In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts veränderte sich die Welt so rasant wie in keiner anderen Epoche der Menschheitsgeschichte zuvor. Während um 1900 noch immer Pferd und Wagen das geläufigste Fortbewegungsmittel gewesen waren, umkreiste nur 60 Jahre später Juri Gagarin als erster Mensch im Weltall die Erde. Der technische Fortschritt (und der Glaube daran) waren immens. Die Großstädte wuchsen immer schneller, Elektrizität wurde allgemein verfügbar und neue Materialien und die einsetzende Massenproduktion boten immer mehr Möglichkeiten. Hinzu kamen der zunehmende Verkehr auf Straßen, Schienen und in der Luft sowie die Entwicklung des Informations- und Freizeitangebots durch Fotografie, Radio, Film und später Fernsehen. Stadtplaner, Architekten und (Industrie-)Designer standen vor der Frage, wie das urbane Leben künftig aussehen sollte und hatten darauf gleich mehrere Antworten.
Noch vor dem Ersten Weltkrieg war der Expressionismus mit seinen organischen Formen aufgekommen, ebenso der Futurismus, bei dem der technische Fortschritt im Mittelpunkt stand. Mit dem Bauhaus-Funktionalismus hielten schließlich Geometrie und Reduktion Einzug, während die Art déco-Architektur Nüchternheit durch luxuriöse Ornamente ersetzte.
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All diese Stile sind nicht klar voneinander abzugrenzen und dasselbe gilt auch für die Stromlinien-Moderne (engl. Streamline Moderne), die sich in den 1920er Jahren zu entwickeln begann, um dann in den 1930er Jahren so Richtig Fahrt aufzunehmen – und dies ist eine sehr treffende Wortwahl, hatte der Stil doch zum Ziel, Bewegung sichtbar zu machen.

Die Basis für diese Art der Formgebung bildete die Aerodynamik, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Automobil- und Luftfahrtechnik eine immer wichtigere Rolle spielte. Als eines der ersten Alltagsobjekte, das unter diesen Vorgaben geschaffen worden war, wurde 1921 der Rumpler-Tropfenwagen auf der Deutschen Automobilausstellung in Berlin vorgestellt. Ebenfalls in Berlin entstand zwei Jahre später durch den Umbau des Mossehauses ein frühes Beispiel für die Architektur der Stromlinien-Moderne, die durch horizontale Linien, abgerundete Ecken und geschwungene Konturen gekennzeichnet war.
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Die Fenster waren groß und oft in horizontalen Reihen angeordnet. Auch Bullaugen kamen vor, was den maritimen Einfluss auf den Stil widerspiegelt. Letztes kam besonders bei der französischen Ausprägung der Stromlinien-Moderne zum Tragen (Style paquebot), bei der die Ästhetik der großen Ozeandampfer (frz. paquebot) von Bedeutung war.

Die Architektur der Stromlinien-Moderne ist praktische überall anzutreffen, in London und Los Angeles genauso wie in Hongkong und Melbourne. Mitverantwortlich für diese globale Verbreitung soll die Weltausstellung in Chicago von 1933/34 gewesen sein, deren Slogan „Science Finds, Industry Applies, Man Conforms“ („Die Wissenschaft entdeckt, die Industrie wendet an, der Mensch passt sich an“) lautete und in deren Pavillons Objekte der neuen Ästhetik anzutreffen war.
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Die Streamline-Moderne verbreitete sich jedoch besonders stark in den Vereinigten Staaten, vor allem in New York, Chicago, Los Angeles, Miami und Detroit. Autos, Züge, Schiffe und Flugzeuge wurden mit stromlinienförmigen Formen gestaltet, ebenso eine Vielzahl an Gebäuden, wobei die Häufigkeit bei Tankstellen und Busstationen bemerkenswert ist, aber auch hervorragend zur Thematik passt. Auch die berühmten, an Eisenbahnwagons erinnernden Diners dieser Epoche basieren auf der Ästhetik des Streamline Moderne.
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Hinzu kommen Möbel und Alltagsgegenstände, darunter Staubsauger, Toaster und Radios, die mit aerodynamischen Elementen entworfen und hergestellt wurden.

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Von Südkalifornien ausgehend, entwickelte sich das Streamline Moderne in den USA ab Mitte der 1940er Jahre weiter zum farbenfrohen und dynamischen Googie-Stil, der geradezu emblematisch für die amerikanischen Ästhetik der 1950/60er Jahre wurde. Darüberhinaus lässt sich die Weiterentwicklung der Stromlinien-Moderne – in Kombination mit dem Mid-century modern – bis zum Space Age-Design weiterverfolgen.


