Auch im Jahr 2019 hagelte es auf den internationalen Auktionsbühnen wieder jede Menge Rekorde. Der im November 2017 aufgestellte "Super-Rekord" für Leonardo da Vincis Salvator Mundi (450 Millionen USD) blieb, wie zu erwarten war, unangetastet, doch in vielen Kategorien konnten entsprechende Kunstwerke und Objekte den obersten Platz auf dem Siegertreppchen für sich beanspruchen.

Zunächst einmal wurde Claude Monets Meules von 1890 zum teuersten Kunstwerk des Auktionsjahres 2019. Mit den damit erzielten 110,7 Millionen USD kann sich der Impressionist nun auch in die Top 10 der teuersten Künstler in einer Auktion einreihen.

2019 gab es auch einen neuen teuersten lebenden Künstler, bzw. einen erneuten. Mit seiner Skulptur Rabbit aus dem Jahr 1986 (Preis: 96,1 Millionen USD) stieß Jeff Koons David Hockney vom Thron, der diesen Koons erst 2018 hatte abspenstig machen können.

Ebenfalls noch am Leben - also vermutlich - von 96,1 Millionen USD aber noch weit entfernt, ist Geheimniskrämer Banksy. Einen neuen Preisrekord gab es für ihn aber auch, dieser lag allerdings bei "läppischen" 9,9 Millionen GBP. Gezahlt wurden diese für das großformatige Werk Devolved Parliament, das das britische Parlament auf die Schippe nimmt. Ein solches Werk vor dem Hintergrund des Brexit-Tohuwabohu in London anzubieten, war bestimmt nicht die schlechteste Idee des Einlieferers...
Monet, Koons, Banksy - das sind Namen, die man kennt, die auf dem Auktionsmarkt immer wieder eine wichtige Rolle spielen. Doch auch weniger bekannte Künstler konnten 2019 neue Rekordverkäufe für sich verbuchen, darunter auch der Japaner Yoshitomo Nara, dessen von Animes inspiriertes Knife Behind Back Anfang Oktober für 24,9 Millionen den Besitzer wechselte.

Eine Sensation gab es auch im Bereich "unverhofft kommt oft", als sich ein religiöses Gemälde, das kaum beachtet in der Küche einer älteren Dame in Frankreich hing, als Werk des bedeutenden mittelalterlichen Florentiner Künstlers Cimabue entpuppte. Doch damit nicht genug: als der Sensationsfunde Ende Oktober versteigert wurde, lautete das Endergebnis 24,1 Millionen Euro, was das Werk zum teuersten vor 1500 entstandenen Kunstwerk machte.

Viel Erfreuliches hielt das Jahr 2019 auch für Künstlerinnen bereit, konnten doch gleich mehrere von ihnen neue persönliche Rekorde aufstellen, was ein ständiges Updaten unserer Liste der teuersten Künstlerinnen der Welt erforderlich machte - aber das tut man nun wirklich gern!

Ihren bisherigen Rekordpreis beinahe verdoppeln konnte Lee Krasner mit The Eye is the First Circle von 1960, das seinem neuen Besitzer 11,7 Millionen USD wert war. Ihren Platz als zweitteuerste Künstlerin des Auktionsmarktes verteidigen und sogar weiter ausbauen konnte Louise Bourgois, als Spider (L.B. 2/6 97) für 28,2 Millionen USD verkauft wurde. Zum Vergleich: 2011 war die Arbeit schon einmal versteigert worden und hatte nur 10,7 Millionen Euro erzielt.

Im November gab es auch noch einen neuen Rekord für Tamara de Lempicka, genauer gesagt, für das sinnliche Portrait von ihrer Muse Rafaëla. Mit dem dafür gezahlten Preis von 13,3 Millionen USD konnte die Malerin einige Plätze in der Liste vorrücken.

Einen Neueinstieg in die Liste der teuersten Künstlerinnen gab es durch die erfolgreiche Versteigerung des Portraits des indischen Gesandten Mohammed Dervish Khan von Élisabeth Vigée-Lebrun, ihres Zeichens Lieblingsmalerin von Marie Antoinette. Die dafür gezahlten 7,2 Millionen USD machen Vigée-Lebrun zudem zur teuersten Alten Meisterin. Ob ihr dieser Titel vielleicht schon bald wieder entrisse wird? Den Rang ablaufen könnte ihr sehr wahrscheinlich Artemisia Gentileschi, deren im November in Paris versteigertes Bildnis der Lucretia mit 4,78 Millionen Euro einen neuen Rekordpreis für die Barockmalerin aufstellte.

Doch nicht nur in Sachen Kunst wurden neue Rekorde aufgestellt, viele andere Kategorien konnten da mithalten. So wurde Mitte August im kalifornischen Monterey der höchste jemals gezahlte Preis für einen Aston Martin DB5 erzielt (rund 6,4 Millionen USD). Es war ja auch nicht irgendein DB5, sondern jener, der Agent James Bond in zwei 007-Abenteuern zur Seite stand. Ganz anders verlief hingegen die Versteigerung - oder vielmehr der Versteigerungsversuch - des Ur-Porsches, der auf derselben Auktion von RM Sotheby's angeboten wurde. Nach einem merkwürdigen Missverständnis wollte niemand den Porsche Typ 64 von 1939 mehr haben.

Auch der Spitzenplatz für eine Armbanduhr wurde neu vergeben. Und zwar relativ unauffällig, was daran liegt, dass es keine gewöhnliche Auktion war, auf der sie angeboten wurde, sondern eine Charity-Auktion für geladene Gäste in Genf. Patek Philippe hatte für das Event eine einzigartige Uhr angefertigt, die dem guten Zweck 31 Millionen CHF einbrachte.

Die Bieter waren 2019 eindeutig in Geberlaune, selbst in eher ungewöhnlichen Kategorien. Nachdem bereits im März ein seltenes Super Mario Bros.-Spiel von Nintendo mit einem erzielten Preis von 100.150 USD einen neuen Rekord für ein Spiel seiner Art aufstellen konnte, sah das vergangene Jahr im Oktober auch noch den höchsten je gezahlten Preis für eine Pokémon-Sammelkarte (195.000 USD).

Auch für älteres Spielmaterial wurden sensationelle Summen auf den Tisch gelegt. 819.000 Euro war dem Höchstbietenden im Juli eine Figur aus dem mittelalterlichen, im 19. Jahhrundert in Schottland gefundenen Lewis-Schachspiel wert.

Und wo wir gerade in Schottland sind: 2019 brachte der Welt auch ein neues Rekordergebnis für einen Whisky: 1,5 Millionen Euro wurden im Oktober bei Sotheby's für eine Flasche des The Macallan Fine & Rare 60-Year-Old 1926 hingeblättert.

2019 - was für ein Auktionsjahr! Bleibt nur zu hoffen, dass 2020 genauso spannend wird! Aber wann hat es schon einmal ein Auktionsjahr ohne Highlights gegeben?




