Die Geschichte des Hutes begann vor sehr langer Zeit, die erste Darstellung eines Hutträgers ist rund 15.000 Jahre alt und stammt aus einer Höhle in Frankreich. Damals hatte eine Kopfbedeckung vor allem eine Schutzfunktion vor Kälte oder Gefahr.
Mit dem Aufkommen der ersten Religionen, kam eine spirituelle Bedeutung hinzu, die das Funktionsspektrum erweiterte: zunächst einmal diente die Kopfbedeckung als Schutz für den Kopf, der als Sitz der Seele betrachtet wurde, darüber hinaus sollte ein Kopfschmuck die Aufmerksamkeit des Göttlichen auf sich lenken. Eine der berühmtesten Darstellungen eines antiken Kopfschmuck zeigt die Totenmaske des Tutanchamun. Der Pharao trägt die nemes, ein Tuch, das von den königlichen Insignien Kobra und Geier bekrönt wird, die auf die Göttlichkeit des Trägers hinweisen. Die ober- und die unterägyptische Krone der Pharaonen symbolisierten Ehre und Heiligkeit, die den Herrschen als Söhne des Sonnengottes Re, den sie auf Erden repräsentierten, quasi mit in die Wiege gelegt wurden.

Im antiken Griechenland gab eine πῖλος (pilos) genannte Kappe aus Filz, deren Schlichtheit darauf hindeutet, dass sie eher von den niederen sozialen Schichten getragen wurde, also von Arbeitern, Fischern und Seeleuten. Der pilos hatte eine konische Form, eine anderen Kopfbedeckung namens πέτασος (petasos) war hingegen flach und breiter und konnte aus Filz oder Leder hergestellt werden. Er war sozusagen der Vorläufer breitkrempiger Hüte und bot Schutz vor der Sonne, weshalb er gerne von Feldarbeitern und Reisenden getragen wurde. Auch gibt es Darstellungen des Götterboten Hermes/Merkur, der auch Schutzgott der Reisenden war, mit einer solchen Kopfbedeckung.
Als pileus hielt der pilos später Einzug im antiken Rom, wo er als Freiheitssymbol betrachtet wurde, da ihn freigelassene Sklaven zu tragen pflegten.

Im Mittelalter wurde die Unterscheidung der verschiedenen Gesellschaftsschichten anhand der Kopfbedeckung noch deutlicher. Der Adel und die reiche Oberschicht trug raffiniert geformte Exemplare aus edlen Stoffen wie beispielsweise Samt. Frauen ergänzten zusätzlich Blumen und Bänder. Im 13, Jahrhundert entstanden die ersten Hutgeschäfte und Händler aus Venedig und Frankreich wurden berühmt. Mitte des 15. Jahrhundert kam bei Frauen im nördlichen Europa der Hennin in Mode, ein länglicher Kegel mit langem Schleier an der Spitze. Heute findet dieser Hut häufig in Märchenfilmen Verwendung. Was die männliche Hutmode betrifft, so hatte diese damals mit den französischen Königen Ludwig XI. und Karl VIII. die perfekten Produktbotschafter, denn beide traten kaum einmal ohne Hut in der Öffentlichkeit auf. So richtig los ging es jedoch erst um 1500 in der Epoche der Renaissance, als die unterschiedlichsten Hüte aus verschiedenen Materialien hergestellt wurden, die mit Federn, Schleiern und Edelsteinen verziert waren.
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Mit der Möglichkeit, ihn aufwändig zu verzieren, wurde der Hut zum Statussymbol, der der Macht seines Trägers Ausdruck verlieh. Der prunkliebende Sonnenkönig Ludwig XIV. von Frankreich besaß im späten 17. Jahrhundert einen 35-Karat-Diamanten, den er an seinen Hüten zu tragen pflegte. Am Ende von Ludwigs Herrschaft kam schließlich der Dreispitz in Mode, der bis dahin nur von Soldaten getragen wurde. Der Dreispitz bleib während des gesamten 18. Jahrhunderts omnipräsent und wurde sogar von Frauen getragen.

Erst ganz am Ende des Jahrhunderts, während der Französischen Revolution erfolgte der Wechsel zum Zweispitz. Vor allem Napoleon wird mit diesem Soldatenhut assoziiert, vor allem, weil er ihn anders trug, als seine Offiziere, mit den Spitzen über den Schultern, wodurch er auf dem Schlachtfeld leicht zu erkennen war.

Das 19. Jahrhundert sollte zum Goldenen Zeitalter des Hutes werden. Steife Hauben, die sogenannten Schuten, wurden getragen, genauso wie breitkrempige Gainsbourogh- bzw. Picture hats, deren Entstehung auf die Porträts hoher Damen mit entsprechender Hutmode zurückgehen, die der englische Maler Thomas Gainsborough im späten 18. Jahrhundert gemalt hatte. Eine sommerliche Variante aus Stroh war der sehr beliebte Florentiner Hut. Eine dekorative Zier war bei diesen Hüten obligatorisch und konnte Feder, Blumen oder sogar ganze ausgestopfte Vögel umfassen.
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Auf männlicher Seite war das 19. Jahrhundert das Zeitalter des Zylinders, wie ihn beispielsweise US-Präsident Abraham Lincoln trug. Ein Zylinder machte seinen Träger vor allem größer, als er tatsächlich war. Lincoln, der ohnehin von hoher Statur war, liebte es, dies durch das Tragen eines Zylinders noch zu betonen, auch wenn dieser ihn vor allem bei schlechtem Wetter Schutz bot. Auch nutzte Lincoln seine Zylinder als Stauraum und transportierte in ihm wichtige Dokumente. Nach dem Tod seines geliebten Sohnes Willie, der im Alter von 11 Jahren an Typhus starb, fügte Lincoln seinen Zylindern einen Trauerflor hinzu.
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Wie man sich leicht vorstellen kann, nahm so ein Zylinder viel Platz in Anspruch und war schwer zu verstauen, vor allem auf Reisen. Aus diesem Grund erfand der Franzose Antoine Gibus 1823 eine nach ihm benannte Variante des Zylinders, die es anhand dünner Stahlfedern erlaubte, den Hut flach zusammenzupressen, sodass er unter dem Arm oder in kleinen Stauräumen untergebracht werden konnte. Der Gibus ist auch unter dem Namen chapeau claque bekannt, was sich auf das Geräusch bezieht, das entsteht, wenn er wieder in seine ursprüngliche Form zurückspringt.

In jüngerer Zeit hat die Steampunk-Kultur, die den viktorianischen Stil mit technischen Elementen mischt, dem Zylinder neues Leben eingehaucht und wird von Männern und Frauen in Kombination mit Schutzbrillen, Uhrwerken und anderen Verzierungen getragen.
Um 1900 verließ niemand das Haus ohne einen Hut auf dem Kopf. Es entstanden immer neue Modelle, von denen einige auch heute noch getragen werden.

Die pompösen Hüte des vorangegangenen Jahrhunderts wurden nun von einfacheren und minimalistischen Linien abgelöst. Es war die Zeit des Glockenhuts (von frz. „cloche“), der 1908 von der Pariser Hutmacherin Caroline Reboux erfunden wurde. So richtig beliebt wurde der Hut jedoch erst in den 1920er und 1930er Jahren, als mit dem Bob der passende Haarschnitt dafür in Mode kam. Frauen, die diesen Haarschnitt und kurze Kleider trugen und Jazz-Musik liebten, wurden Flapper genannt, worauf eine weitere Bezeichnung für den Hut basiert.

Im 20. Jahrhundert entwickelte sich die Hutmacher zu einem wichtigen Wirtschaftszweig in Italien. Hüte mit der Kennzeichnung „Made in Italy“ wurden zu einem Symbol der Eleganz und des Prestiges und wurden von vielen Berühmtheiten getragen. Vor allem Borsalino, seit 1857 spezialisiert auf die Herstellung luxuriöser Hüte, wurde zu einer begehrten Marke, die auch Einzug in Hollywood hielt: So trug Humphrey Bogart 1942 in Casablanca einen Hut von Borsalino.
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Noch bedeutender für die Filmgeschichte erwies sich jedoch der bereits Mitte des 19. Jahrhunderts von Thomas William Bowler in London erfundene Bowler-Hut (in Deutschland auch als „Melone“ bekannt), der im frühen 20. Jahrhundert zum Markenzeichen von Charlie Chaplin wurde. Im Gegensatz zum eleganten Zylinder war die Melone für den Durchschnittsmann gedacht – oder eben einen Tramp.

Als echter Engländer liebte auch Sir Winston Churchill die Melone, bevorzugte jedoch mit dem Homburg eine Variation davon, die oben in der Mitte eine breite Kerbe aufweist. Der britische Staatsmann trug diesen Hut eigentlich immer, bei bedeutenden Anlässen wie dem Treffen mit US-Präsident Roosevelt auf der Casablanca-Konferenz im Jahr 1943 oder bei alltäglichen Dingen wie Gartenarbeit oder wenn er seiner Leidenschaft fürs Malen nachging.
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Nach dem Zweiten Weltkrieg verschwanden Hüte allmählich aus dem Alltag, wodurch ihr Ansehen als Accessoires für besondere Gelegenheiten anstieg. Die Mode veränderte sich und Unisex-Modelle kamen auf, allen voran das Baseball Cap mit langem Schirm, das, ausgehend von der Hip Hop-Mode, auch gerne verkehrtherum getragen wird. Ein Grund für die Popularität der Baseball Cap sind deren geringe Anschaffungskosten, auch wenn es heute Exemplare teuerer Marken gibt, für die man tief in die Tasche greifen muss.
Seit sich der Hut vom Helm als reine Schutzkleidung abgespalten hat, ist viel Zeit vergangen, in der er zum Statussymbol und Modeobjekt wurde. Heute haben Hüte auch auf dem Auktionsmarkt Einzug gehalten, vor allem solche, die einst von Berühmtheiten oder historischen Persönlichkeiten getragen wurden. 2011 wechselte eine grüne Baskenmütze, die John Wayne in dem Film Die grünen Teufel getragen hatte, für 180.000 USD den Besitzer, während eine Melone von Charlie Chaplin ein Jahr später für 57.600 USD versteigert wurde. Ebenfalls begehrt sind Hüte von Michael Jackson und Napoleon Bonaparte. Im vergangenen Jahr wurde ein Zweispitz, den der Kaiser während der Schlacht von Jena getragen hatte, bei Sotheby’s für 1,2 Millionen Euro verkauft.
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Ob Hüte jemals wieder in Mode kommen, ist ungewiss, zu groß ist die Konkurrenz unter den Accessoires, wo Handtaschen eindeutig die Nase vorn haben. Zu Ende ist lange Geschichte des Hutes aber garantiert noch nicht und wenn es die Geschichte eines Sammlerstücks sein könnte.










