Als ein Höhlenmensch eines Tages ein paar seiner Schätze in einen provisorischen Beutel aus Tierhaut knotete, um sie mit sich zu führen, hatte er keinen blassen Schimmer, welchen Trend er (oder sie?) damit lostrat. Die Tasche war gekommen, um zu bleiben.
In den vergangenen Jahrhunderten führte die Dame von Welt in der Regel kein Geld mit sich und hatte, wenn sie das Haus denn einmal verließ, kaum Dinge dabei, die ein Tasche notwendig gemacht hätten. Taschen, die in der Hand getragen wurden, kamen erst um 1800 auf, doch auch während der viktorianischen Ära zogen Frauen es häufig vor, ihre Täschchen unter der Kleidung zu verstecken, um Dieben erst gar keine Gelegenheit zu bieten. Als die Krinolinen einer schmaleren Mode weichen mussten, gingen die Versteckmöglichkeiten verloren und die Taschen kehrten zurück ins Sonnenlicht. Nun war die Zeit gekommen, in der Handtaschen zum modischen Statement wurden.
Lesen Sie auch: Ein treuer Begleiter: Die Geschichte der Handtasche
Heute sind diese antiken und Vintage-Handtaschen als schöne Objekte begehrt, die gerne gesammelt werden. Sammler haben dabei die Auswahl zwischen verschiedenen Epochen und Stilen, denn wie alles andere auch, hat sich die Handtasche im Laufe der Jahrzehnte weiterentwickelt.

Eine ganz neue Masche
Abendtäschchen aus Metallgeflecht wurden im frühen 20. Jahrhundert von zahlreichen Unternehmen auf der ganzen Welt hergestellt. Zusammengefügt wurden sie aus winzigen Gliedern, die anschließend von Hand bemalt oder mit wundervollen Mustern bedruckt wurden. Die Verschlüsse waren mit Strasssteinen oder bemalter Emaille besetzt.
Sie sind die perfekten Abendbegleiter, besonders wenn Sie auch Vintage-Kleidung tragen, auch wenn sie meist recht klein sind. Wenn man Mesh-Taschen sammelt, sind die aufwendigen Stücke von Mandalian ein Muss, auch wenn sie tendienziell teurer sind als Taschen von Whiting & Davis oder sogar die eleganten Exemplare aus Frankreich. Mandalian-Taschen sind auf ihren Rahmen signiert, worauf man vor allem beim kauft der fabelhaften, aber teuren Taschen aus Sterlingsilber achten sollte.
Vermeiden Sie es, Mesh-Taschen mit ausgehakten, gebrochenen oder gar fehlenden Gliedern zu kaufen, da sie nicht leicht zu reparieren sind. Auch von preislich scheinbar attraktiven Taschen mit stellenweise abgeplatzter Farbe ist abzuraten, da dieser Prozess immer weiter vorschreiten wird, vor allem, wenn man sie benutzen möchte. Warten Sie lieber ab und legen Sie Ihr Geld lieber für ein gut erhaltenes Exemplar zur Seite. Seit den 1990er Jahren ist die Nachfrage nach Mesh-Taschen zurückgegangen, was auch die Preise sinken ließ. Man macht sich heute zum Ausgehen meist nicht mehr so übermäßig schick, was das Mitführen einer solch aufwendigen Tasche rechtfertigen würde. Bevorzugt werden Modelle ab der Mitte des 20. Jahrhunderts, die nicht ganz so zierlich und unpraktisch sind.

Handtaschen der Kriegsjahre
Der Zweite Weltkrieg wirkt wie auf alle Lebensbereiche aus, z.B. auch darauf, dass Frauen verstärkt in die Arbeitswelt eintraten. Da sie sich nun regelmäßig für einen längeren Zeitraum außer Haus aufhielten, führten sie eine höhere Anzahl an Objekten mit sich, was größere Handtaschen erforderte. Es war die endgültige Geburtsstunde der modernen Handtasche.
Doch stand den Herstellern dieser Taschen keine endlose Auswahl an Materialien zur Verfügung. Das zuvor für die Mesh-Taschen verwendete Metall, kam nur noch in der Rüstungsindustrie zum Einsatz. Da Not bekanntlich erfinderisch macht, setzte man stattdessen auf natürliche Materialien wie Baumwolle, Stroh oder Weide. Ihr Innenleben bestand häufig aus mit Blumenmustern bedruckter Baumwolle. Gerade bei solchen vergänglicheren Materialien, die vor geraumer Zeit verarbeitet wurden, kann man kaum erwarten, dass es keinerlei Gebrauchsspuren gibt. Der eine oder andere kosmetische Makel ist daher akzeptierbar. Nur von wirklichen Schäden, wie gebrochenen Griffen oder Löchern sollte man besser die Finger lassen.
Lesen Sie auch: 5 Handtaschen-Ikonen und die Frauen, die sie berühmt gemacht haben
Heiß begehrt sind beispielsweise die Handtaschen, die in den 1940er Jahren aus Hongkong importiert wurden. Sie sind von fabelhafter Qualität und meist mit Seide gefüttert. Hongkong war bekannt für seine fachkundigen Schneidereien und Manufakturen, edle Stoffe und stilvolle Accessoires. Findet man ein Exemplar mit dem Namen oder der Adresse des Händlers, hat man es mit einem ganz besonderen Schatz zu tun.

Nach dem Krieg kam die Umhängetasche
Auch in der Nachkriegszeit musste der Gürtel enger geschnallt werden und Handtaschen wurden meist aus Stoff hergestellt. Die Taschen waren weich und geschmeidig und vor allem geräumig. Die Designs waren eher schlicht, doch gab es verzierte Rahmen und Verschlüsse und oft gab es zu einer Tasche auch einen passenden Hut. Die Outfits wurden im Laufe der Jahre aufeinander abgestimmt, wodurch ein sehr eleganter Look entstand. Doch war es auch die Geburtsstunde der Umhängetasche. Frauen liebten sie, da sie dank ihr alles dabei hatten, was sie unterwegs benötigten, aber dennoch beide Hände frei hatten. Als Vorlage für diese neuen Taschen dienten die im Krieg verwendeten Kuriertaschen, deren Erscheinungsbild in ein modisches Accessoire für den täglichen Gebrauch verwandelt wurde.
Lesen Sie auch: Reine Kopfsache: Die Geschichte des Hutes
Leder und einige Metalle waren nach wie vor Mangelware. Und so begannen einige Hersteller damit, den luxuriösen Lederlook der Highend-Marken mit künstlichen Stoffen zu imitieren. Für alle, die sich den echten Luxus nicht leisten konnten, gab es nun die Option der erschwinglichen Nachahmung. Als in den 1980er Jahren „exotische“ Taschen wieder in Mode kamen, warben viele Unternehmen damit, dass ihre Taschen aus synthetischer Haut herstellten, und diese erfreuen sich heute wachsender Beliebtheit. Sie sind bunt, weich und geräumig. Auch die lässigen und nicht weniger geräumigen Hobo-Taschen mit glänzenden Verzierungen sind bei Sammeln gefragt. Ähnlich wie Aktentaschen oder Schulranzen bieten sie all den Dingen, ohne die wir unterwegs nicht leben können, Platz, ohne dabei auf einen Sinn für Stil verzichten zu müssen.
Der Kunststoff, aus dem die Träume sind
Zu den wertvollsten Vintage-Taschen gehören jene, die aus dem Kunststoff Lucite hergestellt wurden. Als diese in den 1950er Jahren produziert wurden, waren Clutches gerade schwer angesagt. Diese Täschchen sind zwar nicht unbedingt praktisch, aber auf jeden Fall schön, lustig und schick. Lucite ist ein harter Kunststoff und kann wie Glas brechen und splittern. Daher ist vor dem Kauf eine genaue Inspektion von innen und außen sehr wichtig. Kaufen Sie keine Lucite-Tasche mit Rissen oder gebrochenen Scharnieren, da dies unmöglich zu reparieren ist.

Bei der Gestaltung der Lucite-Taschen ist der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Es gibt sie mit eingebettetem Metallelementen, geschnitzt oder mit Kristallen, Strasssteinen oder Perlen verziert. Einige sehen aus wie aus Perlmutt oder Schildpatt gemacht. Wenn Sie Glück haben, finden Sie eine Lucite-Tasche inklusive kleinem Begleiter von Myles. Myles stellte einige der interessantesten und Farbenfrohesten Taschen her, zu denen eine passende Geldbörse oder Puderdose gehörte. Auch wenn diese fehlen, lohnt es sich immer, eine Tasche mit Myles-Etikett zu kaufen.
Erhalten Sie weitere Artikel zum Thema Sammeln direkt in Ihrem Email-Postfach: Melden Sie sich noch heute für unseren kostenlosen Newsletter an!
Clutches und Taschen aus weichem Kunststoff sind die perfekten Sommerbegleiter, vor allem wenn sie mit Blumen oder Perlen verziert sind.

Um die Mitte des 20. Jahrhunderts wurden einige der extravagantesten und lustigsten Handtaschen geschaffen. Viele fabelhafte Designs stehen zur Auswahl, die dank der erhöhten Zugänglichkeit durch das Internet bereits zu günstigen Preisen erstanden werden können. Bevor es das Internet gab, waren Vintage- und Antiquitätenhändler so ziemlich die einzigen Bezugsquellen und die Knappheit der Ware sorgte für entsprechend hohe Preise. Wer es gern etwas skurriler mag, ist mit diesen Handtaschen gut beraten.
Entdecken Sie Taschen mit Applikationen, die Jukeboxes, Schallplatten oder auch Pudel darstellen. Sie passen genauso perfekt zu Jeans und Turnschuhen wie zum Petticoat-Rock. Der Retro-Look ist ein wachsender Modetrend und wenn Sie ihm jetzt schon folgen, können Sie nichts falsch machen, solange die Preise noch moderat sind.

Glanzstücke aus Lackleder
Auch nach den Taschen aus Lackleder jener Epoche sollte man unbedingt Ausschau halten. Lackleder ist ein feinnarbiges Leder, das mit Ölen behandelt wurde, um ein hochglänzendes Ergebnis zu erzielen. Es ist wasserabweisend und in einer unendlichen Vielzahl an Farben, Mustern und Designs erhältlich.
Sie möchten wissen, was Ihre Handtasche wert ist? Finden Sie heraus bei ValueMyStuff!
Leuchtende Farben machen diese Taschen zu einem fabelhaften Accessoire, um die Herbst- und Wintergarderobe aufzuhellen. Aus irgendeinem Grund scheinen bunte Kleidungsstücke in der kalten Jahreshälfte aus aus dem Alltag zu verschwinden, obwohl wir sie gerade dann am nötigsten haben. Doch mit einer Umhänge- oder Handtasche aus buntem Lackleder kann jedes noch so triste Outfit aufgehübscht werden, besonders wenn man noch passende Schuhe oder einen passenden Gürtel dazu auswählt.

Wie fange ich mit dem Sammeln an?
Das Sammeln von Handtaschen kann eine teure Leidenschaft sein. Doch muss man sich ja nicht auf Designerstücke konzentrieren und vor allem kommt es auf den persönlichen Geschmack an. Es soll dabei nicht um eine Investition à la Birkin Bag gehen, sondern darum, das zu kaufen, was man wirklich mag. Sammler dieser weniger exklusiven, aber nicht minder schönen Taschen, möchten ihre Schätze auch tatsächlich benutzen und glücklicherweise ist das Angebot enorm.
Lesen Sie auch: Alles, was Sie über das Sammeln von Vintage-Modeschmuck wissen müssen
Doch gilt wie immer beim Secondhand-Kauf: Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste, denn es gibt viele Fälschungen da draußen. Kaufen Sie im Internet nur auf einer seriösen Website und überprüfen Sie unbedingt die Rückgaberichtlinien. Werden Sie aber auch „vor Ort“ aktiv und durchstöbern Sie Secondhand-Läden und Flohmärkte nach unentdeckten Schätzen.
Viel Spaß bei der Suche!
Entdecken Sie Artikel zu weiteren Sammlergebieten im Barnebys Magazin!









