Mit seinen charmanten Dörfern und der glitzernden Mittelmeerküste begeistert Südfrankreich bereits seit langem Maler, Schriftsteller, Genießer und Sonnenanbeter gleichermaßen. Bevor es zum heutigen Jetset-Hotspot wurde, waren es das angenehme Klima und die atemberaubenden Landschaften, verschlafene Fischerorte und das gesamte joie de vivre, die Kranken Erholung und Kreativen Inspiration versprachen. Und während der Rest Europas während des Ersten Weltkriegs im Chaos versank, blieb Südfrankreich ein Ort, der ein gewisses Maß an Sicherheit gewährte. Im 19. Jahrhundert strömten die Impressionen gen Süden, gefolgt von den Künstlern der Moderne, die die Verlockungen der Region entdeckten und deren Schönheit auf zahlreiche Leinwände bannten. Hier sind acht Künstler, denen Südfrankreich nicht nur zur Inspirationsquelle wurde, sondern bisweilen auch zur Heimat.
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Henri Matisse (1869-1954)

Henri Matisse besuchte Südfrankreich erstmals im Jahr 1905, wo er in dem nahe der spanischen Grenze gelegenen Collioure zwei seiner bekanntesten Werke schuf: Dächer von Collioure und Offenes Fenster in Collioure, die in der Sankt Petersburger Eremitage bzw. in der National Gallery of Art in Washington, D.C. zu sehen sind. 1917, während des Ersten Weltkriegs, ließ er sich in einem Vorort von Nizza nieder und verbrachte von da an den Rest seines Lebens in Südfrankreich. Matisse’ fauvistische Technik und leuchtende Farben werden immer wieder mit den brillanten Tönen der Riviera und deren prachtvollen Blumen und dem blauen Mittelmeer in Verbindung gebracht. 1963 öffnete das Musée Matisse seine Pforten in Nizza, dessen Sammlung zum Großteil von Matisse selbst gestiftet worden war und das Gemälde und Zeichnungen, Skulpturen und Bücher sowie persönliche Gegenstände beherbergt.
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Marc Chagall (1887-1985)

Nachdem er Südfrankreich wiederholt besucht hatte, kam Marc Chagall 1948 erneut an die Côte d’Azur – dieses Mal jedoch, um zu bleiben. Er sagte einmal: „Dort, im Süden [Frankreichs], sah ich zum ersten Mal in meinem Leben, ein so reiches Grün, wie ich es in meinem Heimatland nie gesehen hatte.“ In Südfrankreich experimentierte er, wie Picasso, wegen der vielen dort ansässigen Töpfereien mit Keramik. Chagalls Erbe wird vom Musée National Marc Chagall in Nizza verwaltet, das 1973 eröffnet und von Chagall selbst gestaltet wurde. Das Museum beherbergt vor allem Chagalls biblische Werke, aber auch Mosaike, Bleiglasarbeiten, Skulpturen und Zeichnungen. Es ist die weltweit größte Sammlung von Werken des Künstlers.
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Paul Signac (1863-1935)

Als begeisterter Segler suchte Paul Signac nach schönen Küstenorten, in denen seine Liebe für die See mit seiner Leidenschaft für die Malerei kombinieren konnte. Er ließ sich in Südfrankreich nieder, wo er Häuser in Saint-Tropez und später in Antibes besaß. Die Häfen der Côte d’Azur dienten ihm immer wieder als Motiv für seine pointillistischen Werke, die die Prismen der Farben und des Lichts betonen.
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Pablo Picasso (1881-1973)

Pablo Picasso kam erstmals 1914 nach Südfrankreich, wo er sich vor allem in dem mittelalterlichen Städtchen Avignon aufhielt. Als Spanier wurde er im Gegensatz zu vielen seiner Künstlerfreunde nicht zum Kriegsdienst in die französische Armee eingezogen und konnte seine Arbeit fortsetzen. Nachdem er den Zweiten Weltkrieg in Paris zugebracht hatte, verbrachte Picasso die zweite Hälfte des Jahres 1946 im Château Grimaldi, das heute das Musée Picasso Antibes beherbergt.
Im Süden Frankreichs entdeckte Picasso auch die Keramik für sich. 1947 besuchte er eine Keramikausstellung in Vallauris, wo er sich in diese Handwerkskunst verliebte. Er ließ sich in dem zwischen Cannes und Antibes gelegenen Ort nieder und arbeitete in den folgenden sieben Jahren in der Werkstatt Madoura, wo er Teller, Schalen und Vasen schuf. Picasso besaß in Südfrankreich mehrere großzügige Anwesen, darunter die Villa La Californie, das Château Vauvenargues und das Herrenhaus Mas Notre-Dame de Vie in Mougins, wo er die letzten zwölf Jahre seines Leben verbrachte und schließlich starb. Heute erinnert neben dem Museum im Château Grimaldi auch das Musée National Picasso „La Guerre et la Paix“ an Picasso Leben und Arbeiten in Südfrankreich.
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Pierre Bonnard (1867-1947)

1908 besuchte Pierre Bonnard gemeinsam mit seinem Kollegen Henri Manguin, einem für seine mediterranen Landschaften bekannten Fauvisten, Saint-Tropez. Der Aufenthalt in Südfrankreich inspirierte viele seiner wichtigsten Werke, die seine Karriere fördern sollten. Später kaufte Bonnard eine Villa in Le Cannet, ein Dorf in den Bergen bei Cannes, dessen Ansichten er häufig in seinen Werken einfing. Wie viele andere Künstler, verließ auch Bonnard Paris zu Beginn des Zweiten Weltkriegs. Er zog ganz nach Le Cannet, wo er allerdings bereits zwei Jahre später starb.
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Pierre-Auguste Renoir (1841-1919)

Aufgrund seiner Arthritis zog es Pierre-Auguste Renoir 1907 in das an der Französischen Riviera zwischen Antibes und Nizza gelegene Cagnes-sur-Mer, wo er sich auskurieren wollte. Sein dortiges von der provenzalischen Landschaft und Orangen- und Olivenhainen umgebenes Bauernhaus Les Collettes wurde ein wichtiges Motiv in Renoirs späten Jahren. Les Collettes beherbergt heute ein Renoir-Museum, in dem man sich nicht nur Gemälde und Skulpturen anschauen kann, sondern auch das Atelier des Künstlers.
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Vincent van Gogh (1853-1890)

Aufgrund seines durch das Leben in Paris verschlechterten Gesundheitszustands, verließ Vincent van Gogh im Februar 1888 die französische Hauptstadt und reiste Richtung Süden, wo er in Marseilles für seinen Bruder Theo einen Auftrag erledigen und sich zudem erholen sollte. Außerdem erhoffte sich der Maler neue Quellen der Inspiration zu entdecken. Das geschah auch, allerdings bereits in dem an der Bahnstrecke gelegenen Arles, wo er ausstieg und blieb.
In Arles entstanden einige der bekanntesten Werke van Goghs, die erhoffte Gesundung trat jedoch nicht ein. Im Gegenteil: nach einem Streit mit dem nachgereisten Paul Gauguin schnitt sich van Gogh einen Teil seines linken Ohres ab, woraufhin er in die in der Nähe gelegen Nervenheilanstalt von Saint-Rémy-de-Provence verbracht wurde. Auch hier war er weiterhin künstlerisch aktiv und malte u.a. sein berühmtes Werk Sternennacht.
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Paul Cézanne (1839-1906)

Paul Cézanne stammte gebürtig aus Südfrankreich und war in Aix-en-Provence aufgewachsen. Er verbrachte sein Leben abwechselnd in Paris und in seiner Heimatregion, deren Berglandschaften, Dörfer und reiche Farben er in seinen berühmten Landschaftsbildern aufs vortrefflichste wiedergab. Eines seiner wiederholten Motive war der Mont Sainte-Victoire, ein Kalksteinberg in der Provence, den er in den letzten 28 Jahren seines Lebens, die er dauerhaft in der Provence verbrachte, immer wieder malte.



