Der Maler Victor Vasarely gehörte zu den Erfindern der Kinetischen Kunst, ein Stil, der bei einem Kunstwerk durch das Spiel mit geometrischen Mustern den Eindruck von Bewegung erweckt. Vasarely hinterließ ein umfangreiches Œuvre von 10.000 leuchtenden und bunten Arbeiten.
Geboren am 9. April 1908 im ungarischen Pécs, begann Victor Vasarely zunächst ein Studium der Medizin, welches er jedoch nach zwei Jahren aufgab, um sich an privaten Kunstschulen der Malerei zuzuwenden, darunter die Műhely-Schule, an der die Prinzipien des Bauhaus unterrichtet wurden. Diese ließ der junge Vasarely in seine Logik einfließen, indem er die Kurse von Sándor Bortnyik besuchte, wo er einen ersten Einblick in die Abstraktion erhielt. 1930 zog er nach Paris und wurde Grafikkünstler bei der Werbeagentur Havas.

Nach wie vor an der Malerei interessiert, nutzte Victor Vasarely seine Freizeit, um sich in der figürlichen Malerei zu versuchen, bevor er schließlich seinen Stil fand, der eine geometrische Abstraktion mit dem vermischte, was später als Optische Kunst bezeichnet werden würde. Es heißt, dass der Künstler während eines Ferienaufenthaltes auf einer französischen Insel im Golf von Biskaya zufällig in den ovoiden Formen einiger Steine am Strand eine bestimmte Darstellung des Universums entdeckte. Dies war ihm eine Quelle der Inspiration, die ihn für viele Jahre begleiten sollte.
Ein paar Jahre später stellte Vasarely seine post-kubistischen Gemälde in der Galerie Denise René zum ersten Mal aus. Das war im Jahr 1944, welches als Geburtsstunde seiner Karriere als Künstler betrachtet werden kann. Schnell wurde er zum beliebten Helden der Optischen Kunst, ein Stil, der sich aus dem Schaffen des niederländischen Künstlers Piet Mondrian weiterentwickelt hatte. Dafür nutzte Vasarely alle möglichen ästhetischen Prozesse, um die visuelle Wahrnehmung zu beeinflussen.
Lesen Sie auch: Piet Mondrian und die radikale Säuberung der Leinwand

Mit ihren sich wiederholenden geometrischen Formen, Illusionen der Bewegung und leuchtenden Farben, wechselte Vasarelys Kunst bald zu einer bewussten Abstraktion und spielte gründlich mit dem Blick des Publikums, welches geteilter Meinung war. Angesichts seiner manchmal dreidimensionalen Bilder sind viele fasziniert, während andere sich im Gegenteil abwenden, um der durch ein Gefühl des Schwindels ausgelösten Übelkeit zu entkommen …
Lesen Sie auch: Die 10 skandalösesten Werke der Kunstgeschichte

Victor Vasarelys Arbeit war radikal, erreichte aber an der Wende von den 1960er zu den 1970er Jahren ihren Höhepunkt an Popularität. Es war eine florierende Phase für den Künstler, der zum Zeitpunkt seines Todes am 15. März 1997 jedoch stark in Vergessenheit geraten war. Doch in den 2000er Jahren erwachte das Interesse an seinem Werk zu neuem Leben, was sowohl durch die ihm gewidmeten Ausstellungen, als auch die hohen Auktionspreise für seine Arbeiten belegen, darunter DUBBUK, P.1189, das 2011 bei Artcurial für 150.450 Euro verkauft wurde, das Gemälde Zèbres, das 2017 bei Christie's für 485.000 GBP einen neuen Besitzer fand sowie das 2010 bei Sotheby's für den Rekordpreis in Höhe von 565.250 GBP versteigerte Altaï III von 1955-58.

Doch zurück in die späten 1960er und 1970er Jahre, die für Victor Vasarely auch eine Phase der Befreiung waren, in der er den einengenden Wänden der Galerien in wohlhabenden Stadtvierteln den Rücken kehrte, um den öffentlichen Raum für sich zu gewinnen, was voll und ganz seiner Philosophie entsprach. 1968 entwarf er die Rückwand für die Tribüne der Eisschnelllaufbahn der Olympischen Winterspiele in Grenoble, im Jahr darauf wagte er den ersten Schritt in die Popkultur, als David Bowie eines von Vasarelys Gemälden für das Cover seines Albums Space Oddity verwendete.
Lesen Sie auch: Victoria & Albert Museum erwirbt das Archiv von David Bowie

1972 gestaltete Vasarely, der mittlerweise die französische Staatsbürgerschaft besaß, das Markenlogo von Renault neu und entwarf die Fassade für den Hauptsitz des Radiosenders RTL in Paris. Am Ende dieser kreativen Phase hatte er sogar die Politik erreicht, als er ein Porträt von Präsident Georges Pompidou malte.

1971 gründete Victor Vasarely seine Stiftung, deren Ziel es war, Kunst im Herzen der Gesellschaft zu verankern. Die Stiftung wurde in zwei sich ergänzende Einrichtungen unterteilt: ein auf Pädagogik ausgelegtes Museum in Gordes (das heute nicht mehr in Betrieb ist) und das 1976 in einem futuristischen Gebäude eröffnete Architekturzentrum vor der Kulisse der Bergkette Sainte-Victoire in Aix-en-Provence.
Lesen Sie auch: 8 Künstler, die sich von Südfrankreich inspirieren ließen

Leider haben Erbschaftsstreitigkeiten und eine Vielzahl finanzieller Wendungen das Image dieser Stiftung und damit auch dieses Gebäudes getrübt. Zwanzig Jahre nach dem Tod seines Schöpfers wurde das Gebäude jedoch durch umfangreiche Restaurierungsarbeiten schrittweise aus der Asche wiedergeboren.
Entdecken Sie weitere Künstlerbiografien im Barnebys Magazin!




