 1861 werden aktuell in einer Onlineauktion des dänischen Auktionshaus Bruun Rasmussen angeboten. Dies waren die entscheidenden Jahre des Risorgimento, dessen Ziel es war, das weitgehend unter Fremdherrschaft stehende Italien zu einem einheitlichen Nationalstaat zu vereinen. Während Lombardo-Venetien im Norden zum Habsburgerreich gehörte, herrschten im süditalienischen Königreich beider Sizilien die französisch-spanischen Bourbonen. Am 17. März 1861 wurde schließlich das Königreich Italien ausgerufen, mit König Viktor Emanuel II. von Sardinien-Piemont aus dem Haus Savoyen als konstitutionellen Herrscher, wobei einige Gebiete, darunter der Kirchenstaat, erst später hinzukamen.
Natürlich sind die vorliegenden Ausgaben von L’Omnibus interessante Zeitdokumente, doch ist das nicht der Grund für ihre hohe Bewertung von insgesamt 140.000 Euro. Die Gründe sind oben rechts auf der Titelseite jeder Ausgabe zu finden, gleich neben bzw. auf den Adressaufklebern, die Luigi Rocco in Baronissi als Empfänger ausweisen. Gemeint sind natürlich die Briefmarken, von denen einige ganz besondere Highlights darstellen. Zuvorderst zu nennen sind hier die ikonischen Trinacria-Marken, die erstmals im November 1860 ausgegeben wurden und bei Sammlern äußerst begehrt sind.
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„Das Baronissi-Archiv enthält nicht weniger als acht Zeitungen, die mit dieser spektakulären Briefmarke frankiert wurden, die nur 30 Tage im Umlauf war. Sie sind alle in außergewöhnlich gut erhaltenem, schönem und makellosem Zustand“, erklärt Bruun Rasmussens Briefmarkenexperte Torben Ringtved und fügt über das absolute Prunkstück der Sammlung hinzu: „Diese Zeitung wurde am Ausgabetag der Briefmarke, dem 6. November 1860, verschickt und ist damit eine ganz besondere Ersttagsausgabe. Vor der Entdeckung des Baronissi-Archivs waren nur zwei Exemplare einer Ersttagsausgabe wie dieser bekannt, sodass das kürzlich wieder aufgetauchte Exemplar als internationale Rarität der höchsten Güte angesehen werden kann.“
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Ebenfalls interessant sind die mehr als 25 Zeitungsausgaben, die mit den auf die Trinacria-Marken folgenden Briefmarken mit dem blauen Savoyer Kreuz frankiert wurden, die zu den begehrtesten philatelistischen Schätzen Italiens zählen.
„Die meisten dieser Savoyer Kreuz-Ausgaben sind von außergewöhnlicher Qualität, und unter den Juwelen befinden sich nicht weniger als vier Exemplare der äußerst seltenen ‚Doppel-T‘-Ausgabe“, erklärt Ringtved, der abschließend zusammenfasst: „Die Entdeckung des Baronissi-Archivs ist nichts weniger als eine Sensation und ein großer philatelistischer Coup. Diese Sammlung wird sicherlich selbst die anspruchsvollsten Sammler klassischer Briefmarken aus ganz Europa fesseln.“
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