1. Carpaccio
Das Carpaccio, das aus hauchdünn geschnittenen Scheiben rohen Rindfleischs besteht, zählt zu den beliebtesten italienischen Vorspeisen – ist jedoch noch relativ jung. Erfunden wurde es erst 1950 in der Harry’s Bar in Venedig, nachdem einer Stammkundin, die an Blutarmut litt, von ihrem Arzt untersagt worden war, gegartes Fleisch zu verzehren. Das Gericht beruht auf der traditionellen piemontesischen Vorspeise Carne Cruda all’Albese und wurde zunächst mit einer Sauce auf Mayonnaise-Basis serviert. Heute wird das Fleisch meist zusammen mit Rucola, gehobeltem Parmesan und Olivenöl genossen. Der Name der neuen Kreation wurde vom Gründer und Inhaber der Harry’s Bar beigesteuert: Weil ihn die Farbe des Gerichts an die Rottöne in den Gemälden des venezianischen Renaissancemalers Vittore Carpaccio (1465-1526) erinnerten, wählte Giuseppe Cipriani diesen als Namenspaten. Den Einfall hatte er vermutlich durch eine damals stattfindende Carpaccio-Ausstellung im Dogenpalast, wobei das Gemälde Die Predigt des heiligen Stephanus (siehe Titelbild) häufig als spezifische Inspirationsquelle genannt wird.
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Jenes Ereignis war allerdings nicht das erste Mal, dass Cipriani eine Erfindung seines Lokals nach einem Künstler der Lagunenstadt benannte. Bereits 1948 hatte er einen Cocktail aus Prosecco oder Champagner und püriertem weißen Pfirsich Bellini getauft, für den Giovanni Bellini (1437-1516), Venedigs bedeutender Maler der Frührenaissance, Pate stand.
2. Picasso-Drückerfisch
Gleich vorweg: Ein Fisch ist natürlich kein Ding, sondern ein bezauberndes Unterwasserwesen, das Schnorchler, Taucher und bisweilen auch den Gaumen erfreut. Drückerfische treiben sich in den tropischen und subtropischen Regionen der drei Ozeane herum und werden in 43 Arten unterteilt. Aus gegebenem Anlass möchten wir uns an dieser Stelle mit dem Picasso-Drückerfisch beschäftigen, den so mancher Maledivenurlauber bestimmt schon einmal angetroffen hat, denn das possierliche Tierchen nennt vor allem die Korallenriffe des Indopazifiks sein Zuhause. Der wissenschaftliche Name lautet Rhinecanthus aculeatus und ursprünglich wurde der Fisch Weißbinden- oder Lagunen-Drückerfisch genannt. Die auffällige Färbung mit einem abstrakt-kubistisch anmutenden Muster brachte ihm in Aquarianer- und Taucherkreisen den Namen Picasso-Drückerfisch ein, was sich schließlich auch durchgesetzt hat.
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3. Salvador Dalí-Wüste
Von der Unterwasserwelt des Indischen Ozeans begeben wir uns nun in die luftigen Höhen der Anden, genauer gesagt in die südwestliche Ecke Boliviens, wo eine 110 km² große Steinwüste nach dem berühmtesten aller Surrealisten benannt wurde: Salvador Dalí (1904-1989). Die Desierto de Salvador Dalí befindet sich auf rund 4.000 Metern über dem Meeresspiegel und ist Teil des Reserva Nacional de Fauna Andina Eduardo Avaroa, dem meistbesuchten Nationalpark Boliviens. Und genau in dem Zusammenhang ist auch die ungewöhnliche Namensgebung der Wüste zu finden. Salvador Dalí war nämlich nie in Bolivien, geschweige denn in besagter Wüste, und scheint auch sonst keine engere Verbindung zu dem Land gehabt zu haben. Der für eine Wüste eher ungewöhnliche Name stammt von den besagten Touristen, die die dortigen vom starken Wind geformten Felsformationen an Gemälde von Salvador Dalí erinnerten, wie beispielsweise das berühmte Die Beständigkeit der Erinnerung (1931).
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4. Ansel Adams Wilderness
Unser nächstes Reiseziel wurde nach einem Künstler benannt, eben weil dieser so oft dort war und es wiederholt in seinen Werken abbildete. Die fast 100.000 Hektar umfassende Ansel Adams Wilderness befindet sich in der kalifornischen Sierra Nevada und grenzt dort an den Yosemite Nationalpark. Gegründet worden war das Gebiet (eine Wilderness beschreibt einen natürlichen Lebensraum, der von menschlichen Einflüssen weitgehend unberührt geblieben ist) 1964 unter dem Namen Minarets Wilderness. Dieser wurde jedoch zwanzig Jahre später geändert in Ansel Adams Wilderness, um an den bedeutenden Fotografen und Umweltschützer Ansel Adams (1902-1984) zu erinnern, der kurz zuvor verstorben war und der sich Zeit seines Lebens nicht nur der fotokünstlerischen Abbildung, sondern auch dem Erhalt der Natur seiner kalifornischen Heimat gewidmet hatte. Auch ein 3.586 m hoher Berg in der Region, Mount Ansel Adams, wurde nun offiziell nach Adams benannt.
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Ansel Adams ist jedoch nicht der einzige Künstler, der in den Landschaften der Vereinigten Staaten seine Spuren hinterlassen hat. So erinnern etwa der Mount Bierstadt und der Bierstadt Lake in Colorado an den deutsch-amerikanischen Maler Albert Bierstadt, dessen Landschaftsgemälde den amerikanischen Westen im 19. Jahrhundert einem breiteren Publikum vorstellten.
5. Effigia okeeffeae
Im Jahr 2004 wurde Sterling Nesbitt, ein Doktorand der Paläontologie an der Columbia University, damit beauftragt, einige 1947 gesammelte Fossilienfunde von der Ghost Ranch in New Mexico, die im American Museum of Natural History in New York aufbewahrt wurden, von ihren Gipshüllen zu befreien und näher zu untersuchen. Dabei stieß er unter anderem auf ein Urzeitwesen, jedoch nicht wie erwartet auf einen Dinosaurier, sondern auf eine neue Gattung aus der Familie der Shuvosaurier, die eng mit den heutigen Krokodilen verwandt sind. Gemeinsam mit Mark Norell, dem Kurator des Naturkundemuseums, gab Nesbitt dem Geschöpf 2006 den wissenschaftlichen Namen Effigia okeeffeae, womit er sich auf die Malerin Georgia O’Keeffe (1887-1986) bezog, die lange Zeit auf der Ghost Ranch gelebt hatte. Effigia okeeffeae war ein Pflanzenfresser von ca. 2 Metern länge, der in der späten Trias vor ca. 200-230 Millionen Jahren lebte.
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6. Teenage Mutant Ninja/Hero Turtles
Als 1984 das erste Comicheft mit der Geschichte um vier im fernöstlichen Nahkampf ausgebildeten, humanoiden Schildkröten erschien, wurde dieses ein so großer Erfolg, dass es ein umfangreiches Franchise mit einer Zeichentrickserie, Kinofilmen, Computerspielen und Actionfiguren zur Folge hatte. Damit gerechnet hatten die Schöpfer, Kevin Eastman und Peter Laird, eigentlich nicht, hatten sie doch eigentlich nur eine Parodie auf die damaligen Comichelden erschaffen wollen. Nachdem die vier Riesenschildkröten ursprünglich japanische Namen bekommen sollten, war es Eastman, der die Kunst der Renaissance sehr schätzt, der auf die Idee kam, als Namen Leonardo, Donatello, Michelangelo und Raffael zu wählen, was zusätzlich eine humoristische Gegenüberstellung von Renaissancekunst und aktueller Underground-Pop-Kultur bedeutete.




