Vor 100 Jahren waren die USA trocken – nicht im Sinne einer Dürre, sondern im Sinne der Prohibition, die seit 1920 den Verkauf von Alkohol gesetzlich unter Strafe stellte. Doch war Amerika wirklich vollständig „antialkoholisiert“? Nein, in vielen Städten, allen voran Chicago und New York, gab es die sogenannten Speakeasys („Flüsterkneipen“), in denen der meist vom organisierten Verbrechen bereitgestellte Alkohol genossen wurde. Und das nicht nur von Männern, auch so manche Frau war mit Begeisterung dabei und genoss das Prickeln des Verbotenen – und ihre Freiheit.

In den ersten zwanzig Jahren des 20. Jahrhunderts hatte sich für Frauen vieles verändert: In einigen Ländern konnten sie das Wahlrecht erkämpfen, immer mehr waren berufstätig und unabhängig und die bodenlangen Kleider, die man in Kombination mit eng geschnürten Miedern um 1900 noch getragen hatte, waren knie- bis wadenlangen Kleidern gewichen, bei denen die Taille eine untergeordnete Rolle spielte. „Flapper“ wurden die modebewussten jungen Frauen genannt, die ihre Kleider gern mit Fransen und Pailletten verzierten, sich obendrein auffällig schminkten, die Haare kurz als Bob trugen, rauchten und eben auch Alkohol konsumierten.
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Als Accessoires wählten sie abends neben Zigaretten, Stirnbänder mit Federschmuck, lange Halsketten und Ringe, die in der Lage waren, jede Menge Aufmerksamkeit auf sich zu lenken. Das besondere Merkmal dieser Ringe war der große Mittelstein, der edel sein konnte, aber nicht musste und der einen großen Teil des Fingers bedeckte. Getragen an der Hand, die das Cocktailglas hielt, funkelten die auffälligen Ringe selbst noch im schummrigsten Kneipenlicht. Die Ringe waren in Hinblick auf die Prohibition ein Zeichen der Rebellion, aber auch ein Symbol weiblicher Unabhängigkeit, kauften sich Frauen diese Ringe doch nicht selten einfach selbst.
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Der Name „Cocktailring“ entstand damals aufgrund der Tatsache, dass in den Speakeasys Cocktails besonders populär waren. Der Grund dafür war der schlechte Alkohol, der während der Prohibition heimlich hergestellt und ausgeschenkt wurde und meist nicht besonders gut schmeckte. Dies galt es zu übertünchen. Getrunken wurden Drinks wie Sidecar, Brandy Alexander, Old Fashioned, der nach dem Schauspielerin benannte Mary Pickford und alles mit Gin (darunter natürlich auch der klassische Martini), denn die Herstellung von Gin gelang besonders schnell und kostengünstig. Nebenbei sei angemerkt, dass während der bis 1933 andauernden Prohibition alkoholbasierte Erkrankungen wie Leberzirrhose tatsächlich zurückgingen, es dafür aber vermehrt zu Todesfällen kam, die auf den Genuss nicht sachgemäß hergestellten Alkohols zurückzuführen waren.
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Cocktailringe waren nicht nur in Amerika beliebt, sondern auch in Europa. Dort trugen die Damen sie jedoch nicht aus Gründen der Rebellion, sondern als modisches Statement und als Zeichen des Wohlstands, weshalb eher zu edelsten Materialen zurückgegriffen wurde.

Doch gingen die Partys der Goldenen Zwanziger mit einem Knall zu Ende: dem Börsencrash von 1929, auf den die Weltwirtschaftskrise folgte. Dennoch blieben Cocktailringe beliebt. Und das vor allem deswegen, weil sie nicht zwangsweise teuer sein mussten, konnte der funkelnde Hauptstein doch zur Not auch aus Glas bestehen.
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Nach den Schrecken den Zweiten Weltkriegs kehrte der Glamour mit aller Macht zurück. Christian Dior präsentierte seinen New Look, der Mode wie die Flapper-Kleider der Zwanziger Jahre erstmal ad acta legte. Die Cocktailringe waren jedoch immer noch da, nun auch in Amerika auf den beliebten Cocktailpartys als Symbol von Wohlstand und Luxus getragen. Die Edelsteine wurden im Laufe der Jahre immer größer – Hollywoodstar Elizabeth Taylor war ein großer Fan von Hochkarätern und förderte die Popularität entsprechender Ringe – und auch heute zählen Cocktailringe zu den absoluten Hinguckern in den Katalogen von Schmuckauktionen.
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Cocktailringe sind nach wie vor ein echter Statementschmuck, der selbstbewusst getragen werden will. Und sie machen auch einfach viel Spaß, sind sie doch in endlosen Varianten und Preisklassen zu haben – vom Luxusobjekt mit Edelstein bis hin zum kostengünstigeren Exemplar aus der Modeschmuckabteilung. Und wer mit einem echten Stück aus den 1920/30er Jahren die Zeit der Speakeasys oder des Glamours der Goldenen Zwanziger wieder aufleben lassen möchte, wird auf dem Auktionsmarkt sicherlich fündig werden.










